Maschinen können immer mehr, erst ersetzten sie unsere Muskelkraft, dann nahmen sie uns stupide Rechenaufgaben ab, und bald werden sie die anspruchsvollen Dienstleistungsjobs unserer postindustriellen Gesellschaft übernehmen. So zumindest behauptet es Erik Brynjolfsson, wie ich schon in früheren Blogbeiträgen berichtet hatte. Computer spielen mittlerweile auch besser Schach und Rateshows, sind aber bei manchen Aufgaben, die echtes Verstehen notwendig machen, immer noch etwas unbeholfen. Die Sprachtechnologie zum Beispiel machte in den letzten Jahren schöne Fortschritte, immer noch ist es aber lustig, sich in mehreren Schleifen Texte automatisch übersetzen und rückübersetzen zu lassen. Die letzten Bastionen des menschlichen Geistes geraten aber zunehmend unter Druck.
Kunst und Kreativität sind solche Rückzugsgebiete der menschlichen Einzigartigkeit. Das Beispiel der Affen, die bei unendlicher Zeit auch einen Shakespeares-Text schreiben könnten (das sogenannte Infinite-Monkey Theorem) soll gerade zeigen, dass zwar zufällig Kopien von Kunst entstehen können, aber keine "echte Kunst. Der Deutschlandfunk hat zuletzt in einer Sendung zu kreativen Computern schöne Beispiele angeführt, die einen zumindest zweifeln lassen. DRadio Wissen hatte sich schon vor zwei Jahren mit dem Thema beschäftigt. Schon jetzt machen Computer ja Zeitungen (zumindest die Sportberichterstattung), werden wir bald also nicht mehr wissen, welchen Ursprungs die künstlerischen Schöpfungen in den Museen, Bühnen und Unterhaltungsmedien sind? Solange wir es nicht wahrnehmen, sollten wir dann von künstlicher kreativer Intelligenz ausgehen? Alan Turing hatte einen Test beschrieben, um künstliche Intelligenz zu identifizieren (eine schöne Diskussion hierzu findet sich hier). Vielleicht brauchen wir auch einen Turing-Kreativ-Test...
Montag, 8. Juli 2013
Donnerstag, 20. Juni 2013
disruptive technologies
Zu disruptiven Technologien hat McKinsey im Mai eine neue Studie vorgestellt. 10 Technologien werden vorgestellt, die auf kurz oder lang zu ökonomischen Umbrüchen führen könnten. Vom mobilen Internet und dem sogenannten Internet der Dinge bis zum autonomen Fahren, 3D Printing und Erneuerbaren Energien ist so ziemlich alles aufgeführt, was heute schon (fast) auf dem Markt erhältlich und heiß diskutiert wird. Echte Überraschungen sind also kaum zu erwarten, gleichwohl beeindrucken die Zahlen, mit denen McKinsey die wirtschaftlichen Effekte dieser technologien und damit ihren disruptiven Chakter unterstreicht. Das Konzept der disruptiven Technologien wurde vor allem durch die Publikationen von Clayton Christensen bekannt, in Deutschland hat sich jüngst der BDI dieser Terminologie bedient, um in seiner Studie Deutschland 2030 - Zukunftsperspektiven der Wertschöpfung Anfang 2012 technologiepolitische Strategien zu skizzieren.
Die McKinsey-Studie wiederum wurde vom Economist in seiner Schumpeter-Kolumne aufgegriffen, um einen der betrachteten Technologietrends etwas gegen den Strich zu bürsten. Für die Automatisierung der Wissensarbeit sieht McKinsey mit den größten wirtschaftlichen Effekt, da bis 2025 bis zu 140 Millionen Arbeitsplätze durch intelligente IKT ersetzt werden könnten. Die Rationalisierungsprozesse der Industrie würden sich damit auf die Wissensarbeit ausbreiten, mit ungeahnten Folgen. Während McKinsey vor allem die positiven Effekte (neue, preiswerte Wissensdienstleistungen, aufqualifizierung der verbleibenden und neu geschaffenen Arbeitsplätze) herausstellt, verweist der Economist zurecht auf die zunächst dramatischen Folgen und nimmt besonders bezug auf die Veröffentlichung von Erik Brynjolfsson and Andrew McAfee (Race Against the Machine, 2011). Den beiden Autoren geht es um ein Rennen, das die Menschheit gegen immer schlauere Maschinen antritt, und das wir - wenn wir uns nicht aufqualifizieren - möglicherweise auch verlieren könnten. Was natürlich nur übetragen gemeint ist ...
Die McKinsey-Studie wiederum wurde vom Economist in seiner Schumpeter-Kolumne aufgegriffen, um einen der betrachteten Technologietrends etwas gegen den Strich zu bürsten. Für die Automatisierung der Wissensarbeit sieht McKinsey mit den größten wirtschaftlichen Effekt, da bis 2025 bis zu 140 Millionen Arbeitsplätze durch intelligente IKT ersetzt werden könnten. Die Rationalisierungsprozesse der Industrie würden sich damit auf die Wissensarbeit ausbreiten, mit ungeahnten Folgen. Während McKinsey vor allem die positiven Effekte (neue, preiswerte Wissensdienstleistungen, aufqualifizierung der verbleibenden und neu geschaffenen Arbeitsplätze) herausstellt, verweist der Economist zurecht auf die zunächst dramatischen Folgen und nimmt besonders bezug auf die Veröffentlichung von Erik Brynjolfsson and Andrew McAfee (Race Against the Machine, 2011). Den beiden Autoren geht es um ein Rennen, das die Menschheit gegen immer schlauere Maschinen antritt, und das wir - wenn wir uns nicht aufqualifizieren - möglicherweise auch verlieren könnten. Was natürlich nur übetragen gemeint ist ...
Mittwoch, 19. Juni 2013
Digital Divide per Suchalgorythmus
Der Tagesspiegel hat in seiner Printausgabe vom 15.6.2013 einen interessanten Artikel zu neuen Ansätzen der Preisgestaltung im Internet berichtet. Basierend auf der Auswertung von Userprofilen, Suchverhalten und darauf aufbauend soziodemographische Schlussfolgerungen, prüfen Onlinehändler angeblich die Einführung individueller Preise. Wer wohlhabend ist, bekommt andere Produkte und Preise angezeigt als vermeindlich ärmere Kunden.
Andere Artikel, z.B. bei heise oder bei businessweek, gehen diesem Phänomen unter der Bezeichung Weblining nach. Die Praxis, in den USA der 30er Jahre als Redlining für die Benachteiligung für Bewohner aus sozal schwächeren bezirken beschrieben, ist zwar nicht neu, mithilfe der umfangreichen sozioökonomischen und persönlichen Daten aus sozialen Netzwerken und Suchhistorien aber mit ganz neuen Konsequenzen zu nutzen. Digitale Spaltung würde dann heißen, dass die existierenedn sozialen Grenzen und Benachteiligungen auf das Netz übetrtagen und weiter verstärkt würden.
Auch Suchergebnisse hängen schon heute von der Suchhistorie ab. Je nachdem, was mich bislang interessierte, wird mir auch die neue Auswahl an Fundstellen vorkonfiguriert. Damit erhöht sich zwar die Chance, dass meine "Suchanfrage" vor dem Hintegrund meiner bnsherigen Suchhistorien besser gedeutet wird und die Ergebnisse häufig präziser sind, gleichzeitig werden so aber auch Pfadabhängigkeiten geschaffen und Tunnelblicke erzeugt.
Noch kann man die personalisierte Suche ausschalten. Ob das auch für die "personalisierte" Onlinepreisbildung gilt?
P.S. Anlässlich der aktuellen Diskussion um staatliches Ausspionieren (PRISM und ähnliches) gibt es natürlich manigfache Querbezüge. Die Technik des Datenzugangs mag unterschiedlich sein, die Herausforderung bei der Datenanalyse - die Erstellung des Nutzerprofils und die Voraussage seines weiteren handelns - sind vergleichbar.
