Donnerstag, 29. August 2013

Singularität



Massive Open Online Courses (MOOCs) sind zurzeit ein herrliches Modethema. Sie werden als gute Ergänzung zum klassischen "analogen" Lehrbetrieb gesehen (zum Beispiel ein Artikel in der ZEIT vom Juni), sie werden als mögliche Bedrohung wahrgnommen (MOOCs bedrohen kleinere US-Unis), oder auch als Geschäftsidee (MOOCs als Gründungsidee für Deutschland). Ganz aktuell wirbt zum beispiel das Hasso-Plattner Institut für sein Online-Angebot (Großer Erfolg des Hasso-Plattner Instituts). Aber eigentlich spielen sie noch keine Rolle.

Grundidee der MOOCs ist es, digitale Medien zu nutzen, um eine möglichst breite Onlinegemeinde an Lerneneden mit seinem Lehrangebot zu beglücken. Damit eröffenn sich ganz neue Gelegenheiten für Lernende, an sehr renomierten Hochschulen Kurse zu besuchen und Abschluss zu machen. Und für die Universitäten gibt es - so die Beführworter - die schöne Hoffnung, viel zusätzliches Geld zu machen.

Irgendjemand muss die ganzen Abschlüsse allerdings auch abnehmen, muss die Klausuren bewerten und die Aufsätze lesen. Mit automatisierten Multiple-Choice Test kommt man da - insbesondere in den Sozial- und Geisteswissenschaften - nicht immer weiter. Bei der sehr großen Zahl an Teilnehmern ist die individuelle Bewertung eine echte Herausforderung. In den USA, dem Mutterland der MOOCs, wird nun die automatische Benotung von Aufsätzen durch ein Computersystem ausprobiert, wie in einem aktuellen Beitrag des Deutschlandfunk beschrieben wird. Dabei ist das Vorgehen zweigleisig. Zum einen benoten sich die Lernenden als "Crowd" gegenseitig, zum anderen bewertet ein Computeralgorythmus und gleicht seine Note mit derjenigen der menschlichen Bewerter ab. Noch ist dieses System relativ "dumm", es lernt aber von der Crowd. Im Artikel wird aber auch gleich deutlich gemacht, dass sich Nutzer und Kommentatoren durchaus die Frage stellen, wie sie das System am besten betrügen können. Je länger der Aufsatz, je mehr Zitate, desto besser werden die Noten...

Lernprozesse im Anwendungsfeld Bildung sind für IKT-basierte Systeme keine Seltenheit mehr. Gerade bei Sprachtechnologie kommen Crowd-basierte Ansätze zu Einsatz, wie zum Beispiel ein Artikel zu Duolingo in BRAND EINS zeigt. Textcorpora wurden in der Sprachtechnologie schon lange genutzt, Systemlernen ebenfalls, wenn z.B. Spracherkennung vom Nutzer trainiert und so die Erkenngenauigkeit verbessert wurde. Auch bei Suchmaschienen spielen "lernende" Systeme eine immer größere Rolle, wenn zum Beispiel Suchallgorythmus unsere Vorlieben kennen lernen (über die Vor- und Nachteile habe ich bereits früher gebloggt).

Interessant wird diese Entwicklung, wenn man die lernenden Systeme weiter denkt und das Konzept der MOOCs und der "automatischen" Benotung auf die Spitze treibt. Irgendwann sind die Systeme so schlau, dass man Menschen (außer als Lernende, als Kursteilnehmer) kaum noch braucht. Wenn Menschen die künstliche Intelligenz nicht mehr betrügen können, dann ist vielleicht der Moment der Singularität gekommen. Das wäre so etwas wie ein umgekehrter Turing-Test. Dazu passt eine Meldung aus Japan, in der ein alternativer Turing Test (der sogenannte Tokyo-Test) KI-Systeme in Aufnahmeprüfungen einer berümten japanischen Universität schicken. Sollten sie diesen bestehen, wären sie wirklich intelligent. Sollten sie diesen Test kontrollieren, wären sie es womöglich auch. oder ist da möglicherweise gar kein Unterschied?

Donnerstag, 22. August 2013

Wissenschaft vs. Politikberatung

Liegt es daran, dass Wahlkampf ist in Deutschland? Die Rolle der Wissenschaft in der Politikberatung ist zumindest wieder in der Diskussion, seit die ZEIT die Rolle der Auftragsforschung thematisiert, als Aufmacher mit einem provokanten Kaninchenpärchen in eindeutiger Pose. Die unterschwellige Botschaft war: die Wissenschaft prostitutiert sich für Politik und Wirtschaft und liefert Gefälligkeitsgutachten.

Nicht nur in Zeiten des Wahlkampfes scheint es tatsächlich für jedes politische Statement ein passendes wissenschaftliches Gutachten (und das entsprechende Gegengutachten zu geben). Die Zeit argumentierte in ihrem Artikel insbesondere strukturell und prangerte Stiftungsprofessuren und ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse an. In einer Replik in der FAZ vom 14.8. argumentierte hingegen Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband, dass das Verhältnis von Grundfinanzierung und Drittmitteln ausbalanciert sei und Stiftungsprofessuren nur einen sehr kleinen Teil der Hochschullandschaft ausmachten.

