In der letzten Woche berichtete die Zeit in ihrer gedruckten Ausgabe vom neuen Berliner Startup Schulbuch-O-Mat, nachdem sie bereits Ende 2012 erstmals auf ihrer Internetseite dazu schrieb. Die beiden Gründer Hans Hellfried Wedenig und Heiko Przyhodnik wollen in Deutschland eine neue Schulbuchkultur etablieren, die es so bislang nur in anderen Ländern gab. Nach dem Vorbild von Crowdsourcing-Plattformen wie Wkipedia wollen mit Hilfe von Gleichgesinnten ein digitales Schulbuch für Biologie und dann auch weitere Schulbücher für andere Klassen angehen. Ihr erstes Werk, das Schulbuch Biologie 7./8. Klasse liegt jetzt zum Download vor. Bislang sind ja digitale Schulbücher weitgehend ein exklusiver Markt der etablierten Schulbuchverlage geblieben, die den Zugriff auf ihr Monopol den Scülern, Lehrern und Eltern nur gegen Einwurf kleiner Münze gestatteten. Kündigt sich jetzt eine digitale Revolution an, die mit der Götterdämmerung der gedruckten Lexika zu vergleichen ist und die etablierten Verlage hinwegspülen wird?
Wohl kaum, Wikipedia war in dieser Hinsicht sicher einzigartig, da hier eine einheitliche Plattform alle Energien der Crowd bündeln konnte. Der neue Berliner Ansatz könnte die Landschaft gleichwohl nachhaltig verändern. Leidensdruck dürfte insbesonder auf Seiten der Lehrer und Schüler schon da sein. Erstere suchen sich immer mehr digitale Unterrichtsinhalte weiterhin in mühsame Kleinarbeit der Eigenrecherche zusammen. Auch Plattformen wie der Bildungsserver Berlin-Brandenburg ändern das nicht wirklich. Und Schüler schleppen jeden Morgen gefühlte Tonnen an Schulbüchern in ihren Ranzen durch die Gegend, während sie nachmittags immer häufiger für ihre Privatlektüre auf Ebooks und Tablets zurückgreifen. Hans Hellfried Wedenig und Heiko Przyhodnik haben auch schon erste Aktivitäten in Richtung Kulturveränderung gestartet und zu Schulbuch-Hacking-Tagen aufgerufen, auf denen sie insbesondere Schüler anregen und anleiten wollen, neue Inhalte zum wachsenden digitalen Schulbuch selbst zu formulieren.
Interessant ist auch die Finanzierung des Schulbuchprojekts. Hinter dem Schulbuch steht kein Geschäftsmodell, der Zugang soll ja gerade frei sein. Dennoch müssen natürlich Kosten refinanziert werde. Die Gründer haben ihr Geld erfolgreich auf der Crwodfunding-Plattrom Startnext gesammelt, einer Plattform, die vor allem kulturelle Projekte, aber auch soziale Innovationen umfasst. Gerade für Projekte, die nach Mittmachern suchen, ist eine Finanzierung über Startnext oder vergleichbare Plattformen ein doppelter Gewinn, da sie Geld und ideelle Unterstützung einwerben.
In der eingangs genannten Printausgabe der Zeit, in der zuletzt der Artikel zu Schulbuch-O-Mat erschien, war auf der nächsten Seite übrigens auch ein Artikel zur digitalen Hochschule (MOOCs etc.) zu lesen. Auch hier sind noch Quasi-Monopolisten - die Universitäten - am Werke. Vielleicht sehen wir auch hier demnächst neue Bündnisse, vielleicht tun sich ja die Hochschuldozenten eines Faches universitätsübergreifend zusammen und bündeln ihr Wissen und ihren Input zu gemeinsamen Angeboten für Studenten.
Im September fand in Berlin übrigens die erste deutsche Open Educational Ressources -Konferenz statt, über die die Werkstadt bpb und der Wikimedi-Blog der Macher von Wikipedia berichtete und die zum Beispiel einen Vergleich der Schulsituation und Deutschland und Großbritannien oder auch Beiträge zur Finanzierung umfasste.
Sonntag, 24. November 2013
Dienstag, 19. November 2013
The Circle und Foresight
Dave Eggers hat vor kurzem seinen neuen Roman "The Circle" herausgebracht (eine deutsche Ausgabe liegt noch nicht vor), in der er die Zukunft der Internetgiganten Gooogle, Facebook, Twitter und Co in einer herrlichen Dystopie beschreibt. Deutsche Rezensenten (z.B. der FAZ und der Süddeutschen) waren begeistert, und tatsächlich gelingt Eggers eine schöne Gradwanderung zwischen Science Fiktion und aktueller Gesellschaftskritik. Von der namensgebenden Firma und ihren neuen Features abgesehen spielt die Geschichte quasi in der Jetztzeit, Irakkrieg und Afghanistan sind auch den Romanfiguren aktueller politischer Hintergrund. Die allmächtige Internetfirma Circle hat die totale Transparenz zu ihrer Ideologie gemacht und beherrscht sie zunehmend technisch. Ihre Mitarbeiter sind die ersten, die den Segen und Fluch der Transparenzmanie erleben, aber auch die politische Landschaft wird erfolgreich bearbeitet. Laut Rezension der Süddeutschen reiht sich das Buch in einen wachsenden Chor an kritischen Intellektuellenäußerungen in den USA ein, für die mögliche soziale Folgen der neuesten Internettechnologien nicht nur erstrebenswert sind. Nach den ökonomischen Befürchtungen der Neo-Ludditen (siehe auch meinen Blogbeitrag hier) wachsen demnach sozialkritische Maschinenstürmer heran, die die Allmacht der Internetkonzerne sehr skeptisch sehen. In Europa wird man diese Skepsis nach den aktuellen NSA-Skandalen vermutlich eher teilen...
Letztlich reiht sich Eggers Roman aber ein in eine schöne Tradition der Science Fiction Literatur, die soziale Trends der Gegenwart, leicht verfremdet und zugespitzt, in einer nahen Zukunft auf den Punkt bringt. Einige der Technologien des Buchs scheinen auch gar nicht mehr so weit weg zu sein. Vielleicht lesen gerade die Entwickler von Google und Facebook die Technologiephantasien von Eggers mit großem Interesse und lassen sich eher anregen. Die Rolle des Science Fiction als Foresight-Instrument wäre nicht neu. Die Technology Review (und später auch die Süddeutsche) haben z.B. erst jüngst die Science-Fiction-Archiv in Wetzlar beschrieben, dass hieraus ein echtes Geschäftsmodell gemacht hat und den Blick in die Kristallkugel der Literatur an Unternehmen verkauft.
Zukunftsliteratur kann also zweifach die Zukunft mitbeeinflussen: als Ideengeber und als kritische Intervention gegenüber unerwünschten Entwicklungstrends. Ganz die Rolle, die das traditionelle Foresight letztlich auch übernimmt. Der Blick in die Zukunft ist kein Selbstzweck, sondern soll Handlungsanregungen für die Gegenwart bieten. Ein schönes und aktuelles Beispiel ist das Futurium der EU-Kommission, in dem aktuell (noch bis Ende November) 11 Zukünfte zur Wahl stehen. Der "hyperconnected human" ist übrigens auch mit dabei. Da schließt sich dann der Kreis zum Circle...