P.P.S. Im Zusammenhang mit den Pfadabhängigkeiten von Suchanfragen sollte der Hinweis auf Eli Pariser und seine "filter bubbles" nicht fehlen, die er im TED TALK und auf einer eigenen Webseite zu seinem Buch anschaulich dargestellt hat. Lesenswert auch ein Interview mit ihm in der Süddeutschen.
Andere Artikel, z.B. bei heise oder bei businessweek, gehen diesem Phänomen unter der Bezeichung Weblining nach. Die Praxis, in den USA der 30er Jahre als Redlining für die Benachteiligung für Bewohner aus sozal schwächeren bezirken beschrieben, ist zwar nicht neu, mithilfe der umfangreichen sozioökonomischen und persönlichen Daten aus sozialen Netzwerken und Suchhistorien aber mit ganz neuen Konsequenzen zu nutzen. Digitale Spaltung würde dann heißen, dass die existierenedn sozialen Grenzen und Benachteiligungen auf das Netz übetrtagen und weiter verstärkt würden.
Auch Suchergebnisse hängen schon heute von der Suchhistorie ab. Je nachdem, was mich bislang interessierte, wird mir auch die neue Auswahl an Fundstellen vorkonfiguriert. Damit erhöht sich zwar die Chance, dass meine "Suchanfrage" vor dem Hintegrund meiner bnsherigen Suchhistorien besser gedeutet wird und die Ergebnisse häufig präziser sind, gleichzeitig werden so aber auch Pfadabhängigkeiten geschaffen und Tunnelblicke erzeugt.
Noch kann man die personalisierte Suche ausschalten. Ob das auch für die "personalisierte" Onlinepreisbildung gilt?
P.S. Anlässlich der aktuellen Diskussion um staatliches Ausspionieren (PRISM und ähnliches) gibt es natürlich manigfache Querbezüge. Die Technik des Datenzugangs mag unterschiedlich sein, die Herausforderung bei der Datenanalyse - die Erstellung des Nutzerprofils und die Voraussage seines weiteren handelns - sind vergleichbar.
P.P.S. Im Zusammenhang mit den Pfadabhängigkeiten von Suchanfragen sollte der Hinweis auf Eli Pariser und seine "filter bubbles" nicht fehlen, die er im TED TALK und auf einer eigenen Webseite zu seinem Buch anschaulich dargestellt hat. Lesenswert auch ein Interview mit ihm in der Süddeutschen.
Samstag, 15. Juni 2013
Quantify yourself und tierische Innovationen
Quantify Yourself - das messen aller verfügbaren Bewegungs- und Körperparameter - ist angeblich eine echte Szenebewegung, die notwendige Tools und Gadgets sind via Smartphone heute für jeden erschwinglich zu haben. Neueren Datums, zumindest in der Medienberichterstattung, ist die quantitative Erfassung unserer Liebsten, ob Katz oder Hund. Bei Übermorgen gibt es hierzu nun einen schönen Artikel, der die entsprechende App (und das zugehörige Halsband) kurz vorstellt. Die Leserbriefe verweisen dann unter andere auf einen Artikel der BBC zum Tracking von Katzen. Das ist eigentlich nichts anderes als die Wildtierforschung, die ausgewilderten Luchsen oder Wölfen entsprechende Halsbänder umhängt. Nur das die preiswerte Verfügbarkeit nun jedermann zum (Haus-) Tierforscher werden lässt.
Welch perverse Formen Citizen Science mit Tierenallerdings auch annehmen kann, zeigt ein anderer aktueller Artikel von Neuerdings. Hier werden Küchenschaben per eingepflanzter Hardware zu Cyborgs gemacht, zumindest verspricht das ein Kickstarter-Crowdfunding-Projekt. Das hier mit zweifelhaftem wissenschaftlichem Nutzen ethische Grenzen überschritten werden, macht der Artikel nur allzu deutlich. Und weist zurecht darauf hin, das auch hier tierschutzrechtliche Vorgaben greifen, die Tierversuche regeln (und manchmal auch verbieten!).
Wo Frankenstein bei der Haustieroptimierung grüßen lässt, halten wir uns doch lieben an die virtuelle Realität und schauen Frankenweenie.
Welch perverse Formen Citizen Science mit Tierenallerdings auch annehmen kann, zeigt ein anderer aktueller Artikel von Neuerdings. Hier werden Küchenschaben per eingepflanzter Hardware zu Cyborgs gemacht, zumindest verspricht das ein Kickstarter-Crowdfunding-Projekt. Das hier mit zweifelhaftem wissenschaftlichem Nutzen ethische Grenzen überschritten werden, macht der Artikel nur allzu deutlich. Und weist zurecht darauf hin, das auch hier tierschutzrechtliche Vorgaben greifen, die Tierversuche regeln (und manchmal auch verbieten!).
Wo Frankenstein bei der Haustieroptimierung grüßen lässt, halten wir uns doch lieben an die virtuelle Realität und schauen Frankenweenie.
Sonntag, 2. Juni 2013
Globalisierung und Innovation
Diese Woche besuchte der chinesische Ministerpräsidente Li Keqiang Deutschland . Zeitgleich intensivierte sich auf der Streit um Strafzölle auf Solarmodule aus China, da die EU-Kommission eine entsprechende Empfehlung formuliert hat. Die Fronten zu diesem Streit verlaufen quer durch die Branche. Während der deutsche Hersteller Solarworld das Antidumpingverfahren angestoßen hatte, sprechen sich andere Branchenvertreter auch aus Deutschland gegen Strafzölle aus, nicht zuletzt, weil sie mit Vorprodukten und Maschinen weiterhin gut in China verdienen. Europaweit haben sich diese Vertreter zum AFASE (Allianz für Bezahlbare Solarenergie) zusammengeschlossen und argumentieren, dass Strafzölle europaweit über 240.000 Arbeitsplätze gefährden könnten. Dabei rekurrieren sie explizit auf eine globale Arbeitsteilung, nach der Vorprodukte und Maschinen aus Europa kommen, andernorts zu Solarmodulen werden und dann in Europa wieder zu Anlagen auf den Dächern montiert werden.
Die Diskussion zeigt die Komplexität globaler Wertschöpfungsketten und Abhängigkeiten gut auf. Wo wird die Wertschöpfung eigentlich realisiert, welchen Anteil haben Vorprodukte, Maschinen und Installation? Einige Kommentatoren (hier zum Beispiel die FAZ) kommen zum Schluss, dass auch für den deutschen Arbeitsmarkt preiswerte - auch chinesische - Module wertvoller als die noch in Deutschland angesiedelten Produktionsstätten für Module selbst sind.
Diese Diskussion ist typisch für die globalen Wertschöpfungsketten, in die gerade exportorientierte Länder wie Deutschland besonders stark integriert sind. Und der Vernetzungsaspekt ist auch das Charakteristikum und der Treiber selbst der Globalisierung, nicht mehr vorrangig die preiswerten Transportkosten (siehe auch diesen Blogbeitrag hierzu). Zur Geschichte der Globalisierung hat übrigens die OECD gerade einen schönen Reader zusammengestellt, der die Phasen anhand vieler Beispiele sehr übersichtlich herausarbeitet. Und zum Thema Global Value Chains hat sie auch ein aktuelle Studie fertiggestellt.
Politik mit Schwerpunkt auf gesellschaftlichen Herausforderungen macht das ganze noch komplexer, weil sie ggf. auf konfligierende Prioritäten setzt. China muss schnell erneuerbare Energien marktfähig machen und ist dabei auf sinkende Preise angewiesen. Ein Handelsblattartikel führt dies beispielhaft aus. Auch Indien braucht z.B. billige Module für Umstieg auf erneuerbare Energien und nutzt die aktuellen Tiefstpreise (siehe zum Beispiel den Hinweis hier). Auch deshalb nennt sich der Verband AFASE trickreich nicht Verband der Vorproduktehersteller für Solarenergie, sondern Allianz für Bezahlbare Solarenergie...