Von einer anderesn Seite her näherte sich dann die ZEIT in einem Onlineartikel vom 18.8. erneut dem Thema, diesmal mit einem Interview mit dem Armutsforscher Ernst-Ulrich Huster, der von seinen Erfahrungen bei der Erarbeitung von Auftragsstudien für die Politik berichtete. Grundsätzlich verteidigte er die Auftragsforschung, die einen notwendigen Beitrag in der wissenschaftlichen Politikberatung spielt. Er schilderte aber auch, wie durch die Auswahl der richtigen Datenquelle, der passenden Beobachtungszeitraumes oder der geeigneten Interviewpartner Daten und Aussagen generiert werden, die mehr oder weniger die jeweiluige politische Botschaft stützen.

Die Berlin-Branendburgische Akademie der Wissenschaften hatte sich in einem Projekt bereits zwischen 2004 und 2008 ausführlich mit dem Thema und der Problematik der wissenschaftlichen Politikberatung aueinandergesetzt. Ziel des Projektes war es, einen Leitfaden mit Kriterien „guter Politikberatung“ sowie weitergehende konkrete Vorschläge für gesetzliche Regelungen zu erarbeiten.

Letztlich geht es um die Grundlagen einer evidenzbasierten Politikgestaltung, die auf wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen über die Gestaltungsräume und Wirkungen politischen handlens basieren soll. Hierzu gehören Regeln zu einer qualifizierten, möglichst objektiven Politikberatung ebenso wie die Fähigkeit der Politikgestalter, entsprechenden rat zu suchen und zu verwerten. Die EU hatte ein eigenes Forschungsprojekt initiert, um die Politik bei der Nutzung von wissenschaftlichen Egebnissen für die Politikgestaltung mit geeigneten Tools zu unterstützen.

Für die breite Öffentlichkeit bleibt allerdings allzu oft die verwirrende Tatsache, das sich wiedersprechende Aussagen von entsprechenden wissenschaftlichen Gutachten und Studien belegt werden. Nicht weit ist dann zum vermeindlichen Churchill-Zitat von den Statistiken, denen er nur glaube, wenn man sie auch selbst gefälscht habe. Das Zitat ist nicht echt, es belegt eher das Vorurteil gegenüber dem Umgang mit wissenschaftlichen Ergebnissen im politischen Raum als das tatsächliche Handeln. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel...

Nachtrag:
Mittlerweile ist ein interessanter Blogbeitrag erschienen, der sich mit den Wirtschaftswissenschaften und Politikberatung auseinandersetzt. Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise ja ein durchaus naheliegendes Thema. Eine Studie hatte gezeigt, dass Spitzenforschung und Politikberatung in den Wirtschaftswissenschaften in der Regel eher nicht zusammenfallen...

Dienstag, 6. August 2013

Frankenburger und soylent green

Gestern erschienen die ersten Meldungen über künstliches Fleisch, das - aus Muskelzellen auf der Petrischale gewachsen - als Burger in London der staunenden Öffentlichkeit präsentiert wurde. Das Medienecho war eher geteilt, britische Medien sprachen unter anderem vom Frankenburger. Teil der Meldung - vielleicht sogar der Anlass für das große Medieninteresse - war die Mitfinanzierung des Projekts durch Google-Gründer Sergey Brin, sozusagen der Brückenheilige der Innovation.

Ernährung ist ja ein durchaus interessantes Feld der Innovation mit weitreichenden Folgen. Napoleon lobte einstmals einen Preis für neue Konservierungsmethoden aus und belegte damit die Wichtigkeit des Themas für die Kriegsführung. Natürlich spielten Ernährungsfragen auch immer schon für die Gesundheitsfürsorge eine zentrale Rolle - heute sucht die Lebensmittelindustrie diese "natürliche" Funktion mit functional food weiter zu bedienen. Ohne Kühlschrank und Kühlkette wäre der Welthandel mit Lebensmitteln in der heutigen Form nicht denkbar.

Insgesamt sind echte Nahrungsmittelinnovationen aber eher selten, eigentlich essen wir doch weitgehend das selbe wie unsere Großeltern. Der Anteil der Innovationsausgaben am Branchenumsatz betrug in der Lebensmittelindustrie zuletzt nur magere 1,4%. Vielleicht hatte die Molekularküche ja nur aus Mangel an echten Innovationen so einen durchschlagenden Erfolg - wenn auch nicht in jedermanns Küche (zu umständlich und Geräte-intensiv), aber doch in der Gourmetliteratur.

Auch andere Lebensmittelforschung auf der Suche nach dem Ersatz für das blutige Steak adaptiert eher Essgewohnheiten, die andernorts nicht neu sind. Insekten als Eiweißlieferanten sind uns Mitteleuropäern weiterhin fremd, in Afrika und Asien aber keineswegs exotisch. Aber auch bei dieser Innovation liegt der Teufel scheinbar im Detail....

Auf jeden Fall sind Ernährungsinnovationen mit viel Emotionen belegt, wie das Essen ja insgesamt. Künstliche Lebensmittel wie die sprichwörtliche Astronautenkost standen einmal für die Zukunft schlechthin, künstliche Aromastoffe hingegen sind heute eher der Beweiß, dass nichts mehr so ist wie in der guten alten Zeit. Eine ganze Bio-Branche lebt davon, sich von der Alltagslebensmittelerzeugung abzusetzen.