Letztlich reiht sich Eggers Roman aber ein in eine schöne Tradition der Science Fiction Literatur, die soziale Trends der Gegenwart, leicht verfremdet und zugespitzt, in einer nahen Zukunft auf den Punkt bringt. Einige der Technologien des Buchs scheinen auch gar nicht mehr so weit weg zu sein. Vielleicht lesen gerade die Entwickler von Google und Facebook die Technologiephantasien von Eggers mit großem Interesse und lassen sich eher anregen. Die Rolle des Science Fiction als Foresight-Instrument wäre nicht neu. Die Technology Review (und später auch die Süddeutsche) haben z.B. erst jüngst die Science-Fiction-Archiv in Wetzlar beschrieben, dass hieraus ein echtes Geschäftsmodell gemacht hat und den Blick in die Kristallkugel der Literatur an Unternehmen verkauft.
Zukunftsliteratur kann also zweifach die Zukunft mitbeeinflussen: als Ideengeber und als kritische Intervention gegenüber unerwünschten Entwicklungstrends. Ganz die Rolle, die das traditionelle Foresight letztlich auch übernimmt. Der Blick in die Zukunft ist kein Selbstzweck, sondern soll Handlungsanregungen für die Gegenwart bieten. Ein schönes und aktuelles Beispiel ist das Futurium der EU-Kommission, in dem aktuell (noch bis Ende November) 11 Zukünfte zur Wahl stehen. Der "hyperconnected human" ist übrigens auch mit dabei. Da schließt sich dann der Kreis zum Circle...
Donnerstag, 7. November 2013
Hellsehende Roboter
Japanische Forscher haben nach folgender Meldung einen Roboter gebaut, der Menschen immer bei Schere, Stein und Papier schlägt. Das Wunder erklärt sich aus der enorm schnellen Wahrnehmungsfähigkeit des Roboters, der schon erste Muskelbewegungen richtig interpretiert und entsprechend handelt. Er ist uns also immer ein kleines Schrittchen voraus.
Noch schneller könnte ein solcher Roboter nur sein, wenn er unseren Entscheidungsprozess schon beim entstehen beobachten und interpretieren könnte. Tatsächlich haben Wissenschaftler schon seit längerem diejenige Stelle im Gehirn identifiziert und auslesen können, in der eine Entscheidung gespeichert ist, bevor sie in die Tat umgesetzt wird. Wenn jetzt noch der Zeitvorteil genutzt würde, der zwischen dem Treffen der Entscheidung und der Bewusstseinswerdung derselben liegt (dazu der klassische Aufbau im Libet-Experiment), müsste dann der Roboter nicht quasi unsere Handlungen voraussehen und entsprechend reagieren können, bevor wir es selbst merken?
Und wenn unser Roboter dann noch alle verfügbaren Informationen über uns auswerten und uns damit fast besser kennen würde als wir uns selbst (hier der Link zur notwendigen App), wäre das nicht echt unheimlich? Aber eigentlich geht es ja den eingangs erwähnten japanischen Forschern nur darum, schnelle Reaktionen von Maschinen zum Beispiel zur Unfallvermeidung zu demonstrieren und keine Monster zu bauen. Es drohen also keine allwissenden Maschinenzombis, zumindest nicht allzu bald. Halloween war ja auch schon vor einer Woche. Wir haben noch fast ein Jahr Zeit...
Noch schneller könnte ein solcher Roboter nur sein, wenn er unseren Entscheidungsprozess schon beim entstehen beobachten und interpretieren könnte. Tatsächlich haben Wissenschaftler schon seit längerem diejenige Stelle im Gehirn identifiziert und auslesen können, in der eine Entscheidung gespeichert ist, bevor sie in die Tat umgesetzt wird. Wenn jetzt noch der Zeitvorteil genutzt würde, der zwischen dem Treffen der Entscheidung und der Bewusstseinswerdung derselben liegt (dazu der klassische Aufbau im Libet-Experiment), müsste dann der Roboter nicht quasi unsere Handlungen voraussehen und entsprechend reagieren können, bevor wir es selbst merken?
Und wenn unser Roboter dann noch alle verfügbaren Informationen über uns auswerten und uns damit fast besser kennen würde als wir uns selbst (hier der Link zur notwendigen App), wäre das nicht echt unheimlich? Aber eigentlich geht es ja den eingangs erwähnten japanischen Forschern nur darum, schnelle Reaktionen von Maschinen zum Beispiel zur Unfallvermeidung zu demonstrieren und keine Monster zu bauen. Es drohen also keine allwissenden Maschinenzombis, zumindest nicht allzu bald. Halloween war ja auch schon vor einer Woche. Wir haben noch fast ein Jahr Zeit...
Montag, 4. November 2013
Technologie, Produktivität und Arbeitsplätze
Die Bundesagentur für Arbeit hat letzte Woche ein neues Prognoseinstrument vorgestellt, mit der sie die Arbeitsmarktentwicklung der nächsten drei Monate abschätzen möchte. Es handelt sich dabei nicht um elaborierte oder abgedrehte Instrumente wie in der Wahlforschung (siehe auch meinen Blogbeitrag vom 6, September), sondern um eine eher schnöde Befragung der regionalen Agenturleiter. Die aktuelle Voraussage progonstiziert eine "Seitwärtsbewegung", mit anderen Worten, alles bleibt ungefähr so wie heute.
Spannender wäre sicher eine etwas langfristigere Voraussage. Angesichts des demographischen Wandels sprechen einige Forscher von einem drohenden zukünftigen Mangel an Arbeitskräften, dem es jetzt schon vorzubeugen gilt, durch eine forcierte Zuwanderung, durch Qualifizierungsmaßnahmen und durch eine Erschließung der stillen Reserve. Auch eine weitere Steigerung der Produktivität durch weiteren Technologieeinsatz, durch Rationalisierung und Automatisierung könnte uns vor dem wirtschaftlichen Kollaps aufgrund des demographischen Wandels bewahren.
Ganz anders wird zurzeit der Arbeitsmarkteffekt neuer Technologien in den USA diskutiert, die allerdings auch eher aus einer Krisenperspektive auf das Thema schauen. Diverse Wirtschaftswissenschaftler und Journalisten mahnen hier, dass uns die schöne neue Welt der Technologie langfristig alle Arbeit wegnehmen wird. Selbst die Kopfarbeit wird auf lange Sicht von intelligenten Systemen übernommen werden. Die Diskussion in den USA zusammengefasst und aus innovationsökonomischer Sicht äußerst kritisch kommentiert hat erst im September ITIF, ein innovationspolitischer Think-Tank aus Washington, in einem sehr lesenswerten Beitrag.
Die Diskussion kommt langsam auch in Deutschland an, allerdings mit einem deutlich ausgewogeneren Zungenschlag. Vor zwei Wochen erschien ein Buch von Constanze Kurz und Frank Rieger ("Arbeitsfrei"), in dem sie am Beispiele der Wertschöpfungskette vom Korn zum Brötchen die Folgen der Automatisierung der letzten hundert Jahre skizzieren und einen Blick in die Zukunft wagen (Rezensionen finden sich hier und hier). In dieser Zukunft werden noch mehr Menschen und ihre Arbeit durch Maschinen und Computer ersetzt, andere finden aber auch genau dadurch neue Arbeitsplätze.