Die Diskussion zeigt die Komplexität globaler Wertschöpfungsketten und Abhängigkeiten gut auf. Wo wird die Wertschöpfung eigentlich realisiert, welchen Anteil haben Vorprodukte, Maschinen und Installation? Einige Kommentatoren (hier zum Beispiel die FAZ) kommen zum Schluss, dass auch für den deutschen Arbeitsmarkt preiswerte - auch chinesische - Module wertvoller als die noch in Deutschland angesiedelten Produktionsstätten für Module selbst sind.
Diese Diskussion ist typisch für die globalen Wertschöpfungsketten, in die gerade exportorientierte Länder wie Deutschland besonders stark integriert sind. Und der Vernetzungsaspekt ist auch das Charakteristikum und der Treiber selbst der Globalisierung, nicht mehr vorrangig die preiswerten Transportkosten (siehe auch diesen Blogbeitrag hierzu). Zur Geschichte der Globalisierung hat übrigens die OECD gerade einen schönen Reader zusammengestellt, der die Phasen anhand vieler Beispiele sehr übersichtlich herausarbeitet. Und zum Thema Global Value Chains hat sie auch ein aktuelle Studie fertiggestellt.
Politik mit Schwerpunkt auf gesellschaftlichen Herausforderungen macht das ganze noch komplexer, weil sie ggf. auf konfligierende Prioritäten setzt. China muss schnell erneuerbare Energien marktfähig machen und ist dabei auf sinkende Preise angewiesen. Ein Handelsblattartikel führt dies beispielhaft aus. Auch Indien braucht z.B. billige Module für Umstieg auf erneuerbare Energien und nutzt die aktuellen Tiefstpreise (siehe zum Beispiel den Hinweis hier). Auch deshalb nennt sich der Verband AFASE trickreich nicht Verband der Vorproduktehersteller für Solarenergie, sondern Allianz für Bezahlbare Solarenergie...
Samstag, 25. Mai 2013
Demographischer Wandel und Innovation
Am 14. Mai fand der Demografiegipfel der Bundesregierung statt, am 16. und 17. Mai die Veranstaltung "Innovationsfähigkeit im demographischen Wandel". 2013 wurde insgesamt zum Wissenschaftsjahr "Die demographische Chance" ausgerufen, mit vielen Veranstaltungen im ganzen Bundesgebiet.
Doch nicht nur in Deutschland dreht sich zurzeit die Diskussion um das Thema Demographie und Innovation. Der Economist hat gerade in einem Artikel seiner Kolumne Buttonwood die Herausforderungen des demographischen Wandels für die Produktivitätsentwicklung thematisiert und in einer ergänzenden Graphik einen deutlichen Zusammenhang zwischen kontinuierlich sinkenden Produktivitätssteigerungen und älter werdenden Belegschaften postuliert.
Deutschland wird zwar auch in diesem Artikel als besonders betroffenes Land skizziert, gleichwohl stehen auch andere Länder dieser Herausforderung gegenüber. Insbesondere für China (zum Beispiel in diesem Artikel vom Anfang des Jahres) und Indien (Artikel hier) wird angezweifelt, ob sie ihre Dividende rechtzeitig einzuholen, bevor auch ihre Gesellschaften sich dem Aufbau der meisten europäischen und der japanischen Gesellschaft angleichen. In einem aktuellen Artikel zitiert der Economist eine spannende Studie, die einen engeren Zusammenhang zwischen Bildungspolitik und realer demographischer Dividende postuliert und dies am Beispiel Korea (eine der am schnellsten alternden Gesellschaften) und Indien ausführt.
Die Zusammenhänge zwischen demographischem Wandel und Innovation sind vielfältig. Zum Beispiel verändert sich das Gründungsverhalten (schön analysiert in einer Studie des ZEW). Das Fraunhofer ISI hat bereits 2010 im Rahmen des eingangs vorgestellten Demographieprogramms des BMBF eine Studie zu demografiebezogenen Innovationsindikatoren erstellt.
Das Thema Demographie hat übrigens durchaus den Charakter eines Modethemas. Gibt man bei Google Trends den Begriff Demographie ein, so zeigt sich eine eher abnehmende Suchintensität - obwohl das Thema objektiv vermutlich an Relevanz gewinnen wird. Wer auf dem laufenden bleiben möchte, dem sei der Demographie-Blog von Björn Schwentker empfohlen.
Nachtrag:
Ganz anders setzt sich übrigens Dan Brown in seinem neuen Buch "Inferno" mit dem Thema Demographie und Innovation auseinander. Die weltweite demographische Entwicklung (Stichwort Überbevölkerung und Malthus) wird hier zum Weltuntergangsszenario, die Biotechnologie zum vermeindlichen Retter oder Verderber. Dann vielleich doch lieber seriöse Infos von Björn Schwentker?
Doch nicht nur in Deutschland dreht sich zurzeit die Diskussion um das Thema Demographie und Innovation. Der Economist hat gerade in einem Artikel seiner Kolumne Buttonwood die Herausforderungen des demographischen Wandels für die Produktivitätsentwicklung thematisiert und in einer ergänzenden Graphik einen deutlichen Zusammenhang zwischen kontinuierlich sinkenden Produktivitätssteigerungen und älter werdenden Belegschaften postuliert.
Deutschland wird zwar auch in diesem Artikel als besonders betroffenes Land skizziert, gleichwohl stehen auch andere Länder dieser Herausforderung gegenüber. Insbesondere für China (zum Beispiel in diesem Artikel vom Anfang des Jahres) und Indien (Artikel hier) wird angezweifelt, ob sie ihre Dividende rechtzeitig einzuholen, bevor auch ihre Gesellschaften sich dem Aufbau der meisten europäischen und der japanischen Gesellschaft angleichen. In einem aktuellen Artikel zitiert der Economist eine spannende Studie, die einen engeren Zusammenhang zwischen Bildungspolitik und realer demographischer Dividende postuliert und dies am Beispiel Korea (eine der am schnellsten alternden Gesellschaften) und Indien ausführt.
Die Zusammenhänge zwischen demographischem Wandel und Innovation sind vielfältig. Zum Beispiel verändert sich das Gründungsverhalten (schön analysiert in einer Studie des ZEW). Das Fraunhofer ISI hat bereits 2010 im Rahmen des eingangs vorgestellten Demographieprogramms des BMBF eine Studie zu demografiebezogenen Innovationsindikatoren erstellt.
Das Thema Demographie hat übrigens durchaus den Charakter eines Modethemas. Gibt man bei Google Trends den Begriff Demographie ein, so zeigt sich eine eher abnehmende Suchintensität - obwohl das Thema objektiv vermutlich an Relevanz gewinnen wird. Wer auf dem laufenden bleiben möchte, dem sei der Demographie-Blog von Björn Schwentker empfohlen.
Nachtrag:
Ganz anders setzt sich übrigens Dan Brown in seinem neuen Buch "Inferno" mit dem Thema Demographie und Innovation auseinander. Die weltweite demographische Entwicklung (Stichwort Überbevölkerung und Malthus) wird hier zum Weltuntergangsszenario, die Biotechnologie zum vermeindlichen Retter oder Verderber. Dann vielleich doch lieber seriöse Infos von Björn Schwentker?