Angesichts des eingangs geschilderten künstlichen Fleisches fragte der Guardian gleich, in welchem Land den eigentlich am meisten Fleisch gegessen wird. Deutschland zieht da gleichauf mit Großbritannien. Den Fleischkonsum hinterfragte jüngst. auch der Fleischatlas der Böll-Stiftung. Den Wahlkampf bereicherte Renate Kühnast gestern in der Bildzeitung mit der Forderung nach einem Veggy-Day. Da stellt sich schon die Frage, ob Vegetarier das künstliche Fleisch essen dürfen oder nicht - Tiere sterben deshalb auf jeden Fall nicht.

Dazu muss der Frankenburger aber erst einmal massenmarkttauglich sein, und das scheint noch etwas zu dauern. Ich muss bei dem Frankenburger dann doch an einen Klassiker der Filmgeschichte denken, nämlich an soylent green ...

Montag, 8. Juli 2013

Kreative künstliche Intelligenz

Maschinen können immer mehr, erst ersetzten sie unsere Muskelkraft, dann nahmen sie uns stupide Rechenaufgaben ab, und bald werden sie die anspruchsvollen Dienstleistungsjobs unserer postindustriellen Gesellschaft übernehmen. So zumindest behauptet es Erik Brynjolfsson, wie ich schon in früheren Blogbeiträgen berichtet hatte. Computer spielen mittlerweile auch besser Schach und Rateshows, sind aber bei manchen Aufgaben, die echtes Verstehen notwendig machen, immer noch etwas unbeholfen. Die Sprachtechnologie zum Beispiel machte in den letzten Jahren schöne Fortschritte, immer noch ist es aber lustig, sich in mehreren Schleifen Texte automatisch übersetzen und rückübersetzen zu lassen. Die letzten Bastionen des menschlichen Geistes geraten aber zunehmend unter Druck.
 
Kunst und Kreativität sind solche Rückzugsgebiete der menschlichen Einzigartigkeit. Das Beispiel der Affen, die bei unendlicher Zeit auch einen Shakespeares-Text schreiben könnten (das sogenannte Infinite-Monkey Theorem) soll gerade zeigen, dass zwar zufällig Kopien von Kunst entstehen können, aber keine "echte Kunst. Der Deutschlandfunk hat zuletzt in einer Sendung zu kreativen Computern schöne Beispiele angeführt, die einen zumindest zweifeln lassen. DRadio Wissen hatte sich schon vor zwei Jahren mit dem Thema beschäftigt. Schon jetzt machen Computer ja Zeitungen (zumindest die Sportberichterstattung), werden wir bald also nicht mehr wissen, welchen Ursprungs die künstlerischen Schöpfungen in den Museen, Bühnen und Unterhaltungsmedien sind? Solange wir es nicht wahrnehmen, sollten wir dann von künstlicher kreativer Intelligenz ausgehen? Alan Turing hatte einen Test beschrieben, um künstliche Intelligenz zu identifizieren (eine schöne Diskussion hierzu findet sich hier). Vielleicht brauchen wir auch einen Turing-Kreativ-Test...

Donnerstag, 20. Juni 2013

disruptive technologies

Zu disruptiven Technologien hat McKinsey im Mai eine neue Studie vorgestellt. 10 Technologien werden vorgestellt, die auf kurz oder lang zu ökonomischen Umbrüchen führen könnten. Vom mobilen Internet und dem sogenannten Internet der Dinge bis zum autonomen Fahren, 3D Printing und Erneuerbaren Energien ist so ziemlich alles aufgeführt, was heute schon (fast) auf dem Markt erhältlich und heiß diskutiert wird. Echte Überraschungen sind also kaum zu erwarten, gleichwohl beeindrucken die Zahlen, mit denen McKinsey die wirtschaftlichen Effekte dieser technologien und damit ihren disruptiven Chakter unterstreicht. Das Konzept der disruptiven Technologien wurde vor allem durch die Publikationen von Clayton Christensen bekannt, in Deutschland hat sich jüngst der BDI dieser Terminologie bedient, um in seiner Studie Deutschland 2030 - Zukunftsperspektiven der Wertschöpfung Anfang 2012 technologiepolitische Strategien zu skizzieren.

Die McKinsey-Studie wiederum wurde vom Economist in seiner Schumpeter-Kolumne aufgegriffen, um einen der betrachteten Technologietrends etwas gegen den Strich zu bürsten. Für die Automatisierung der Wissensarbeit sieht McKinsey mit den größten wirtschaftlichen Effekt, da bis 2025 bis zu 140 Millionen Arbeitsplätze durch intelligente IKT ersetzt werden könnten. Die Rationalisierungsprozesse der Industrie würden sich damit auf die Wissensarbeit ausbreiten, mit ungeahnten Folgen. Während McKinsey vor allem die positiven Effekte (neue, preiswerte Wissensdienstleistungen, aufqualifizierung der verbleibenden und neu geschaffenen Arbeitsplätze) herausstellt, verweist der Economist zurecht auf die zunächst dramatischen Folgen und nimmt besonders bezug auf die Veröffentlichung von  Erik Brynjolfsson and Andrew McAfee (Race Against the Machine, 2011). Den beiden Autoren geht es um ein Rennen, das die Menschheit gegen immer schlauere Maschinen antritt, und das wir - wenn wir uns nicht aufqualifizieren - möglicherweise auch verlieren könnten. Was natürlich nur übetragen gemeint ist ...

Mittwoch, 19. Juni 2013

Digital Divide per Suchalgorythmus

Der Tagesspiegel hat in seiner Printausgabe vom 15.6.2013 einen interessanten Artikel zu neuen Ansätzen der Preisgestaltung im Internet berichtet. Basierend auf der Auswertung von Userprofilen, Suchverhalten und darauf aufbauend soziodemographische Schlussfolgerungen, prüfen Onlinehändler angeblich die Einführung individueller Preise. Wer wohlhabend ist, bekommt andere Produkte und Preise angezeigt als vermeindlich ärmere Kunden.