Ob unterm Strich und auf lange Sicht das Rennen gegen die Maschinen gewonnen werden kann oder nicht, dafür brauchen wir dann vielleicht doch die Glaskugel statt der Kollegen von der Arbeitsagentur.
Spannender wäre sicher eine etwas langfristigere Voraussage. Angesichts des demographischen Wandels sprechen einige Forscher von einem drohenden zukünftigen Mangel an Arbeitskräften, dem es jetzt schon vorzubeugen gilt, durch eine forcierte Zuwanderung, durch Qualifizierungsmaßnahmen und durch eine Erschließung der stillen Reserve. Auch eine weitere Steigerung der Produktivität durch weiteren Technologieeinsatz, durch Rationalisierung und Automatisierung könnte uns vor dem wirtschaftlichen Kollaps aufgrund des demographischen Wandels bewahren.
Ganz anders wird zurzeit der Arbeitsmarkteffekt neuer Technologien in den USA diskutiert, die allerdings auch eher aus einer Krisenperspektive auf das Thema schauen. Diverse Wirtschaftswissenschaftler und Journalisten mahnen hier, dass uns die schöne neue Welt der Technologie langfristig alle Arbeit wegnehmen wird. Selbst die Kopfarbeit wird auf lange Sicht von intelligenten Systemen übernommen werden. Die Diskussion in den USA zusammengefasst und aus innovationsökonomischer Sicht äußerst kritisch kommentiert hat erst im September ITIF, ein innovationspolitischer Think-Tank aus Washington, in einem sehr lesenswerten Beitrag.
Die Diskussion kommt langsam auch in Deutschland an, allerdings mit einem deutlich ausgewogeneren Zungenschlag. Vor zwei Wochen erschien ein Buch von Constanze Kurz und Frank Rieger ("Arbeitsfrei"), in dem sie am Beispiele der Wertschöpfungskette vom Korn zum Brötchen die Folgen der Automatisierung der letzten hundert Jahre skizzieren und einen Blick in die Zukunft wagen (Rezensionen finden sich hier und hier). In dieser Zukunft werden noch mehr Menschen und ihre Arbeit durch Maschinen und Computer ersetzt, andere finden aber auch genau dadurch neue Arbeitsplätze.
Ob unterm Strich und auf lange Sicht das Rennen gegen die Maschinen gewonnen werden kann oder nicht, dafür brauchen wir dann vielleicht doch die Glaskugel statt der Kollegen von der Arbeitsagentur.
Donnerstag, 26. September 2013
flat world, 3dprinting und Internet
2005 veröffentlichte Thomas Friedmann einen Bestseller mit dem Buch "the world is flat", in dem er unter anderem die Auswirkungen neuer Technologien - insbesondere con Computer und Internet - auf die Weltwirtschaft beschrieb und als Treiber der Globalisierung bewertete. Das Konzept einer flachen Welt wurde in den darauffolgenden Jahren durchaus kritisch diskutiert (zum Beispiel hier oder von der OECD in einem Bericht von 2011 zu regionaler Politik hier). Als Zwischenfazit der Diskussion lasst sich festhalten, das die Internet-Revolution tatsächlich "demokratisierend" wirkte, indem sie den Zugang zur Ressource Wissen verbilligte und so für viele Weltregionen auch die Kosten eines aufholenden Wettbewerbs senkte.
Eine Reihe ganz materieller, an Ressourcen, Infrastruktur und Arbeitskosten geknüpfte Faktoren führen aber weiterhin zu einer ungleichen Verteilung von Einfluss und Wirtschaftskraft . Die Welt wird zwischen den Nationalstaaten flacher, innerhalb der Nationalstaaten bleiben die Ungleichgewichte aber bestehen oder werden sogar größer.
Auf der "materiellen" Ebene der Produktion könnte nun eine neue technische Innovation nivellierend wirken: 3D Printing. Ein aktueller Artikel des Economist umreist die potenziell weltverändernde Wirkung des 3D Printing anhand aktueller Beispiele. Viele Unternehmen setzen 3D Printing heute ergänzend zu traditioneller industrieller Fertigung ein. Gleichzeitig nutzen Schwellenländer wie China die Vorteile des 3D Printing in großem Maßstab (der aktuell größte 3D Printer steht heute in China), um Hochtechnologie zum Beispiel im Flugzeugbau preiswert zu fertigen.
Der Artikel des Economist verneint die zunächst postulierte Wirkung von 3D Printing, die Relevanz des Produktionsfaktors Arbeit zu reduzieren und damit zu einer Renaissance der traditonellen Fertigungsstandorte in den westlichen Industrieländern beizutragen. Zumindest Beschäftigungsaufbau in größerem Maßstab sei nicht zu erwarten, da Arbeit hierzulande immer noch vergleichsweise teuer bleibt.
Fertigung wird durch 3D Printing effizienter und kostengünstiger. Wenn die sich Technologie weiter verbreiter, werden viele Regionen potenziell davon profitieren können. Vielleicht wirkt der dann einsetzende nivellierende Trend diesmal zugunsten der alten Industrienationen - vielleicht auch nicht.
Eine Reihe ganz materieller, an Ressourcen, Infrastruktur und Arbeitskosten geknüpfte Faktoren führen aber weiterhin zu einer ungleichen Verteilung von Einfluss und Wirtschaftskraft . Die Welt wird zwischen den Nationalstaaten flacher, innerhalb der Nationalstaaten bleiben die Ungleichgewichte aber bestehen oder werden sogar größer.
Auf der "materiellen" Ebene der Produktion könnte nun eine neue technische Innovation nivellierend wirken: 3D Printing. Ein aktueller Artikel des Economist umreist die potenziell weltverändernde Wirkung des 3D Printing anhand aktueller Beispiele. Viele Unternehmen setzen 3D Printing heute ergänzend zu traditioneller industrieller Fertigung ein. Gleichzeitig nutzen Schwellenländer wie China die Vorteile des 3D Printing in großem Maßstab (der aktuell größte 3D Printer steht heute in China), um Hochtechnologie zum Beispiel im Flugzeugbau preiswert zu fertigen.
Der Artikel des Economist verneint die zunächst postulierte Wirkung von 3D Printing, die Relevanz des Produktionsfaktors Arbeit zu reduzieren und damit zu einer Renaissance der traditonellen Fertigungsstandorte in den westlichen Industrieländern beizutragen. Zumindest Beschäftigungsaufbau in größerem Maßstab sei nicht zu erwarten, da Arbeit hierzulande immer noch vergleichsweise teuer bleibt.
Fertigung wird durch 3D Printing effizienter und kostengünstiger. Wenn die sich Technologie weiter verbreiter, werden viele Regionen potenziell davon profitieren können. Vielleicht wirkt der dann einsetzende nivellierende Trend diesmal zugunsten der alten Industrienationen - vielleicht auch nicht.
Sonntag, 15. September 2013
systems innovation vs. entrepreneurial state
Vor zwei Wochen hat der Economist in seinem Blog Schumpeter über das (bereits vor einiger Zeit verfasste - aber erst jetzt erschienene) Buch "The Entrepreneurial State" von Mariana Mazzucato berichtet. Zentrale These von Frau Mazzucato ist, dass der Staat eine wichtige Rolle im Innovationssystem spielt, weil er langfristige, grundlagenorientierte Forschung finanziert, die privatwirtschaftlichen Unternehmen zu risikohaft ist. Frau Mazzucato würzt ihr Buch mit vielen Beispielen wie GPS, der Google-Suchalgorythmus und Sprachtechnologie, die aufgrund staatlicher Forschung entstanden, und erst sehr viel später in privatwirtschaftlich entwickelten Produkten zu erfolgen wurden.