Samstag, 11. Mai 2013
Gamification und Serious Games
Vor knapp einer Woche meldete Hyperland in einem Blogbeitrag, dass alternativ zu den Aktivitäten der NASA nun private Marsmissionen als Reality Show und Crowdfinanzierungs-Projekte geplant werden. Mit dem Erfolg erster privater Dienstleister im Weltraumgeschäft - die NASA setzt nun explizit auf privatwirtschaftliche Unterstützung - rücken auch größere Visionen in den Bereich des Möglichen. Mars One zum Beispiel will Menschen rauf zum Roten Planeten schicken, zwar nur mit einem Oneway-Ticket, aber mit weltweiter multimedialer Aufmerksamkeit garantiert. Die Kandidaten sollen in einer Art Reality Show (und ergänzend nach Begutachtung durch "echte" Experten) ausgewählt werden, die wahrlich astronomischen Kosten durch Werbeeinnahmen etc. aufgebracht werden.
Eine Nummer kleiner im Weltraum unterwegs ist der schon etwas ältere Lunar X Prize von Google, der für die Landung auf dem Mond und den Einsatz eines Rover auf demselben zu gewinnen ist. Zurzeit sind noch 24 Teams registriert, darunter mit den Part Time Scientists auch ein Team aus Deutschland. Setzt Mars One insbesondere auf Werbung, um kostspielige Missionen zu finanzieren, so wird der Luna Prize zwar von Google ausgelobt (und finanziert), die jeweiligen Teams aber müssen eigene Geldmittel aufbringen oder Sponsoren suchen. Und erst vor kurzem gab es eine Sendung über neue Geschäftmodelle in der Raumfahrt beim Deutschlandfunk.
Der Wettbewerb als Motivationsquelle für wissenschaftliche Herausforderungen hat eine lange Geschichte, im 19. Jahrhundert sind nicht wenige Expeditionen im Rahmen eines solchen Wettbewerbs organisiert worden. Die Rolle von Innovationspreisen und -Wettbewerben wird immer wieder (auch jüngst in einem Artikel in "Reserach Policy") untersucht. Ein großer Gewinn ist das enorme öffentliche Interesse und die Begeisterung für technologische Lösungen, die solche Wettbewerbe im Idealfall ausstrahlen können. Ein ähnlicher Effekt wäre für das eingangs erwähnte Mars-Projekt zu erwarten.
Eine wichtige Rolle kommt auch dem spielerischen Element zu. Als Event inszeniert und mit entsprechenden Spannungsbögen versehen, wird selbst die drögeste Wissenschaft aufgepeppt. Mit einem ähnlich Rezept wartet auch die Mittmach-Wissenschaft des kleinen Mannes, die Citizen Science, auf. Die Macht der Vielen (oder modisch korrekter der Crowd) hilft Daten zu sammeln, die zentral nicht zu sammeln wären. Naturbeobachtungen sind hier das klassische, aber weiterhin moderne Beispiel (heute ist übrigens wieder Stunde der Gartenvögel). Eine andere Fähigkeit echter Menschen, die noch nicht in Gänze vom Computer übernommen werden kann, ist die Mustererkennung. Dieser Fähigkeit bedient sich das überaus populäre Citizen Science Portal Zooniverse mit einer Reihe von Mitmachprojekten aus Astronomie, Klimaforschung und Biologie.
Doch dass sind nur erste, in Deutschland übrigens eher unbekannte Beispiele für Serious Games. Wenn die Filme- und Spielindustrie die Gamifikation der Bildung noch stärker entdecken würde, wäre dies eine echte Bildungsrevolution, die möglicherweise stärkere Auswirkungen hätte als die Veränderungen der Universitätslandschaft, die durch Open Massive Courses anstehen.
Eine Nummer kleiner im Weltraum unterwegs ist der schon etwas ältere Lunar X Prize von Google, der für die Landung auf dem Mond und den Einsatz eines Rover auf demselben zu gewinnen ist. Zurzeit sind noch 24 Teams registriert, darunter mit den Part Time Scientists auch ein Team aus Deutschland. Setzt Mars One insbesondere auf Werbung, um kostspielige Missionen zu finanzieren, so wird der Luna Prize zwar von Google ausgelobt (und finanziert), die jeweiligen Teams aber müssen eigene Geldmittel aufbringen oder Sponsoren suchen. Und erst vor kurzem gab es eine Sendung über neue Geschäftmodelle in der Raumfahrt beim Deutschlandfunk.
Der Wettbewerb als Motivationsquelle für wissenschaftliche Herausforderungen hat eine lange Geschichte, im 19. Jahrhundert sind nicht wenige Expeditionen im Rahmen eines solchen Wettbewerbs organisiert worden. Die Rolle von Innovationspreisen und -Wettbewerben wird immer wieder (auch jüngst in einem Artikel in "Reserach Policy") untersucht. Ein großer Gewinn ist das enorme öffentliche Interesse und die Begeisterung für technologische Lösungen, die solche Wettbewerbe im Idealfall ausstrahlen können. Ein ähnlicher Effekt wäre für das eingangs erwähnte Mars-Projekt zu erwarten.
Eine wichtige Rolle kommt auch dem spielerischen Element zu. Als Event inszeniert und mit entsprechenden Spannungsbögen versehen, wird selbst die drögeste Wissenschaft aufgepeppt. Mit einem ähnlich Rezept wartet auch die Mittmach-Wissenschaft des kleinen Mannes, die Citizen Science, auf. Die Macht der Vielen (oder modisch korrekter der Crowd) hilft Daten zu sammeln, die zentral nicht zu sammeln wären. Naturbeobachtungen sind hier das klassische, aber weiterhin moderne Beispiel (heute ist übrigens wieder Stunde der Gartenvögel). Eine andere Fähigkeit echter Menschen, die noch nicht in Gänze vom Computer übernommen werden kann, ist die Mustererkennung. Dieser Fähigkeit bedient sich das überaus populäre Citizen Science Portal Zooniverse mit einer Reihe von Mitmachprojekten aus Astronomie, Klimaforschung und Biologie.
Doch dass sind nur erste, in Deutschland übrigens eher unbekannte Beispiele für Serious Games. Wenn die Filme- und Spielindustrie die Gamifikation der Bildung noch stärker entdecken würde, wäre dies eine echte Bildungsrevolution, die möglicherweise stärkere Auswirkungen hätte als die Veränderungen der Universitätslandschaft, die durch Open Massive Courses anstehen.
Mittwoch, 8. Mai 2013
Bio Punks
In der vergangenen Woche erschien ein neuer Artiekl in der Print-Ausgabe der ZEIT zu Bio-Punks oder Bio-Hackern, der sich geradezu liebevoll dieses Szene widmete und ihren Bemühungen um Innovationen von unten, gegen die großen Konzerne, durchaus Chancen einräumte. Beim Lesen überkam mich bei aller Faszination doch ein komisches Gefühl. Nanu, dachte ich mir, Biotechnologie hatte ich doch für eher teuer gehalten. Interessanter Weise hatte ZEIT ONLINE bereits vor einiger Zeit einen Artikel von ZEIT WISSEN abgedruckt, in dem die Biotech-Subkultur eher mit einem - fast bedrohlichen - Hacker-Image geschildert wurde. Und hier hatten die Leserbriefe sich sehr kritisch mit der Relevanz dieser Szene und insbesondere auch mit den hohen Kosten echter Biotechnologie beschäftigt. Die sind so hoch (und die Rekapitalisierung so langfristig), dass die "normalen" Biotechnologie-Firmen echte Schwierigkeiten haben, überhaupt an Geld zu kommen. In den VDI-Nachrichten wurde daher vor kurzen mit Bezug auf eine Studie von Ernst & Young sogar das komplette Gechäftsmodell einer VC-finanzierten Biotechnologie in Frage gestellt.