Andere Artikel, z.B. bei heise oder bei businessweek, gehen diesem Phänomen unter der Bezeichung Weblining nach. Die Praxis, in den USA der 30er Jahre als Redlining für die Benachteiligung für Bewohner aus sozal schwächeren bezirken beschrieben, ist zwar nicht neu, mithilfe der umfangreichen sozioökonomischen und persönlichen Daten aus sozialen Netzwerken und Suchhistorien aber mit ganz neuen Konsequenzen zu nutzen. Digitale Spaltung würde dann heißen, dass die existierenedn sozialen Grenzen und Benachteiligungen auf das Netz übetrtagen und weiter verstärkt würden.

Auch Suchergebnisse hängen schon heute von der Suchhistorie ab. Je nachdem, was mich bislang interessierte, wird mir auch die neue Auswahl an Fundstellen vorkonfiguriert. Damit erhöht sich zwar die Chance, dass meine "Suchanfrage" vor dem Hintegrund meiner bnsherigen Suchhistorien besser gedeutet wird und die Ergebnisse häufig präziser sind, gleichzeitig werden so aber auch Pfadabhängigkeiten geschaffen und Tunnelblicke erzeugt.

Noch kann man die personalisierte Suche ausschalten. Ob das auch für die "personalisierte" Onlinepreisbildung gilt?

P.S. Anlässlich der aktuellen Diskussion um staatliches Ausspionieren (PRISM und ähnliches) gibt es natürlich manigfache Querbezüge. Die Technik des Datenzugangs mag unterschiedlich sein, die Herausforderung bei der Datenanalyse - die Erstellung des Nutzerprofils und die Voraussage seines weiteren handelns - sind vergleichbar.

P.P.S. Im Zusammenhang mit den Pfadabhängigkeiten von Suchanfragen sollte der Hinweis auf Eli Pariser und seine "filter bubbles" nicht fehlen, die er im TED TALK und auf einer eigenen Webseite zu seinem Buch anschaulich dargestellt hat. Lesenswert auch ein Interview mit ihm in der Süddeutschen.

Samstag, 15. Juni 2013

Quantify yourself und tierische Innovationen

Quantify Yourself - das messen aller verfügbaren Bewegungs- und Körperparameter - ist angeblich eine echte Szenebewegung, die notwendige Tools und Gadgets sind via Smartphone heute für jeden erschwinglich zu haben. Neueren Datums, zumindest in der Medienberichterstattung, ist die quantitative Erfassung unserer Liebsten, ob Katz oder Hund. Bei Übermorgen gibt es hierzu nun einen schönen Artikel, der die entsprechende App (und das zugehörige Halsband) kurz vorstellt. Die Leserbriefe verweisen dann unter andere auf einen Artikel der BBC zum Tracking von Katzen. Das ist eigentlich nichts anderes als die Wildtierforschung, die ausgewilderten Luchsen oder Wölfen entsprechende Halsbänder umhängt. Nur das die preiswerte Verfügbarkeit nun jedermann zum (Haus-) Tierforscher werden lässt.

Welch perverse Formen Citizen Science mit Tierenallerdings auch annehmen kann, zeigt ein anderer aktueller Artikel von Neuerdings. Hier werden  Küchenschaben per eingepflanzter Hardware zu Cyborgs gemacht, zumindest verspricht das ein Kickstarter-Crowdfunding-Projekt. Das hier mit zweifelhaftem wissenschaftlichem Nutzen ethische Grenzen überschritten werden, macht der Artikel nur allzu deutlich. Und weist zurecht darauf hin, das auch hier tierschutzrechtliche Vorgaben greifen, die Tierversuche regeln (und manchmal auch verbieten!).

Wo Frankenstein bei der Haustieroptimierung grüßen lässt, halten wir uns doch lieben an die virtuelle Realität und schauen Frankenweenie.  

Sonntag, 2. Juni 2013

Globalisierung und Innovation

Diese Woche besuchte der chinesische Ministerpräsidente Li Keqiang Deutschland . Zeitgleich intensivierte sich auf der Streit um Strafzölle auf Solarmodule aus China, da die EU-Kommission eine entsprechende Empfehlung formuliert hat. Die Fronten zu diesem Streit verlaufen quer durch die Branche. Während der deutsche Hersteller Solarworld das Antidumpingverfahren angestoßen hatte, sprechen sich andere Branchenvertreter auch aus Deutschland gegen Strafzölle aus, nicht zuletzt, weil sie mit Vorprodukten und Maschinen weiterhin gut in China verdienen. Europaweit haben sich diese Vertreter zum AFASE (Allianz für Bezahlbare Solarenergie) zusammengeschlossen und argumentieren, dass Strafzölle europaweit  über 240.000 Arbeitsplätze gefährden könnten. Dabei rekurrieren sie explizit auf eine globale Arbeitsteilung, nach der Vorprodukte und Maschinen aus Europa kommen, andernorts zu Solarmodulen werden und dann in Europa wieder zu Anlagen auf den Dächern montiert werden.