Vor dem Hintergrund der angelsächsischen Auseinandersetzung um die Rolle des Staates allgemein argumentiert das Buch zurecht zugunsten einer wichtigen Funktion staatlicher Intervention im Innovationssystem. Der liberale Economist lässt es sich nicht nehmen, auch auf die weniger erfolgreichen Episoden staatlichen Interventionismus zu verweisen, zum Beispiel auf die vielen vergeblichen Versuche, ein Silicon Valley von oben aus dem Boden zu stampfen, oder auf das "leuchtende Vorbild" eine intervenierenden Staates wie Japan, dass gerade in den letzten Jahren deutlich entzaubert wurde. Gleichwohl konzediert auch der Economist, dass Frau Mazzucato eine wichtige Rolle des Staates angesprochen hat, die insbesondere vor dem Hintergrund angespannter Staatshaushalte nicht in Vergessenheit geraten darf. Nur staatliche Interventionen garantieren eine langfristige Perspektive, die über kurzfristig Gewinnerwartungen hinausgehen. Schon jetzt ist absehbar, dass der Graben zwischen den reicheren, noch weiter in FuE investierenden und den ärmeren, ihre Innovationsausgaben reduzierenden Staaten breiter wird.
Eine ganz andere Rolle des Staates hat NESTA in einem Diskussionspapier vom Januar 2013 angesprochen, dass mit Systems Innovation betitelt ist. Hier geht es um systemische Veränderungsprozesse, die auch von innovationspolitischen Erfolgen - neuen Produkten und Dienstleistungen - beeinflusst sind. Innovationspolitik ist zunehmend nicht allein von technischen Innovationen, sondern von gesellschaftlichen Herausforderungen getrieben, zu deren Bewältigung FuE-Politik beitragen kann. In Deutschland hat die Hightech-Strategie der Bundesregierung diesen Weg verfolgt. Die sogenannten Zukunftsprojekte der Hightech-Strategie sollen dazu dienen, Innovationsprozesse auf solche Themen zu fokussieren, in denen gesellschaftliche Herausforderungen wie der Klimawandel zu bewältigen sind. Der Staat hat in solchen Vorhaben eine eher vermittelnden, moderierende Funktion in systemischen Veränderungsprozessen. Die OECD untersucht die entsprechenden Herausforderungen und ersten Erfahrungen seit 2012 in einem aktuellen Projekt zu "Systems Innovation". Ein erster Bericht ist für die zweite Hälfte 2014 zu erwarten.
Vor dem Hintergrund der angelsächsischen Auseinandersetzung um die Rolle des Staates allgemein argumentiert das Buch zurecht zugunsten einer wichtigen Funktion staatlicher Intervention im Innovationssystem. Der liberale Economist lässt es sich nicht nehmen, auch auf die weniger erfolgreichen Episoden staatlichen Interventionismus zu verweisen, zum Beispiel auf die vielen vergeblichen Versuche, ein Silicon Valley von oben aus dem Boden zu stampfen, oder auf das "leuchtende Vorbild" eine intervenierenden Staates wie Japan, dass gerade in den letzten Jahren deutlich entzaubert wurde. Gleichwohl konzediert auch der Economist, dass Frau Mazzucato eine wichtige Rolle des Staates angesprochen hat, die insbesondere vor dem Hintergrund angespannter Staatshaushalte nicht in Vergessenheit geraten darf. Nur staatliche Interventionen garantieren eine langfristige Perspektive, die über kurzfristig Gewinnerwartungen hinausgehen. Schon jetzt ist absehbar, dass der Graben zwischen den reicheren, noch weiter in FuE investierenden und den ärmeren, ihre Innovationsausgaben reduzierenden Staaten breiter wird.
Eine ganz andere Rolle des Staates hat NESTA in einem Diskussionspapier vom Januar 2013 angesprochen, dass mit Systems Innovation betitelt ist. Hier geht es um systemische Veränderungsprozesse, die auch von innovationspolitischen Erfolgen - neuen Produkten und Dienstleistungen - beeinflusst sind. Innovationspolitik ist zunehmend nicht allein von technischen Innovationen, sondern von gesellschaftlichen Herausforderungen getrieben, zu deren Bewältigung FuE-Politik beitragen kann. In Deutschland hat die Hightech-Strategie der Bundesregierung diesen Weg verfolgt. Die sogenannten Zukunftsprojekte der Hightech-Strategie sollen dazu dienen, Innovationsprozesse auf solche Themen zu fokussieren, in denen gesellschaftliche Herausforderungen wie der Klimawandel zu bewältigen sind. Der Staat hat in solchen Vorhaben eine eher vermittelnden, moderierende Funktion in systemischen Veränderungsprozessen. Die OECD untersucht die entsprechenden Herausforderungen und ersten Erfahrungen seit 2012 in einem aktuellen Projekt zu "Systems Innovation". Ein erster Bericht ist für die zweite Hälfte 2014 zu erwarten.
Freitag, 6. September 2013
Bundestagswahl und Wahlforschung
Nur noch zwei Woche bis zur Bundestagswahl, da ist die Spannung ob der drohenden Wahlergebnisse für manchen kaum noch auszuhalten. Innovative Ansätze verkürzen uns die Wartezeit und versprechen schon heute die Ergebnisse von Übermorgen. Entweder ganz altmodisch auf Umfragedaten basierend (die aktuellesten aggregierten Daten finden sich zum Beispiel beim Economis oder in der Onlineausgabe der Süddeutschen, interessanterweise für den 5.9. (letzte verfügbare Ergebnisse) mit entscheidend abweichenden Ergebnissen zu einer schwarz-gelben Mehrheit), oder auch mit ganz neuen und abgefahrenden Ansätzen. Ein Artikel der Süddeutschen von Anfang August stellt eine Reihe neuer Prognoseinstrumente vor, zum Beispiel den
Wahl-O-Meter oder auch die Wahlwette. Eine Übersicht übersogenannte Prognosemärkte findet sich bei PollyVote. Auch ein Video der Onlineausgabe der ZEIT stellt neue Progonseinstrumente vor. Neu im Angebot hat die Süddeutsche seit kurzem einen Trendmonitor der Parteien für Sozial Media. Immer wieder spannend sind auch die statistischen Modelle, so z.B. ein neues statistisches Modell von Mark Kayser und Arndt Leininger und ein weiteres Modell von von Thomas Gschwend und Helmut Norpoth. Ein kombiniertes Modell ist PollyVote von der LMU München, welches ganz unterschiedliche Prognoseansätze zu einem gesamtmodell verbindet.
So richtig schlau wird man aus den ganzen Modellen aber auch nicht: Mark Kayser und Arndt Leininger berechnen einen Sieg der aktuellen Koalition mit 47,5%, Thomas Gschwend und Helmut Norpoth berechnen einen schwarz-gelben Sieg mit 49,7%, PollyVote sieht Schwarz-Gelb bei 45,5% und damit auch kanpp in der Mehrheit, bildet aber auch gnz gut die Bandbreite der Einschätzungen der verschiedenen Prognoseansätze ab. Es wird also vermutlich hauchdünn für Schwarz-Gelb, da werden dann auch Überhangmandate etc. eine wichtige Rolle spielen, womit wir mit unserer neugier so weit wie zuvor wären.