Die Verwirrung legt sich ein wenig, wenn man bedengt, dass Biotechnologie nicht gleich Biotechnologie ist. Im aktuellen ZEIT-Artikel geht es vor allem um die Vernetzung von Biologie und IKT. Hier wirken Trends wie Miniaturisierung, Verbilligung von Speichern und anderen Bauteilen, der Zugang über das Internet auf das weltweit verfügbare Wissen und ein lukrativer Endkundenmarkt dahingehend, dass tatsächlich auch kleine Gruppen von Biotechnologien innovative Durchbrüche und marktfähige Produkte schaffen können. Das große Interesse branchenfremder Unternehmen wie Google, Samsung und anderen zeigt, dass hier wirklich Goldgräberstimmung herscht. Die deutsche Gründer-Szene scheint allerdings im Vergleich zur amerikanischen noch nicht wirklich auf den zug aufgesprungen zu sein. Villeicht wirkt aber ein Artikel wie der aktuelle ZEIT-Bericht aber doch motivierend...
Die Verwirrung legt sich ein wenig, wenn man bedengt, dass Biotechnologie nicht gleich Biotechnologie ist. Im aktuellen ZEIT-Artikel geht es vor allem um die Vernetzung von Biologie und IKT. Hier wirken Trends wie Miniaturisierung, Verbilligung von Speichern und anderen Bauteilen, der Zugang über das Internet auf das weltweit verfügbare Wissen und ein lukrativer Endkundenmarkt dahingehend, dass tatsächlich auch kleine Gruppen von Biotechnologien innovative Durchbrüche und marktfähige Produkte schaffen können. Das große Interesse branchenfremder Unternehmen wie Google, Samsung und anderen zeigt, dass hier wirklich Goldgräberstimmung herscht. Die deutsche Gründer-Szene scheint allerdings im Vergleich zur amerikanischen noch nicht wirklich auf den zug aufgesprungen zu sein. Villeicht wirkt aber ein Artikel wie der aktuelle ZEIT-Bericht aber doch motivierend...
Mittwoch, 1. Mai 2013
Innovationsindikator
Der Deutschlandfunk berichtete nicht nur über Gehirnforschung (siehe meinen letzten Blog), sondern am 14. April auch über die Ergebnisse der Enquete-Kommission zu Wachstum und Wohlstand. Die Bilanz der zitierten Experten sieht eher verhalten aus, der "große Wurf" scheint nicht gelungen. Und ein Blick in die Abschlussberichte der Arbeitsgruppen legt nahe, das wir mit den bestehenden Berichten (z.B. dem Nachhaltigkeitsbericht der Bundesregierung) bereits ein recht gutes Berichtssystem haben. Vermutlich wird sich also am bestehenden (Berichts- und Indikator-) System nichts ändern. Warum manche Alternativen zum BIP aufgegriffen werden und andere nicht, untersucht eine aktuelle Studie, über die Duncan Green von Oxfam in seinem Blog berichtet. Ein Ergebnis ist, dass einfache, verdichtete Indikatoren wie der Human Development Index eher aufgegriffen werden als komplexe. Das gilt auch für Innovationsindikatoren, die als zusammengesetzte Indikatoren eine komplexe Wirklichkeit abbilden wollen, zumeist aber mit Blick auf ihr Länderranking in den Medien sind.
Je stärker die Innovationspolitik durch die Ausrichtung auf gesellschaftliche Herausforderungen legitimiert wird, desto näher rückt sie von den Erfolgsindikatoren auch an die "neuen" Wohlstandsindikatoren heran. Zum Teil wiederum ist die Innovationspolitik selbst, z.B. mit Blick auf die Investitionen in FuE, Teil der Nachhaltigkeitsindikatorik. Die bekanntesten Innovationsindikatoren (Innovationsindikator für Deutschland, Innovation Union Scoreboard) sind zusammengesetzte Indikatoren, die Input- wie Outputseite des Innovationssystems beleuchten wollen. Diese Indikatorenansätze haben jeweils einen relativ konkreten instrumentellen Anspruch, d.h. sie wollen auch politisches Handeln anleiten. Ihr Problem besteht darin, dass entscheidende Einflussfaktoren auf die Leistungsfähigkeit eines nationalen Innovationssystem struktureller Natur sind und nur langfristig - wenn überhaupt zu vertretbaren Kosten - geändert werden können. Der Innovationsindikator der Telekom-Stiftung beschreibt ganz explizit die erhebliche Zeitspanne, die günstigstenfalls zwischen veränderten Input und Outputindikatoren liegt. Bis sich die Effekte eine bestimmten Innovationspolitik konkret zeigen, vergeht also auf jeden Fall relativ viel Zeit.
Manche Phänomene sind aber so stark in grundlegende Strukturen eines Landes verwurzelt, dass kaum an substantielle Änderungen zu denken ist. Dazu gehört möglicher Weise die mangelnde Gründungskultur in Deutschland, die etwas mit dem Rentensystem (und den verfügbaren Kapitalmitteln), mit der Industriestruktur, der Bevölkerungsstruktur, der Migration und der eigentlichen Kultur zu tun hat. In der Politikwissenschaft hat die Forschung zur politischen Kultur und zu den politischen Strukturen eines Landes eine lange Tradition. In der Innovationsforschung sind vergleichbare "Kulturforschungen" eher selten und zumindest einflusslos. Spannend ist da der Ansatz von Acemoglu und Robinson, die global sogar von komplementären Innovationskulturen ausgehen, die sich gegenseitig bedingen.
Je stärker die Innovationspolitik durch die Ausrichtung auf gesellschaftliche Herausforderungen legitimiert wird, desto näher rückt sie von den Erfolgsindikatoren auch an die "neuen" Wohlstandsindikatoren heran. Zum Teil wiederum ist die Innovationspolitik selbst, z.B. mit Blick auf die Investitionen in FuE, Teil der Nachhaltigkeitsindikatorik. Die bekanntesten Innovationsindikatoren (Innovationsindikator für Deutschland, Innovation Union Scoreboard) sind zusammengesetzte Indikatoren, die Input- wie Outputseite des Innovationssystems beleuchten wollen. Diese Indikatorenansätze haben jeweils einen relativ konkreten instrumentellen Anspruch, d.h. sie wollen auch politisches Handeln anleiten. Ihr Problem besteht darin, dass entscheidende Einflussfaktoren auf die Leistungsfähigkeit eines nationalen Innovationssystem struktureller Natur sind und nur langfristig - wenn überhaupt zu vertretbaren Kosten - geändert werden können. Der Innovationsindikator der Telekom-Stiftung beschreibt ganz explizit die erhebliche Zeitspanne, die günstigstenfalls zwischen veränderten Input und Outputindikatoren liegt. Bis sich die Effekte eine bestimmten Innovationspolitik konkret zeigen, vergeht also auf jeden Fall relativ viel Zeit.
Manche Phänomene sind aber so stark in grundlegende Strukturen eines Landes verwurzelt, dass kaum an substantielle Änderungen zu denken ist. Dazu gehört möglicher Weise die mangelnde Gründungskultur in Deutschland, die etwas mit dem Rentensystem (und den verfügbaren Kapitalmitteln), mit der Industriestruktur, der Bevölkerungsstruktur, der Migration und der eigentlichen Kultur zu tun hat. In der Politikwissenschaft hat die Forschung zur politischen Kultur und zu den politischen Strukturen eines Landes eine lange Tradition. In der Innovationsforschung sind vergleichbare "Kulturforschungen" eher selten und zumindest einflusslos. Spannend ist da der Ansatz von Acemoglu und Robinson, die global sogar von komplementären Innovationskulturen ausgehen, die sich gegenseitig bedingen.
Samstag, 27. April 2013
Hauptgewinn für Forscher
Die echten Menschen in der ARTE-Fernsehserie (siehe mein letzter Blogeintrag hier) geraten langsam in die Defensive. Die Hubots (Humanoiden Roboter) erweisen sich als schlaue Wesen, die den Menschen eigentlich haushoch überlegen wären, wenn ihnen nicht ab Werk eine Sperre einprogrammiert worden wäre.