Die Diskussion zeigt die Komplexität globaler Wertschöpfungsketten und Abhängigkeiten gut auf. Wo wird die Wertschöpfung eigentlich realisiert, welchen Anteil haben Vorprodukte, Maschinen und Installation? Einige Kommentatoren (hier zum Beispiel die FAZ) kommen zum Schluss, dass auch für den deutschen Arbeitsmarkt preiswerte - auch chinesische - Module wertvoller als die noch in Deutschland angesiedelten Produktionsstätten für Module selbst sind.

Diese Diskussion ist typisch für die globalen Wertschöpfungsketten, in die gerade exportorientierte Länder wie Deutschland besonders stark integriert sind. Und der Vernetzungsaspekt ist auch das Charakteristikum und der Treiber selbst der Globalisierung, nicht mehr vorrangig die preiswerten Transportkosten (siehe auch diesen Blogbeitrag hierzu). Zur Geschichte der Globalisierung hat übrigens die OECD gerade einen schönen Reader zusammengestellt, der die Phasen anhand vieler Beispiele sehr übersichtlich herausarbeitet. Und zum Thema Global Value Chains hat sie auch ein aktuelle Studie fertiggestellt.

Politik mit Schwerpunkt auf gesellschaftlichen Herausforderungen macht das ganze noch komplexer, weil sie  ggf. auf konfligierende Prioritäten setzt. China muss schnell erneuerbare Energien marktfähig machen und ist dabei auf sinkende Preise angewiesen. Ein Handelsblattartikel führt dies beispielhaft aus. Auch Indien braucht z.B. billige Module für Umstieg auf erneuerbare Energien und nutzt die aktuellen Tiefstpreise (siehe zum Beispiel den Hinweis hier). Auch deshalb nennt sich der Verband AFASE trickreich nicht Verband der Vorproduktehersteller für Solarenergie, sondern Allianz für Bezahlbare Solarenergie...

Samstag, 25. Mai 2013

Demographischer Wandel und Innovation

Am 14. Mai fand der Demografiegipfel der Bundesregierung statt, am 16. und 17. Mai die Veranstaltung "Innovationsfähigkeit im demographischen Wandel". 2013 wurde insgesamt zum Wissenschaftsjahr "Die demographische Chance" ausgerufen, mit vielen Veranstaltungen im ganzen Bundesgebiet.
Doch nicht nur in Deutschland dreht sich zurzeit die Diskussion um das Thema Demographie und Innovation. Der Economist hat gerade in einem Artikel seiner Kolumne Buttonwood die Herausforderungen des demographischen Wandels für die Produktivitätsentwicklung thematisiert und in einer ergänzenden Graphik einen deutlichen Zusammenhang zwischen kontinuierlich sinkenden Produktivitätssteigerungen und älter werdenden Belegschaften postuliert.

Deutschland wird zwar auch in diesem Artikel als besonders betroffenes  Land skizziert, gleichwohl stehen auch andere Länder dieser Herausforderung gegenüber. Insbesondere für China (zum Beispiel in diesem Artikel vom Anfang des Jahres) und Indien (Artikel hier) wird angezweifelt, ob sie ihre Dividende rechtzeitig einzuholen, bevor auch ihre Gesellschaften sich dem Aufbau der meisten europäischen und der japanischen Gesellschaft angleichen. In einem aktuellen Artikel zitiert der Economist eine spannende Studie, die einen engeren Zusammenhang zwischen Bildungspolitik und realer demographischer Dividende postuliert und dies am Beispiel Korea (eine der am schnellsten alternden Gesellschaften) und Indien ausführt.

Die Zusammenhänge zwischen demographischem Wandel und Innovation sind vielfältig. Zum Beispiel verändert sich das Gründungsverhalten (schön analysiert in einer Studie des ZEW). Das Fraunhofer ISI hat bereits 2010 im Rahmen des eingangs vorgestellten Demographieprogramms des BMBF eine Studie zu demografiebezogenen Innovationsindikatoren erstellt.

Das Thema Demographie hat übrigens durchaus den Charakter eines Modethemas. Gibt man bei Google Trends den Begriff Demographie ein, so zeigt sich eine eher abnehmende Suchintensität - obwohl das Thema objektiv vermutlich an Relevanz gewinnen wird. Wer auf dem laufenden bleiben möchte, dem sei der Demographie-Blog von Björn Schwentker empfohlen.

Nachtrag:
Ganz anders setzt sich übrigens Dan Brown in seinem neuen Buch "Inferno" mit dem Thema Demographie und Innovation auseinander. Die weltweite demographische Entwicklung (Stichwort Überbevölkerung und Malthus) wird hier zum Weltuntergangsszenario, die Biotechnologie zum vermeindlichen Retter oder Verderber. Dann vielleich doch lieber seriöse Infos von Björn Schwentker?

Samstag, 11. Mai 2013

Gamification und Serious Games

Vor knapp einer Woche meldete Hyperland in einem Blogbeitrag, dass alternativ zu den Aktivitäten der NASA nun private Marsmissionen als Reality Show und Crowdfinanzierungs-Projekte geplant werden. Mit dem Erfolg erster privater Dienstleister im Weltraumgeschäft - die NASA setzt nun explizit auf privatwirtschaftliche Unterstützung - rücken auch größere Visionen in den Bereich des Möglichen. Mars One zum Beispiel will Menschen rauf zum Roten Planeten schicken, zwar nur mit einem Oneway-Ticket, aber mit weltweiter multimedialer Aufmerksamkeit garantiert. Die Kandidaten sollen in einer Art Reality Show (und ergänzend nach Begutachtung durch "echte" Experten) ausgewählt werden, die wahrlich astronomischen Kosten durch Werbeeinnahmen etc. aufgebracht werden.