Das ZDF bricht mit einer Tradition und veröffentlicht Umfragedaten noch drei Tage vor der Wahl, was aber auf das Wahlverhalten Einfluss haben könnte oder auch nicht. Sind dann damit die oben genannten Prognosen hinfällig, wenn die (öffentliche) Beobachtung das beobachtete Objekt selbst verändert? Oder ist das sowieso alles Kaffesatzleserei? Weiß wenigesten der NSA, was wir wählen? Ich bleibe verwirrt, daher zum Abschluss noch ein Cartoonistischer Kommentar aus dem Spiegel zur Verlässlichkeit von (Wahl-) Statistiken...
Update:
Ein Blogbeitrag von Blick Log wagt heute noch einmal eine aktuelle Prognose und lob dabei Wahlbörsen als aussagekräftigstes Vorhersageinstrument. Interessant auch die früheren Blogartikel von Blick Log zum sogenannten Social Forecasting. Zur Bayernwahl kam allerdings auf ein eher schlechtes Abschneiden der Wahlbörsen
Wahl-O-Meter oder auch die Wahlwette. Eine Übersicht übersogenannte Prognosemärkte findet sich bei PollyVote. Auch ein Video der Onlineausgabe der ZEIT stellt neue Progonseinstrumente vor. Neu im Angebot hat die Süddeutsche seit kurzem einen Trendmonitor der Parteien für Sozial Media. Immer wieder spannend sind auch die statistischen Modelle, so z.B. ein neues statistisches Modell von Mark Kayser und Arndt Leininger und ein weiteres Modell von von Thomas Gschwend und Helmut Norpoth. Ein kombiniertes Modell ist PollyVote von der LMU München, welches ganz unterschiedliche Prognoseansätze zu einem gesamtmodell verbindet.
So richtig schlau wird man aus den ganzen Modellen aber auch nicht: Mark Kayser und Arndt Leininger berechnen einen Sieg der aktuellen Koalition mit 47,5%, Thomas Gschwend und Helmut Norpoth berechnen einen schwarz-gelben Sieg mit 49,7%, PollyVote sieht Schwarz-Gelb bei 45,5% und damit auch kanpp in der Mehrheit, bildet aber auch gnz gut die Bandbreite der Einschätzungen der verschiedenen Prognoseansätze ab. Es wird also vermutlich hauchdünn für Schwarz-Gelb, da werden dann auch Überhangmandate etc. eine wichtige Rolle spielen, womit wir mit unserer neugier so weit wie zuvor wären.
Das ZDF bricht mit einer Tradition und veröffentlicht Umfragedaten noch drei Tage vor der Wahl, was aber auf das Wahlverhalten Einfluss haben könnte oder auch nicht. Sind dann damit die oben genannten Prognosen hinfällig, wenn die (öffentliche) Beobachtung das beobachtete Objekt selbst verändert? Oder ist das sowieso alles Kaffesatzleserei? Weiß wenigesten der NSA, was wir wählen? Ich bleibe verwirrt, daher zum Abschluss noch ein Cartoonistischer Kommentar aus dem Spiegel zur Verlässlichkeit von (Wahl-) Statistiken...
Update:
Ein Blogbeitrag von Blick Log wagt heute noch einmal eine aktuelle Prognose und lob dabei Wahlbörsen als aussagekräftigstes Vorhersageinstrument. Interessant auch die früheren Blogartikel von Blick Log zum sogenannten Social Forecasting. Zur Bayernwahl kam allerdings auf ein eher schlechtes Abschneiden der Wahlbörsen
Donnerstag, 29. August 2013
Singularität
Massive Open Online Courses (MOOCs) sind zurzeit ein herrliches Modethema. Sie werden als gute Ergänzung zum klassischen "analogen" Lehrbetrieb gesehen (zum Beispiel ein Artikel in der ZEIT vom Juni), sie werden als mögliche Bedrohung wahrgnommen (MOOCs bedrohen kleinere US-Unis), oder auch als Geschäftsidee (MOOCs als Gründungsidee für Deutschland). Ganz aktuell wirbt zum beispiel das Hasso-Plattner Institut für sein Online-Angebot (Großer Erfolg des Hasso-Plattner Instituts). Aber eigentlich spielen sie noch keine Rolle.
Grundidee der MOOCs ist es, digitale Medien zu nutzen, um eine möglichst breite Onlinegemeinde an Lerneneden mit seinem Lehrangebot zu beglücken. Damit eröffenn sich ganz neue Gelegenheiten für Lernende, an sehr renomierten Hochschulen Kurse zu besuchen und Abschluss zu machen. Und für die Universitäten gibt es - so die Beführworter - die schöne Hoffnung, viel zusätzliches Geld zu machen.
Irgendjemand muss die ganzen Abschlüsse allerdings auch abnehmen, muss die Klausuren bewerten und die Aufsätze lesen. Mit automatisierten Multiple-Choice Test kommt man da - insbesondere in den Sozial- und Geisteswissenschaften - nicht immer weiter. Bei der sehr großen Zahl an Teilnehmern ist die individuelle Bewertung eine echte Herausforderung. In den USA, dem Mutterland der MOOCs, wird nun die automatische Benotung von Aufsätzen durch ein Computersystem ausprobiert, wie in einem aktuellen Beitrag des Deutschlandfunk beschrieben wird. Dabei ist das Vorgehen zweigleisig. Zum einen benoten sich die Lernenden als "Crowd" gegenseitig, zum anderen bewertet ein Computeralgorythmus und gleicht seine Note mit derjenigen der menschlichen Bewerter ab. Noch ist dieses System relativ "dumm", es lernt aber von der Crowd. Im Artikel wird aber auch gleich deutlich gemacht, dass sich Nutzer und Kommentatoren durchaus die Frage stellen, wie sie das System am besten betrügen können. Je länger der Aufsatz, je mehr Zitate, desto besser werden die Noten...
Lernprozesse im Anwendungsfeld Bildung sind für IKT-basierte Systeme keine Seltenheit mehr. Gerade bei Sprachtechnologie kommen Crowd-basierte Ansätze zu Einsatz, wie zum Beispiel ein Artikel zu Duolingo in BRAND EINS zeigt. Textcorpora wurden in der Sprachtechnologie schon lange genutzt, Systemlernen ebenfalls, wenn z.B. Spracherkennung vom Nutzer trainiert und so die Erkenngenauigkeit verbessert wurde. Auch bei Suchmaschienen spielen "lernende" Systeme eine immer größere Rolle, wenn zum Beispiel Suchallgorythmus unsere Vorlieben kennen lernen (über die Vor- und Nachteile habe ich bereits früher gebloggt).
Interessant wird diese Entwicklung, wenn man die lernenden Systeme weiter denkt und das Konzept der MOOCs und der "automatischen" Benotung auf die Spitze treibt. Irgendwann sind die Systeme so schlau, dass man Menschen (außer als Lernende, als Kursteilnehmer) kaum noch braucht. Wenn Menschen die künstliche Intelligenz nicht mehr betrügen können, dann ist vielleicht der Moment der Singularität gekommen. Das wäre so etwas wie ein umgekehrter Turing-Test. Dazu passt eine Meldung aus Japan, in der ein alternativer Turing Test (der sogenannte Tokyo-Test) KI-Systeme in Aufnahmeprüfungen einer berümten japanischen Universität schicken. Sollten sie diesen bestehen, wären sie wirklich intelligent. Sollten sie diesen Test kontrollieren, wären sie es womöglich auch. oder ist da möglicherweise gar kein Unterschied?