Mit der Frage, ob uns in Zukunft künstliche Hirne drohen, die den menschlichen tatsächlich überlegen sind, damit beschäftigte sich letzte Woche auch eine Sendung des Deutschlandfunks. Eigentlich ging es um das Human Brain Project, die neue Flagschiff-Initiative der Europäischen Kommission. Der Radiobeitrag beschreibt diese im Wettbewerb vergebene Fördermaßnahme als Jackpot für Forscher, mit 1 Milliarde Euro dotiert. Die Neurowissenschaftler-Community scheint gespalten ob der Erfolgsaussichten zu sein, ein menschliches Hirn in seinen wesentlichen Funktionen auf einem Supercomputer zu simulieren. Dabei ist der Bau eines künstlichen Hirns nicht Ziel und Zweck der Forschung, das Projekt ist also nicht der Start zum Bau erster Hubots. Vielmehr geht es um ein tieferes Verständnis des Gehirns, um zum Beispiel Krankheiten besser therapieren zu können. Dennoch fasziniert natürlich die Frankenstein-Phantasie eines nachgebauten Gehirns, oder zumindest einer echten Mensch-Maschine-Schnittstelle zum Hirn.
So ein Wettbewerb kennt Gewinner und Verlierer. Die EU finanzierte zunächst sechs Pilotmaßnahmen für 12 Monate, bevor sie zwei Gewinner kürte. Einer der Verlierer war das Projekt FuturICT, im Kern ein Projekt zur Auswertung großer Datenmengen aus allen Lebensbereichen. Ziel des Projekt war es nach eigenen Worten, "komplexe globale, sozial interaktive Systeme mit einem Schwerpunkt auf den Themen Nachhaltigkeit und Resilienz zu verstehen und zu managen". Die Nutzung von Big Data für die Sozialwissenschaften, ein eigentlich ebenso faszinierendes Thema wie eine Simulation des menschlichen Gehirns. Aber natürlich geht die Forschung auch hier weiter, egal ob als FET-Projekt der EU oder in anderen Kontexten. Der Guardian berichtet aktuell zum Beispiel über GDELT, Global Data on Events, Location and Tone, und bezeichnet es als Big Data -Geschichte über das Leben, das Universum und alles andere. Das Projekt von Kalev Leetaru an der Universität Illinois hat eine sehr historische Ausrichtung, wird aber auch zur Vorhersage, zum Beispiel von Gewalt in Afghanistan, eingesetzt. Da wären wir dann wieder beim klassischen Science Fiction, nun bei Minority Report...
Mit der Frage, ob uns in Zukunft künstliche Hirne drohen, die den menschlichen tatsächlich überlegen sind, damit beschäftigte sich letzte Woche auch eine Sendung des Deutschlandfunks. Eigentlich ging es um das Human Brain Project, die neue Flagschiff-Initiative der Europäischen Kommission. Der Radiobeitrag beschreibt diese im Wettbewerb vergebene Fördermaßnahme als Jackpot für Forscher, mit 1 Milliarde Euro dotiert. Die Neurowissenschaftler-Community scheint gespalten ob der Erfolgsaussichten zu sein, ein menschliches Hirn in seinen wesentlichen Funktionen auf einem Supercomputer zu simulieren. Dabei ist der Bau eines künstlichen Hirns nicht Ziel und Zweck der Forschung, das Projekt ist also nicht der Start zum Bau erster Hubots. Vielmehr geht es um ein tieferes Verständnis des Gehirns, um zum Beispiel Krankheiten besser therapieren zu können. Dennoch fasziniert natürlich die Frankenstein-Phantasie eines nachgebauten Gehirns, oder zumindest einer echten Mensch-Maschine-Schnittstelle zum Hirn.
So ein Wettbewerb kennt Gewinner und Verlierer. Die EU finanzierte zunächst sechs Pilotmaßnahmen für 12 Monate, bevor sie zwei Gewinner kürte. Einer der Verlierer war das Projekt FuturICT, im Kern ein Projekt zur Auswertung großer Datenmengen aus allen Lebensbereichen. Ziel des Projekt war es nach eigenen Worten, "komplexe globale, sozial interaktive Systeme mit einem Schwerpunkt auf den Themen Nachhaltigkeit und Resilienz zu verstehen und zu managen". Die Nutzung von Big Data für die Sozialwissenschaften, ein eigentlich ebenso faszinierendes Thema wie eine Simulation des menschlichen Gehirns. Aber natürlich geht die Forschung auch hier weiter, egal ob als FET-Projekt der EU oder in anderen Kontexten. Der Guardian berichtet aktuell zum Beispiel über GDELT, Global Data on Events, Location and Tone, und bezeichnet es als Big Data -Geschichte über das Leben, das Universum und alles andere. Das Projekt von Kalev Leetaru an der Universität Illinois hat eine sehr historische Ausrichtung, wird aber auch zur Vorhersage, zum Beispiel von Gewalt in Afghanistan, eingesetzt. Da wären wir dann wieder beim klassischen Science Fiction, nun bei Minority Report...
Freitag, 12. April 2013
Echte Menschen
Echte Menschen, so heißt eine neue Science-Fiction-Fernsehserie auf ARTE, die seit letzter Woche angelaufen ist und bereits in FAZ oder FREITAG für überaus positive Kritiken gesorgt hat. Wie bereits zuvor von Frankenstein über Blade Runner bis zu i-robot durchgespielt, wird einerseits die Frage nach der Schöpfung menschlichen Lebens in der Maschine gestellt und andererseits die Nacht der lebenden Toten beschworen. Welche Gefühle werden humanoide Roboter - im Film Hubots genannt - heraufbeschwören, wenn sie einmal wirklich menschenähnlich sind?
Vor zehn Jahren fragte sich das schon einmal die Firma Honda mit ihrem humanoiden Roboter Asimo, der vermutlich nicht umsonst ähnlich wie der große Asimov mit seinen Robotergesetzen hieß. In der schwedischen Fernsehserie auf Arte, die noch bis Mai läuft und auf Arte +7 auch sieben Tage nachgeschaut werden kann, nimmt man sich viel Zeit auch für die rechtlichen (können Roboterfreundinnen diskriminiert werden?) und menschlichen (taugen Roboter als Liebespartner) Fragen. Schöner können innovationspolitische Szenarien kaum dargestellt werden.
Ganz anders schaut die BBC auf die Welt von Morgen, mit einer Perspektive bis 2150. BBC fragte Experten -Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und Blogger - nach 40 Voraussagen für die Zukunft, und ließ diese anschließend von Wettexperten ganz britisch auf ihre Wahrscheinlichkeit hin bewerten. Zwei Mal Foresight einmal anders...
Vor zehn Jahren fragte sich das schon einmal die Firma Honda mit ihrem humanoiden Roboter Asimo, der vermutlich nicht umsonst ähnlich wie der große Asimov mit seinen Robotergesetzen hieß. In der schwedischen Fernsehserie auf Arte, die noch bis Mai läuft und auf Arte +7 auch sieben Tage nachgeschaut werden kann, nimmt man sich viel Zeit auch für die rechtlichen (können Roboterfreundinnen diskriminiert werden?) und menschlichen (taugen Roboter als Liebespartner) Fragen. Schöner können innovationspolitische Szenarien kaum dargestellt werden.
Ganz anders schaut die BBC auf die Welt von Morgen, mit einer Perspektive bis 2150. BBC fragte Experten -Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und Blogger - nach 40 Voraussagen für die Zukunft, und ließ diese anschließend von Wettexperten ganz britisch auf ihre Wahrscheinlichkeit hin bewerten. Zwei Mal Foresight einmal anders...
Samstag, 6. April 2013
3D Print
In den vergangenen Tagen hat die Entscheidung eines indischen Gerichts gegen die Patentierung eines neuen Medikaments von Novartis zu einer breiten Medienberichterstattung geführt. Während die Gegner des Urteils die Zukunft der Pharmaforschung aufgrund nicht mehr realisierbarer Gewinne in Frage stellen, sehen die Beführworter eine indische Generikaindustrie gestärkt, die nicht nur in Indien, sondern weltweit preiswerte Medikamente für die Armen anbietet.