Eine Nummer kleiner im Weltraum unterwegs ist der schon etwas ältere Lunar X Prize von Google, der für die Landung auf dem Mond und den Einsatz eines Rover auf demselben zu gewinnen ist. Zurzeit sind noch 24 Teams registriert, darunter mit den Part Time Scientists auch ein Team aus Deutschland. Setzt Mars One insbesondere auf Werbung, um kostspielige Missionen zu finanzieren, so wird der Luna Prize zwar von Google ausgelobt (und finanziert), die jeweiligen Teams aber müssen eigene Geldmittel aufbringen oder Sponsoren suchen. Und erst vor kurzem gab es eine Sendung über neue Geschäftmodelle in der Raumfahrt beim Deutschlandfunk.

Der Wettbewerb als Motivationsquelle für wissenschaftliche Herausforderungen hat eine lange Geschichte, im 19. Jahrhundert sind nicht wenige Expeditionen im Rahmen eines solchen Wettbewerbs organisiert worden. Die Rolle von Innovationspreisen und -Wettbewerben wird immer wieder (auch jüngst in einem Artikel in "Reserach Policy") untersucht. Ein großer Gewinn ist das enorme öffentliche Interesse und die Begeisterung für technologische Lösungen, die solche Wettbewerbe im Idealfall ausstrahlen können. Ein ähnlicher Effekt wäre für das eingangs erwähnte Mars-Projekt zu erwarten.

Eine wichtige Rolle kommt auch dem spielerischen Element zu. Als Event inszeniert und mit entsprechenden Spannungsbögen versehen, wird selbst die drögeste Wissenschaft aufgepeppt. Mit einem ähnlich Rezept wartet auch die Mittmach-Wissenschaft des kleinen Mannes, die Citizen Science, auf. Die Macht der Vielen (oder modisch korrekter der Crowd) hilft Daten zu sammeln, die zentral nicht zu sammeln wären. Naturbeobachtungen sind hier das klassische, aber weiterhin moderne Beispiel (heute ist übrigens wieder Stunde der Gartenvögel). Eine andere Fähigkeit echter Menschen, die noch nicht in Gänze vom Computer übernommen werden kann, ist die Mustererkennung. Dieser Fähigkeit bedient sich das überaus populäre Citizen Science Portal Zooniverse mit einer Reihe von Mitmachprojekten aus Astronomie, Klimaforschung und Biologie.

Doch dass sind nur erste, in Deutschland übrigens eher unbekannte Beispiele für Serious Games. Wenn die Filme- und Spielindustrie die Gamifikation der Bildung noch stärker entdecken würde, wäre dies eine echte Bildungsrevolution, die möglicherweise stärkere Auswirkungen hätte als die Veränderungen der Universitätslandschaft, die durch Open Massive Courses anstehen.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Bio Punks

In der vergangenen Woche erschien ein neuer Artiekl in der Print-Ausgabe der ZEIT zu Bio-Punks oder Bio-Hackern, der sich geradezu liebevoll dieses Szene widmete und ihren Bemühungen um Innovationen von unten, gegen die großen Konzerne, durchaus Chancen einräumte. Beim Lesen überkam mich bei aller Faszination doch ein komisches Gefühl. Nanu, dachte ich mir, Biotechnologie hatte ich doch für eher teuer gehalten. Interessanter Weise hatte ZEIT ONLINE bereits vor einiger Zeit einen Artikel von ZEIT WISSEN abgedruckt, in dem die Biotech-Subkultur eher mit einem - fast bedrohlichen - Hacker-Image geschildert wurde. Und hier hatten die Leserbriefe sich sehr kritisch mit der Relevanz dieser Szene und insbesondere auch mit den hohen Kosten echter Biotechnologie beschäftigt. Die sind so hoch (und die Rekapitalisierung so langfristig), dass die "normalen" Biotechnologie-Firmen echte Schwierigkeiten haben, überhaupt an Geld zu kommen. In den VDI-Nachrichten wurde daher vor kurzen mit Bezug auf eine Studie von Ernst & Young sogar das komplette Gechäftsmodell einer VC-finanzierten Biotechnologie in Frage gestellt.

Die Verwirrung legt sich ein wenig, wenn man bedengt, dass Biotechnologie nicht gleich Biotechnologie ist. Im aktuellen ZEIT-Artikel geht es vor allem um die Vernetzung von Biologie und IKT. Hier wirken Trends wie Miniaturisierung, Verbilligung von Speichern und anderen Bauteilen, der Zugang über das Internet auf das weltweit verfügbare Wissen und ein lukrativer Endkundenmarkt dahingehend, dass tatsächlich auch kleine Gruppen von Biotechnologien innovative Durchbrüche und marktfähige Produkte schaffen können. Das große Interesse branchenfremder Unternehmen wie Google, Samsung und anderen zeigt, dass hier wirklich Goldgräberstimmung herscht. Die deutsche Gründer-Szene scheint allerdings im Vergleich zur amerikanischen noch nicht wirklich auf den zug aufgesprungen zu sein. Villeicht wirkt aber ein Artikel wie der aktuelle ZEIT-Bericht aber doch motivierend...