Donnerstag, 22. August 2013
Wissenschaft vs. Politikberatung
Liegt es daran, dass Wahlkampf ist in Deutschland? Die Rolle der Wissenschaft in der Politikberatung ist zumindest wieder in der Diskussion, seit die ZEIT die Rolle der Auftragsforschung thematisiert, als Aufmacher mit einem provokanten Kaninchenpärchen in eindeutiger Pose. Die unterschwellige Botschaft war: die Wissenschaft prostitutiert sich für Politik und Wirtschaft und liefert Gefälligkeitsgutachten.
Nicht nur in Zeiten des Wahlkampfes scheint es tatsächlich für jedes politische Statement ein passendes wissenschaftliches Gutachten (und das entsprechende Gegengutachten zu geben). Die Zeit argumentierte in ihrem Artikel insbesondere strukturell und prangerte Stiftungsprofessuren und ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse an. In einer Replik in der FAZ vom 14.8. argumentierte hingegen Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband, dass das Verhältnis von Grundfinanzierung und Drittmitteln ausbalanciert sei und Stiftungsprofessuren nur einen sehr kleinen Teil der Hochschullandschaft ausmachten.
Von einer anderesn Seite her näherte sich dann die ZEIT in einem Onlineartikel vom 18.8. erneut dem Thema, diesmal mit einem Interview mit dem Armutsforscher Ernst-Ulrich Huster, der von seinen Erfahrungen bei der Erarbeitung von Auftragsstudien für die Politik berichtete. Grundsätzlich verteidigte er die Auftragsforschung, die einen notwendigen Beitrag in der wissenschaftlichen Politikberatung spielt. Er schilderte aber auch, wie durch die Auswahl der richtigen Datenquelle, der passenden Beobachtungszeitraumes oder der geeigneten Interviewpartner Daten und Aussagen generiert werden, die mehr oder weniger die jeweiluige politische Botschaft stützen.
Die Berlin-Branendburgische Akademie der Wissenschaften hatte sich in einem Projekt bereits zwischen 2004 und 2008 ausführlich mit dem Thema und der Problematik der wissenschaftlichen Politikberatung aueinandergesetzt. Ziel des Projektes war es, einen Leitfaden mit Kriterien „guter Politikberatung“ sowie weitergehende konkrete Vorschläge für gesetzliche Regelungen zu erarbeiten.
Letztlich geht es um die Grundlagen einer evidenzbasierten Politikgestaltung, die auf wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen über die Gestaltungsräume und Wirkungen politischen handlens basieren soll. Hierzu gehören Regeln zu einer qualifizierten, möglichst objektiven Politikberatung ebenso wie die Fähigkeit der Politikgestalter, entsprechenden rat zu suchen und zu verwerten. Die EU hatte ein eigenes Forschungsprojekt initiert, um die Politik bei der Nutzung von wissenschaftlichen Egebnissen für die Politikgestaltung mit geeigneten Tools zu unterstützen.
Für die breite Öffentlichkeit bleibt allerdings allzu oft die verwirrende Tatsache, das sich wiedersprechende Aussagen von entsprechenden wissenschaftlichen Gutachten und Studien belegt werden. Nicht weit ist dann zum vermeindlichen Churchill-Zitat von den Statistiken, denen er nur glaube, wenn man sie auch selbst gefälscht habe. Das Zitat ist nicht echt, es belegt eher das Vorurteil gegenüber dem Umgang mit wissenschaftlichen Ergebnissen im politischen Raum als das tatsächliche Handeln. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel...
Nachtrag:
Mittlerweile ist ein interessanter Blogbeitrag erschienen, der sich mit den Wirtschaftswissenschaften und Politikberatung auseinandersetzt. Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise ja ein durchaus naheliegendes Thema. Eine Studie hatte gezeigt, dass Spitzenforschung und Politikberatung in den Wirtschaftswissenschaften in der Regel eher nicht zusammenfallen...
Nicht nur in Zeiten des Wahlkampfes scheint es tatsächlich für jedes politische Statement ein passendes wissenschaftliches Gutachten (und das entsprechende Gegengutachten zu geben). Die Zeit argumentierte in ihrem Artikel insbesondere strukturell und prangerte Stiftungsprofessuren und ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse an. In einer Replik in der FAZ vom 14.8. argumentierte hingegen Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband, dass das Verhältnis von Grundfinanzierung und Drittmitteln ausbalanciert sei und Stiftungsprofessuren nur einen sehr kleinen Teil der Hochschullandschaft ausmachten.
Von einer anderesn Seite her näherte sich dann die ZEIT in einem Onlineartikel vom 18.8. erneut dem Thema, diesmal mit einem Interview mit dem Armutsforscher Ernst-Ulrich Huster, der von seinen Erfahrungen bei der Erarbeitung von Auftragsstudien für die Politik berichtete. Grundsätzlich verteidigte er die Auftragsforschung, die einen notwendigen Beitrag in der wissenschaftlichen Politikberatung spielt. Er schilderte aber auch, wie durch die Auswahl der richtigen Datenquelle, der passenden Beobachtungszeitraumes oder der geeigneten Interviewpartner Daten und Aussagen generiert werden, die mehr oder weniger die jeweiluige politische Botschaft stützen.
Die Berlin-Branendburgische Akademie der Wissenschaften hatte sich in einem Projekt bereits zwischen 2004 und 2008 ausführlich mit dem Thema und der Problematik der wissenschaftlichen Politikberatung aueinandergesetzt. Ziel des Projektes war es, einen Leitfaden mit Kriterien „guter Politikberatung“ sowie weitergehende konkrete Vorschläge für gesetzliche Regelungen zu erarbeiten.
Letztlich geht es um die Grundlagen einer evidenzbasierten Politikgestaltung, die auf wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen über die Gestaltungsräume und Wirkungen politischen handlens basieren soll. Hierzu gehören Regeln zu einer qualifizierten, möglichst objektiven Politikberatung ebenso wie die Fähigkeit der Politikgestalter, entsprechenden rat zu suchen und zu verwerten. Die EU hatte ein eigenes Forschungsprojekt initiert, um die Politik bei der Nutzung von wissenschaftlichen Egebnissen für die Politikgestaltung mit geeigneten Tools zu unterstützen.
Für die breite Öffentlichkeit bleibt allerdings allzu oft die verwirrende Tatsache, das sich wiedersprechende Aussagen von entsprechenden wissenschaftlichen Gutachten und Studien belegt werden. Nicht weit ist dann zum vermeindlichen Churchill-Zitat von den Statistiken, denen er nur glaube, wenn man sie auch selbst gefälscht habe. Das Zitat ist nicht echt, es belegt eher das Vorurteil gegenüber dem Umgang mit wissenschaftlichen Ergebnissen im politischen Raum als das tatsächliche Handeln. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel...