Mit dem Urteil sind eine Reihe grundsätzlicherer Fragen verbunden. Führt erst die schnelle Diffusion von Innovationen zu einer größtmöglichen Wohlfahrt für möglichst viele? Sind in diesem Sinne die Patentsysteme möglicherweise antiquiert und behindern moderne Innovationsprozesse? Zeigt nicht der Patentkampf in der Smartphone-Branche, dass Patente nur noch zur Gewinnmaximierung und Marktabschottung genutzt werden (siehe dazu auch das aktuelle deutsche Urteil als neuer Etappenstand)? Bauen nicht gerade viele deutsche Internet- Start Ups als Copy Cats auf die Kopie erfolgreicher Geschäftsmodelle in den USA?
Welche Rolle spielen eigentlich Innovationen, die gerade den schnellen Wissenstransfer und damit die schnelle Weitergabe, Vervielfältigung und Veränderung von Innovationen befördern? Ein wichtiger Innovationsschub war sicher der Buchdruck und dann im 19. Jahrhundert die entstehende moderne Kommunikationsinfrastruktur. Ein weiterer Schub wurde durch die digitale Revolution ausgelöst. Das Urheberrechte nun schneller gebrochen werden, wird in der Öffentlichkeit breit diskutiert. Vermutlich läuft die Innovationsdiffussion jetzt schneller und Innovationen kommen daher schneller allen zugute.
Ein noch anstehender Innovationsschub könnte durch preiswerte 3D-Drucker ausgelöst werden. Bislang war mir der Hype um diese Geräte nicht verständlich, nachdem ich selbst die aktuelle Technik mehrfach begutachten konnte. Was soll sich damit schon ernsthaft lohnen nachzudrucken? Ein aktueller Artikel bei Hyperland hat mich jetzt nachdenklich gemacht. Es geht darin um Generatoren für Windräder, die speziell für den 3D-Druck entwickelt werden und dann für die Entwicklung ärmerer Regionen genutzt werden können. Die Grundidee geht in Richtung frugale Innovation, sie macht bei allen Einschränkungen (was ist mit der notwendigen Infrastruktur, warum nicht importieren oder preiswert in einer Fabrik herstellen?) erahnen, dass aus 3D-Druckern doch mächtige Instrumente zur Weitergabe von Innovationen werden könnten einschließlich der ganzen Diskussion um die Vor und Nachteile des Urheberrechts.
Mit dem Urteil sind eine Reihe grundsätzlicherer Fragen verbunden. Führt erst die schnelle Diffusion von Innovationen zu einer größtmöglichen Wohlfahrt für möglichst viele? Sind in diesem Sinne die Patentsysteme möglicherweise antiquiert und behindern moderne Innovationsprozesse? Zeigt nicht der Patentkampf in der Smartphone-Branche, dass Patente nur noch zur Gewinnmaximierung und Marktabschottung genutzt werden (siehe dazu auch das aktuelle deutsche Urteil als neuer Etappenstand)? Bauen nicht gerade viele deutsche Internet- Start Ups als Copy Cats auf die Kopie erfolgreicher Geschäftsmodelle in den USA?
Welche Rolle spielen eigentlich Innovationen, die gerade den schnellen Wissenstransfer und damit die schnelle Weitergabe, Vervielfältigung und Veränderung von Innovationen befördern? Ein wichtiger Innovationsschub war sicher der Buchdruck und dann im 19. Jahrhundert die entstehende moderne Kommunikationsinfrastruktur. Ein weiterer Schub wurde durch die digitale Revolution ausgelöst. Das Urheberrechte nun schneller gebrochen werden, wird in der Öffentlichkeit breit diskutiert. Vermutlich läuft die Innovationsdiffussion jetzt schneller und Innovationen kommen daher schneller allen zugute.
Ein noch anstehender Innovationsschub könnte durch preiswerte 3D-Drucker ausgelöst werden. Bislang war mir der Hype um diese Geräte nicht verständlich, nachdem ich selbst die aktuelle Technik mehrfach begutachten konnte. Was soll sich damit schon ernsthaft lohnen nachzudrucken? Ein aktueller Artikel bei Hyperland hat mich jetzt nachdenklich gemacht. Es geht darin um Generatoren für Windräder, die speziell für den 3D-Druck entwickelt werden und dann für die Entwicklung ärmerer Regionen genutzt werden können. Die Grundidee geht in Richtung frugale Innovation, sie macht bei allen Einschränkungen (was ist mit der notwendigen Infrastruktur, warum nicht importieren oder preiswert in einer Fabrik herstellen?) erahnen, dass aus 3D-Druckern doch mächtige Instrumente zur Weitergabe von Innovationen werden könnten einschließlich der ganzen Diskussion um die Vor und Nachteile des Urheberrechts.
Freitag, 29. März 2013
Utopien
Weihnachten und Ostern finden sich in deutschen Zeitungen gern eher besinnliche Artikel, so auch in der aktuellen Printausgabe der ZEIT. Unter dem Stichwort Utopien wird die mögliche, zugeschriebene oder behauptete Rolle neuer Technologie, Technologieunternehmen und Technologiegurus für die Gestaltung einer schönen neuen Zukunft assoziationsreich und ironisch angerissen: Einerseits die Glücksversprechungen der Technologieunternehmen, die Probleme der Zukunft mi neuen Produktion schon in den Griff zu bekommen, andererseits auch ihr - vermeintlicher - Anspruch, die Zukunft besser als staatliche Akteure (oder gar die Religion) richten zu können.
Mal davon abgesehen, dass hier Akteure(Unternehmen - Staat) gegenübergestellt werden, die ganz unterschiedliche Funktionen ausüben. Die suggestive Kraft, die die Heilsversprechen aus den Marketingabteilungen der Unternehmen begleitet, ist aber in der Tat ein wirkmächtiger Faktor auf die Gesellschaft, auf ihre Vorstellung von wichtig und unwichtig, von segensreich und unheilvoll. Die Technologieunternehmen schaffen mit überwältigenden Bildern und überzeugenden Geschichten diejenigen Bedürfnisse, die sie dann mit ihren Produkten befriedigen wollen. Im Diskurs der Gesellschaft um ihre Prioritäten sind Unternehmen ein wichtiger Diskutant. Dergleichen gilt im übrigen auch für die Seite der Wissenschaft, in der ebenso eine jede Disziplin nicht ungern ihr zentrales Problem zum gesellschaftlich relevanten Problem erklärt. Dies hat durchaus Implikationen für eine Innovationspolitik, die sich zusehens als an gesellschaftlichen Herausforderungen orientiert zeigt.
Die ZEIT beschäftigt sich in einem zweiten Artikel auch mit Raymond Kurzweil und seiner Utopie der Singularität. Im Artikel wird dies (zumindest in den Augen von Kurzweils Anhängern) als Verheißung beschrieben, in anderen Artikeln findet eine zunehmend intelligente Umwelt, die möglicherweise irgendwann die Kontrolle über unser Leben übernimmt und bestimmt, was richtig und falsch ist , eher als Drohzenario statt. Die lustigen Seiten der Anfänge einer solchen Technodiktatur hat vor kurzem der Technikblog der FAZ schön beschrieben. Da sind wir dann wieder - nein, nicht bei der Utopie, sondern der Dystopie.
Mal davon abgesehen, dass hier Akteure(Unternehmen - Staat) gegenübergestellt werden, die ganz unterschiedliche Funktionen ausüben. Die suggestive Kraft, die die Heilsversprechen aus den Marketingabteilungen der Unternehmen begleitet, ist aber in der Tat ein wirkmächtiger Faktor auf die Gesellschaft, auf ihre Vorstellung von wichtig und unwichtig, von segensreich und unheilvoll. Die Technologieunternehmen schaffen mit überwältigenden Bildern und überzeugenden Geschichten diejenigen Bedürfnisse, die sie dann mit ihren Produkten befriedigen wollen. Im Diskurs der Gesellschaft um ihre Prioritäten sind Unternehmen ein wichtiger Diskutant. Dergleichen gilt im übrigen auch für die Seite der Wissenschaft, in der ebenso eine jede Disziplin nicht ungern ihr zentrales Problem zum gesellschaftlich relevanten Problem erklärt. Dies hat durchaus Implikationen für eine Innovationspolitik, die sich zusehens als an gesellschaftlichen Herausforderungen orientiert zeigt.