Mittwoch, 1. Mai 2013

Innovationsindikator

Der Deutschlandfunk berichtete nicht nur über Gehirnforschung (siehe meinen letzten Blog), sondern am 14. April auch über die Ergebnisse der Enquete-Kommission zu Wachstum und Wohlstand. Die Bilanz der zitierten Experten sieht eher verhalten aus, der "große Wurf" scheint nicht gelungen. Und ein Blick in die Abschlussberichte der Arbeitsgruppen legt nahe, das wir mit den bestehenden Berichten (z.B. dem Nachhaltigkeitsbericht der Bundesregierung) bereits ein recht gutes Berichtssystem haben. Vermutlich wird sich also am bestehenden (Berichts- und Indikator-) System nichts ändern. Warum manche Alternativen zum BIP aufgegriffen werden und andere nicht, untersucht eine aktuelle Studie, über die Duncan Green von Oxfam in seinem Blog berichtet.  Ein Ergebnis ist, dass einfache, verdichtete Indikatoren wie der Human Development Index eher aufgegriffen werden als komplexe. Das gilt auch für Innovationsindikatoren, die als zusammengesetzte Indikatoren eine komplexe Wirklichkeit abbilden wollen, zumeist aber mit Blick auf ihr Länderranking in den Medien sind.

Je stärker die Innovationspolitik durch die Ausrichtung auf gesellschaftliche Herausforderungen legitimiert wird, desto näher rückt sie von den Erfolgsindikatoren auch an die "neuen" Wohlstandsindikatoren heran. Zum Teil wiederum ist die Innovationspolitik selbst, z.B. mit Blick auf die Investitionen in FuE, Teil der Nachhaltigkeitsindikatorik. Die bekanntesten Innovationsindikatoren (Innovationsindikator für Deutschland, Innovation Union Scoreboard) sind zusammengesetzte Indikatoren, die Input- wie Outputseite des Innovationssystems beleuchten wollen. Diese Indikatorenansätze haben jeweils einen relativ konkreten instrumentellen Anspruch, d.h. sie wollen auch politisches Handeln anleiten. Ihr Problem besteht darin, dass entscheidende Einflussfaktoren auf die Leistungsfähigkeit eines nationalen Innovationssystem struktureller Natur sind und nur langfristig - wenn überhaupt zu vertretbaren Kosten - geändert werden können. Der Innovationsindikator der Telekom-Stiftung beschreibt ganz explizit die erhebliche Zeitspanne, die günstigstenfalls zwischen veränderten Input und Outputindikatoren liegt. Bis sich die Effekte eine bestimmten Innovationspolitik konkret zeigen, vergeht also auf jeden Fall relativ viel Zeit.

Manche Phänomene sind aber so stark in grundlegende Strukturen eines Landes verwurzelt, dass kaum an substantielle Änderungen zu denken ist. Dazu gehört möglicher Weise die mangelnde Gründungskultur in Deutschland, die etwas mit dem Rentensystem (und den verfügbaren Kapitalmitteln), mit der Industriestruktur, der Bevölkerungsstruktur, der Migration und der eigentlichen Kultur zu tun hat. In der Politikwissenschaft hat die Forschung zur politischen Kultur und zu den politischen Strukturen eines Landes eine lange Tradition. In der Innovationsforschung sind vergleichbare "Kulturforschungen" eher selten und zumindest einflusslos. Spannend ist da der Ansatz von Acemoglu und Robinson, die global sogar von komplementären Innovationskulturen ausgehen, die sich gegenseitig bedingen.

Samstag, 27. April 2013

Hauptgewinn für Forscher

Die echten Menschen in der ARTE-Fernsehserie (siehe mein letzter Blogeintrag hier) geraten langsam in die Defensive. Die Hubots (Humanoiden Roboter) erweisen sich als schlaue Wesen, die den Menschen eigentlich haushoch überlegen wären, wenn ihnen nicht ab Werk eine Sperre einprogrammiert worden wäre.
Mit der Frage, ob uns in Zukunft künstliche Hirne drohen, die den menschlichen tatsächlich überlegen sind, damit beschäftigte sich letzte Woche auch eine Sendung des Deutschlandfunks. Eigentlich ging es um das Human Brain Project, die neue Flagschiff-Initiative der Europäischen Kommission. Der Radiobeitrag beschreibt diese im Wettbewerb vergebene Fördermaßnahme als Jackpot für Forscher, mit 1 Milliarde Euro dotiert. Die Neurowissenschaftler-Community scheint gespalten ob der Erfolgsaussichten zu sein, ein menschliches Hirn in seinen wesentlichen Funktionen auf einem Supercomputer zu simulieren. Dabei ist der Bau eines künstlichen Hirns nicht Ziel und Zweck der Forschung, das Projekt ist also nicht der Start zum Bau erster Hubots. Vielmehr geht es um ein tieferes Verständnis des Gehirns, um zum Beispiel Krankheiten besser therapieren zu können. Dennoch fasziniert natürlich die Frankenstein-Phantasie eines nachgebauten Gehirns, oder zumindest einer echten Mensch-Maschine-Schnittstelle zum Hirn.