Nachtrag:
Mittlerweile ist ein interessanter Blogbeitrag erschienen, der sich mit den Wirtschaftswissenschaften und Politikberatung auseinandersetzt. Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise ja ein durchaus naheliegendes Thema. Eine Studie hatte gezeigt, dass Spitzenforschung und Politikberatung in den Wirtschaftswissenschaften in der Regel eher nicht zusammenfallen...
Dienstag, 6. August 2013
Frankenburger und soylent green
Gestern erschienen die ersten Meldungen über künstliches Fleisch, das - aus Muskelzellen auf der Petrischale gewachsen - als Burger in London der staunenden Öffentlichkeit präsentiert wurde. Das Medienecho war eher geteilt, britische Medien sprachen unter anderem vom Frankenburger. Teil der Meldung - vielleicht sogar der Anlass für das große Medieninteresse - war die Mitfinanzierung des Projekts durch Google-Gründer Sergey Brin, sozusagen der Brückenheilige der Innovation.
Ernährung ist ja ein durchaus interessantes Feld der Innovation mit weitreichenden Folgen. Napoleon lobte einstmals einen Preis für neue Konservierungsmethoden aus und belegte damit die Wichtigkeit des Themas für die Kriegsführung. Natürlich spielten Ernährungsfragen auch immer schon für die Gesundheitsfürsorge eine zentrale Rolle - heute sucht die Lebensmittelindustrie diese "natürliche" Funktion mit functional food weiter zu bedienen. Ohne Kühlschrank und Kühlkette wäre der Welthandel mit Lebensmitteln in der heutigen Form nicht denkbar.
Insgesamt sind echte Nahrungsmittelinnovationen aber eher selten, eigentlich essen wir doch weitgehend das selbe wie unsere Großeltern. Der Anteil der Innovationsausgaben am Branchenumsatz betrug in der Lebensmittelindustrie zuletzt nur magere 1,4%. Vielleicht hatte die Molekularküche ja nur aus Mangel an echten Innovationen so einen durchschlagenden Erfolg - wenn auch nicht in jedermanns Küche (zu umständlich und Geräte-intensiv), aber doch in der Gourmetliteratur.
Auch andere Lebensmittelforschung auf der Suche nach dem Ersatz für das blutige Steak adaptiert eher Essgewohnheiten, die andernorts nicht neu sind. Insekten als Eiweißlieferanten sind uns Mitteleuropäern weiterhin fremd, in Afrika und Asien aber keineswegs exotisch. Aber auch bei dieser Innovation liegt der Teufel scheinbar im Detail....
Auf jeden Fall sind Ernährungsinnovationen mit viel Emotionen belegt, wie das Essen ja insgesamt. Künstliche Lebensmittel wie die sprichwörtliche Astronautenkost standen einmal für die Zukunft schlechthin, künstliche Aromastoffe hingegen sind heute eher der Beweiß, dass nichts mehr so ist wie in der guten alten Zeit. Eine ganze Bio-Branche lebt davon, sich von der Alltagslebensmittelerzeugung abzusetzen.
Angesichts des eingangs geschilderten künstlichen Fleisches fragte der Guardian gleich, in welchem Land den eigentlich am meisten Fleisch gegessen wird. Deutschland zieht da gleichauf mit Großbritannien. Den Fleischkonsum hinterfragte jüngst. auch der Fleischatlas der Böll-Stiftung. Den Wahlkampf bereicherte Renate Kühnast gestern in der Bildzeitung mit der Forderung nach einem Veggy-Day. Da stellt sich schon die Frage, ob Vegetarier das künstliche Fleisch essen dürfen oder nicht - Tiere sterben deshalb auf jeden Fall nicht.
Dazu muss der Frankenburger aber erst einmal massenmarkttauglich sein, und das scheint noch etwas zu dauern. Ich muss bei dem Frankenburger dann doch an einen Klassiker der Filmgeschichte denken, nämlich an soylent green ...
Ernährung ist ja ein durchaus interessantes Feld der Innovation mit weitreichenden Folgen. Napoleon lobte einstmals einen Preis für neue Konservierungsmethoden aus und belegte damit die Wichtigkeit des Themas für die Kriegsführung. Natürlich spielten Ernährungsfragen auch immer schon für die Gesundheitsfürsorge eine zentrale Rolle - heute sucht die Lebensmittelindustrie diese "natürliche" Funktion mit functional food weiter zu bedienen. Ohne Kühlschrank und Kühlkette wäre der Welthandel mit Lebensmitteln in der heutigen Form nicht denkbar.
Insgesamt sind echte Nahrungsmittelinnovationen aber eher selten, eigentlich essen wir doch weitgehend das selbe wie unsere Großeltern. Der Anteil der Innovationsausgaben am Branchenumsatz betrug in der Lebensmittelindustrie zuletzt nur magere 1,4%. Vielleicht hatte die Molekularküche ja nur aus Mangel an echten Innovationen so einen durchschlagenden Erfolg - wenn auch nicht in jedermanns Küche (zu umständlich und Geräte-intensiv), aber doch in der Gourmetliteratur.
Auch andere Lebensmittelforschung auf der Suche nach dem Ersatz für das blutige Steak adaptiert eher Essgewohnheiten, die andernorts nicht neu sind. Insekten als Eiweißlieferanten sind uns Mitteleuropäern weiterhin fremd, in Afrika und Asien aber keineswegs exotisch. Aber auch bei dieser Innovation liegt der Teufel scheinbar im Detail....
Auf jeden Fall sind Ernährungsinnovationen mit viel Emotionen belegt, wie das Essen ja insgesamt. Künstliche Lebensmittel wie die sprichwörtliche Astronautenkost standen einmal für die Zukunft schlechthin, künstliche Aromastoffe hingegen sind heute eher der Beweiß, dass nichts mehr so ist wie in der guten alten Zeit. Eine ganze Bio-Branche lebt davon, sich von der Alltagslebensmittelerzeugung abzusetzen.
Angesichts des eingangs geschilderten künstlichen Fleisches fragte der Guardian gleich, in welchem Land den eigentlich am meisten Fleisch gegessen wird. Deutschland zieht da gleichauf mit Großbritannien. Den Fleischkonsum hinterfragte jüngst. auch der Fleischatlas der Böll-Stiftung. Den Wahlkampf bereicherte Renate Kühnast gestern in der Bildzeitung mit der Forderung nach einem Veggy-Day. Da stellt sich schon die Frage, ob Vegetarier das künstliche Fleisch essen dürfen oder nicht - Tiere sterben deshalb auf jeden Fall nicht.
Dazu muss der Frankenburger aber erst einmal massenmarkttauglich sein, und das scheint noch etwas zu dauern. Ich muss bei dem Frankenburger dann doch an einen Klassiker der Filmgeschichte denken, nämlich an soylent green ...
Montag, 8. Juli 2013
Kreative künstliche Intelligenz
Maschinen können immer mehr, erst ersetzten sie unsere Muskelkraft, dann nahmen sie uns stupide Rechenaufgaben ab, und bald werden sie die anspruchsvollen Dienstleistungsjobs unserer postindustriellen Gesellschaft übernehmen. So zumindest behauptet es Erik Brynjolfsson, wie ich schon in früheren Blogbeiträgen berichtet hatte. Computer spielen mittlerweile auch besser Schach und Rateshows, sind aber bei manchen Aufgaben, die echtes Verstehen notwendig machen, immer noch etwas unbeholfen. Die Sprachtechnologie zum Beispiel machte in den letzten Jahren schöne Fortschritte, immer noch ist es aber lustig, sich in mehreren Schleifen Texte automatisch übersetzen und rückübersetzen zu lassen. Die letzten Bastionen des menschlichen Geistes geraten aber zunehmend unter Druck.