Die ZEIT beschäftigt sich in einem zweiten Artikel auch mit Raymond Kurzweil und seiner Utopie der Singularität. Im Artikel wird dies (zumindest in den Augen von Kurzweils Anhängern) als Verheißung beschrieben, in anderen Artikeln findet eine zunehmend intelligente Umwelt, die möglicherweise irgendwann die Kontrolle über unser Leben übernimmt und bestimmt, was richtig und falsch ist , eher als Drohzenario statt. Die lustigen Seiten der Anfänge einer solchen Technodiktatur hat vor kurzem der Technikblog der FAZ schön beschrieben. Da sind wir dann wieder - nein, nicht bei der Utopie, sondern der Dystopie.
Dienstag, 12. März 2013
TED Talks
Der Feuilletonist der Süddeutschen hat am
vergangenen Samstag einen schönen Artikel zu den TED-Talks in den USA (einer alljährlich stattfindenen Konferenz zu Technologie, Unterhaltungsindustrie und Design) geschrieben, in dem ein aufkommender Technikskeptizismus durchschimmert,
der nicht zuletzt durch seinen Retro-Charme besticht.
Interessant klang für mich vor allem ein Streitgespräch zwischen Robert
Gordon und Erik Brynjolfsson zur Frage, ob es mir dem
innovationsinduzierten Wachstum zu Ende geht. Das Video zum
Streitgespräch ist leider noch nicht im Netz, nur eine kurze Zusammenfassung auf der TED-Seite.
Die amerikanische
Bloggerszene
hat aber bereits die wichtigsten Aussagen dokumentiert (zum Beispiel hier und hier). Zudem ist die
These von Gordon nicht neu und wurde bereits an anderer Stelle
ausführlich und kritisch diskutiert (z.B. hier, hier und hier, schön auch der Artikel im Economist). Er behauptet nämlich, dass die
zentralen Innovationen, die unseren Lebensstandard und
unseren Wohlstand entscheidend gehoben haben (fließend Wasser,
Elektrizität und andere) bereits hinter uns liegen und viel neues nicht
zu erwarten ist. Dies gilt seiner Meinung nach auch für die sogenannte
digitale Revolution. Brynjolfsson hingegen sieht gerade
hierin eine derart fundamentale Innovation, dass sie unser komplettes
Leben verändern wird. Auf Brynjolfsson bin ich bereits in einem früheren Post eingegangen.
Heute geht es mir um die These Gordons, die eine
entscheidende Frage stellt: Was macht eigentlich
echte Innovationen aus? Dabei zielt Gordon vor allem auf die wirtschaftlichen Wachstumseffekte von Innovationen, und hier gehen seine Kritiker hart mit ihm ins Gericht. Gleichzeitig argumentiert er aber auch normativ mit dem gesellschaftlichen Nutzen, den Innovationen stiften, und den ich von den in früheren Blogs von mir bereits genannten kompensierenden und positionalen Funktionen unterscheiden möchte. Eigentlich scheinen nur wenige Lebensbereiche für "echte" Innovationen in Frage zu kommen: die Steigerung der körperlichen und geistigen Gesundheit, die Befreiung von körperlicher (und geistiger?) Anstrengung (durch Maschinen zum Beispiel - auf dieser Ebene argumentiert ja Brynjolfsson) sowie die Erweiterung des geistigen Horizonts, um eine etwas altertümliche Dimension anzusprechen.
Aber gerade hier finde ich die Früchte der digitalen Revolution besonders bestechend. Das Wissen der Welt steht uns mit dem Internet heute in einer Weise zur Verfügung, welche die Intellektuellen vergangener Zeiten geradezu für ein Wunder gehalten hätten. Neugierde zu stillen, Einsichten zu vermitteln und die Welt zu verstehen schafft zutiefst Befriedigung. Wenn nun noch die Möglichkeiten einer digital unterstützen Bildung weiter ausgebaut werden, was steht da unserem Glück noch im Wege...? Wenn dann nur die materiellen Voraussetzungen gesichert wären. Und da kommt dann möglicherweise für viele von uns in Zukunft wieder Brynjolfsson ins Spiel...
Update vom 26. Mai : Die Videos von Brynjolsson und Gordon sind mittlerweile hier online zu finden
Update vom 26. Mai : Die Videos von Brynjolsson und Gordon sind mittlerweile hier online zu finden
Samstag, 9. März 2013
Chimerica
Zurzeit wird in China die neue Führung ins Amt gehoben, gleichzeitig besetzt auch die amerikanische Regierung ihre Spitzenposten neu. Nach den praktisch gleichzeitigen Wahlen im November bewegen sich die beiden Ländern erneut fast im Gleichschritt. Auch auf wirtschaftlicher Ebene nimmt die Verflechtung der beiden Volkswirtschaften weiter zu. Die Print-Ausgabe der Zeit brachte diese Woche in einem kleinen Artikel wieder das Konzept von Chimerica ins Spiel, eines durch Investitionen und Exporte eng verbundenen Staatengebildes, das die Weltwirtschaft beherrscht.
Dabei sind die Wirtschaftsbeziehung in der Realität keineswegs spannungsfrei. Insbesondere in den USA gibt es große Befürchtungen, dass China die USA dominieren könnte. Als Beispiel werden dabei immer wieder Spitzentechnologien wie die Photovoltaik angeführt, in denen China mit angeblich unlauteren Praktiken die amerikanischen Unternehmen an die Wand drückt. Dass dies zumindest heute noch anders ist, zeigt ein Blogartikel zur amerikanisch-chinesischen Handelsbilanz im Bereich erneuerbare Energien auf der Onlineseite des Economist, nachdem die Handelsbilanz wider erwarten deutlich positiv für die USA ausfällt. Grund ist die höhere Innovationsleistung amerikanischer Firmen (eine Zusammenfassung der Studie findet sich hier).
Aber China holt auch technologisch auf. Selbst steigende Löhne sind, wie ein aktuelle Beitrag von DB Research zeigt, eher Zeichen eines Strukturwandels in Richtung steigende Innovationsorientierung denn beruhigende Nachrichten für amerikanische oder europäische Wettbewerber. Bleibt also Chimerica eine Chimäre?
Dabei sind die Wirtschaftsbeziehung in der Realität keineswegs spannungsfrei. Insbesondere in den USA gibt es große Befürchtungen, dass China die USA dominieren könnte. Als Beispiel werden dabei immer wieder Spitzentechnologien wie die Photovoltaik angeführt, in denen China mit angeblich unlauteren Praktiken die amerikanischen Unternehmen an die Wand drückt. Dass dies zumindest heute noch anders ist, zeigt ein Blogartikel zur amerikanisch-chinesischen Handelsbilanz im Bereich erneuerbare Energien auf der Onlineseite des Economist, nachdem die Handelsbilanz wider erwarten deutlich positiv für die USA ausfällt. Grund ist die höhere Innovationsleistung amerikanischer Firmen (eine Zusammenfassung der Studie findet sich hier).
Aber China holt auch technologisch auf. Selbst steigende Löhne sind, wie ein aktuelle Beitrag von DB Research zeigt, eher Zeichen eines Strukturwandels in Richtung steigende Innovationsorientierung denn beruhigende Nachrichten für amerikanische oder europäische Wettbewerber. Bleibt also Chimerica eine Chimäre?
Abonnieren
Posts (Atom)