So ein Wettbewerb kennt Gewinner und Verlierer. Die EU finanzierte zunächst sechs Pilotmaßnahmen für 12 Monate, bevor sie zwei Gewinner kürte. Einer der Verlierer war das Projekt FuturICT, im Kern ein Projekt zur Auswertung großer Datenmengen aus allen Lebensbereichen. Ziel des Projekt war es nach eigenen Worten, "komplexe globale, sozial interaktive Systeme mit einem Schwerpunkt auf den Themen Nachhaltigkeit und Resilienz zu verstehen und zu managen". Die Nutzung von Big Data für die Sozialwissenschaften, ein eigentlich ebenso faszinierendes Thema wie eine Simulation des menschlichen Gehirns. Aber natürlich geht die Forschung auch hier weiter, egal ob als FET-Projekt der EU oder in anderen Kontexten. Der Guardian berichtet aktuell zum Beispiel über GDELT, Global Data on Events, Location and Tone, und bezeichnet es als Big Data -Geschichte über das Leben, das Universum und alles andere. Das Projekt von Kalev Leetaru an der Universität Illinois hat eine sehr historische Ausrichtung, wird aber auch zur Vorhersage, zum Beispiel von Gewalt in Afghanistan, eingesetzt. Da wären wir dann wieder beim klassischen Science Fiction, nun bei Minority Report...

Freitag, 12. April 2013

Echte Menschen

Echte Menschen, so heißt eine neue Science-Fiction-Fernsehserie auf ARTE, die seit letzter Woche angelaufen ist und bereits in FAZ oder FREITAG für überaus positive Kritiken gesorgt hat. Wie bereits zuvor von Frankenstein über Blade Runner bis zu i-robot durchgespielt, wird einerseits die Frage nach der Schöpfung menschlichen Lebens in der Maschine gestellt und andererseits die Nacht der lebenden Toten beschworen. Welche Gefühle werden humanoide Roboter - im Film Hubots genannt - heraufbeschwören, wenn sie einmal wirklich menschenähnlich sind?

Vor zehn Jahren fragte sich das schon einmal die Firma Honda mit ihrem humanoiden Roboter Asimo, der vermutlich nicht umsonst ähnlich wie der große Asimov mit seinen Robotergesetzen hieß. In der schwedischen Fernsehserie auf Arte, die noch bis Mai läuft und auf Arte +7 auch sieben Tage nachgeschaut werden kann, nimmt man sich viel Zeit auch für die rechtlichen (können Roboterfreundinnen diskriminiert werden?) und menschlichen (taugen Roboter als Liebespartner) Fragen. Schöner können innovationspolitische Szenarien kaum dargestellt werden.

Ganz anders schaut die BBC auf die Welt von Morgen, mit einer Perspektive bis 2150. BBC fragte Experten -Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und Blogger - nach 40 Voraussagen für die Zukunft, und ließ diese anschließend von Wettexperten ganz britisch auf ihre Wahrscheinlichkeit hin bewerten. Zwei Mal Foresight einmal anders...

Samstag, 6. April 2013

3D Print

In den vergangenen Tagen hat die Entscheidung eines indischen Gerichts gegen die Patentierung eines neuen Medikaments von Novartis zu einer breiten Medienberichterstattung geführt. Während die Gegner des Urteils die Zukunft der Pharmaforschung aufgrund nicht mehr realisierbarer Gewinne in Frage stellen, sehen die Beführworter eine indische Generikaindustrie gestärkt, die nicht nur in Indien, sondern weltweit preiswerte Medikamente für die Armen anbietet.

Mit dem Urteil sind eine Reihe grundsätzlicherer Fragen verbunden. Führt erst die schnelle Diffusion von Innovationen zu einer größtmöglichen Wohlfahrt für möglichst viele? Sind in diesem Sinne die Patentsysteme möglicherweise antiquiert und behindern moderne Innovationsprozesse? Zeigt nicht der Patentkampf in der Smartphone-Branche, dass Patente nur noch zur Gewinnmaximierung und Marktabschottung genutzt werden (siehe dazu auch das aktuelle deutsche Urteil als neuer Etappenstand)?  Bauen nicht gerade viele deutsche Internet- Start Ups als Copy Cats auf die Kopie erfolgreicher Geschäftsmodelle in den USA?

Welche Rolle spielen eigentlich Innovationen, die gerade den schnellen Wissenstransfer und damit die schnelle Weitergabe, Vervielfältigung und Veränderung von Innovationen befördern? Ein wichtiger Innovationsschub war sicher der Buchdruck und dann im 19. Jahrhundert die entstehende moderne Kommunikationsinfrastruktur. Ein weiterer Schub wurde durch die digitale Revolution ausgelöst. Das Urheberrechte nun schneller gebrochen werden, wird in der Öffentlichkeit breit diskutiert. Vermutlich läuft die Innovationsdiffussion jetzt schneller und Innovationen kommen daher schneller allen zugute.

Ein noch anstehender Innovationsschub könnte durch preiswerte 3D-Drucker ausgelöst werden. Bislang war mir der Hype um diese Geräte nicht verständlich, nachdem ich selbst die aktuelle Technik mehrfach begutachten konnte. Was soll sich damit schon ernsthaft lohnen nachzudrucken?  Ein aktueller Artikel bei Hyperland hat mich jetzt nachdenklich gemacht. Es geht darin um Generatoren für Windräder, die speziell für den 3D-Druck entwickelt werden und dann für die Entwicklung ärmerer Regionen genutzt werden können. Die Grundidee geht in Richtung frugale Innovation, sie macht bei allen Einschränkungen (was ist mit der notwendigen Infrastruktur, warum nicht importieren oder preiswert in einer Fabrik herstellen?) erahnen, dass aus 3D-Druckern doch mächtige Instrumente zur Weitergabe von Innovationen werden könnten  einschließlich der ganzen Diskussion um die Vor und Nachteile des Urheberrechts.