Kunst und Kreativität sind solche Rückzugsgebiete der menschlichen Einzigartigkeit. Das Beispiel der Affen, die bei unendlicher Zeit auch einen Shakespeares-Text schreiben könnten (das sogenannte Infinite-Monkey Theorem) soll gerade zeigen, dass zwar zufällig Kopien von Kunst entstehen können, aber keine "echte Kunst. Der Deutschlandfunk hat zuletzt in einer Sendung zu kreativen Computern schöne Beispiele angeführt, die einen zumindest zweifeln lassen. DRadio Wissen hatte sich schon vor zwei Jahren mit dem Thema beschäftigt. Schon jetzt machen Computer ja Zeitungen (zumindest die Sportberichterstattung), werden wir bald also nicht mehr wissen, welchen Ursprungs die künstlerischen Schöpfungen in den Museen, Bühnen und Unterhaltungsmedien sind? Solange wir es nicht wahrnehmen, sollten wir dann von künstlicher kreativer Intelligenz ausgehen? Alan Turing hatte einen Test beschrieben, um künstliche Intelligenz zu identifizieren (eine schöne Diskussion hierzu findet sich hier). Vielleicht brauchen wir auch einen Turing-Kreativ-Test...
Kunst und Kreativität sind solche Rückzugsgebiete der menschlichen Einzigartigkeit. Das Beispiel der Affen, die bei unendlicher Zeit auch einen Shakespeares-Text schreiben könnten (das sogenannte Infinite-Monkey Theorem) soll gerade zeigen, dass zwar zufällig Kopien von Kunst entstehen können, aber keine "echte Kunst. Der Deutschlandfunk hat zuletzt in einer Sendung zu kreativen Computern schöne Beispiele angeführt, die einen zumindest zweifeln lassen. DRadio Wissen hatte sich schon vor zwei Jahren mit dem Thema beschäftigt. Schon jetzt machen Computer ja Zeitungen (zumindest die Sportberichterstattung), werden wir bald also nicht mehr wissen, welchen Ursprungs die künstlerischen Schöpfungen in den Museen, Bühnen und Unterhaltungsmedien sind? Solange wir es nicht wahrnehmen, sollten wir dann von künstlicher kreativer Intelligenz ausgehen? Alan Turing hatte einen Test beschrieben, um künstliche Intelligenz zu identifizieren (eine schöne Diskussion hierzu findet sich hier). Vielleicht brauchen wir auch einen Turing-Kreativ-Test...
Donnerstag, 20. Juni 2013
disruptive technologies
Zu disruptiven Technologien hat McKinsey im Mai eine neue Studie vorgestellt. 10 Technologien werden vorgestellt, die auf kurz oder lang zu ökonomischen Umbrüchen führen könnten. Vom mobilen Internet und dem sogenannten Internet der Dinge bis zum autonomen Fahren, 3D Printing und Erneuerbaren Energien ist so ziemlich alles aufgeführt, was heute schon (fast) auf dem Markt erhältlich und heiß diskutiert wird. Echte Überraschungen sind also kaum zu erwarten, gleichwohl beeindrucken die Zahlen, mit denen McKinsey die wirtschaftlichen Effekte dieser technologien und damit ihren disruptiven Chakter unterstreicht. Das Konzept der disruptiven Technologien wurde vor allem durch die Publikationen von Clayton Christensen bekannt, in Deutschland hat sich jüngst der BDI dieser Terminologie bedient, um in seiner Studie Deutschland 2030 - Zukunftsperspektiven der Wertschöpfung Anfang 2012 technologiepolitische Strategien zu skizzieren.
Die McKinsey-Studie wiederum wurde vom Economist in seiner Schumpeter-Kolumne aufgegriffen, um einen der betrachteten Technologietrends etwas gegen den Strich zu bürsten. Für die Automatisierung der Wissensarbeit sieht McKinsey mit den größten wirtschaftlichen Effekt, da bis 2025 bis zu 140 Millionen Arbeitsplätze durch intelligente IKT ersetzt werden könnten. Die Rationalisierungsprozesse der Industrie würden sich damit auf die Wissensarbeit ausbreiten, mit ungeahnten Folgen. Während McKinsey vor allem die positiven Effekte (neue, preiswerte Wissensdienstleistungen, aufqualifizierung der verbleibenden und neu geschaffenen Arbeitsplätze) herausstellt, verweist der Economist zurecht auf die zunächst dramatischen Folgen und nimmt besonders bezug auf die Veröffentlichung von Erik Brynjolfsson and Andrew McAfee (Race Against the Machine, 2011). Den beiden Autoren geht es um ein Rennen, das die Menschheit gegen immer schlauere Maschinen antritt, und das wir - wenn wir uns nicht aufqualifizieren - möglicherweise auch verlieren könnten. Was natürlich nur übetragen gemeint ist ...
Die McKinsey-Studie wiederum wurde vom Economist in seiner Schumpeter-Kolumne aufgegriffen, um einen der betrachteten Technologietrends etwas gegen den Strich zu bürsten. Für die Automatisierung der Wissensarbeit sieht McKinsey mit den größten wirtschaftlichen Effekt, da bis 2025 bis zu 140 Millionen Arbeitsplätze durch intelligente IKT ersetzt werden könnten. Die Rationalisierungsprozesse der Industrie würden sich damit auf die Wissensarbeit ausbreiten, mit ungeahnten Folgen. Während McKinsey vor allem die positiven Effekte (neue, preiswerte Wissensdienstleistungen, aufqualifizierung der verbleibenden und neu geschaffenen Arbeitsplätze) herausstellt, verweist der Economist zurecht auf die zunächst dramatischen Folgen und nimmt besonders bezug auf die Veröffentlichung von Erik Brynjolfsson and Andrew McAfee (Race Against the Machine, 2011). Den beiden Autoren geht es um ein Rennen, das die Menschheit gegen immer schlauere Maschinen antritt, und das wir - wenn wir uns nicht aufqualifizieren - möglicherweise auch verlieren könnten. Was natürlich nur übetragen gemeint ist ...
Mittwoch, 19. Juni 2013
Digital Divide per Suchalgorythmus
Der Tagesspiegel hat in seiner Printausgabe vom 15.6.2013 einen interessanten Artikel zu neuen Ansätzen der Preisgestaltung im Internet berichtet. Basierend auf der Auswertung von Userprofilen, Suchverhalten und darauf aufbauend soziodemographische Schlussfolgerungen, prüfen Onlinehändler angeblich die Einführung individueller Preise. Wer wohlhabend ist, bekommt andere Produkte und Preise angezeigt als vermeindlich ärmere Kunden.
Andere Artikel, z.B. bei heise oder bei businessweek, gehen diesem Phänomen unter der Bezeichung Weblining nach. Die Praxis, in den USA der 30er Jahre als Redlining für die Benachteiligung für Bewohner aus sozal schwächeren bezirken beschrieben, ist zwar nicht neu, mithilfe der umfangreichen sozioökonomischen und persönlichen Daten aus sozialen Netzwerken und Suchhistorien aber mit ganz neuen Konsequenzen zu nutzen. Digitale Spaltung würde dann heißen, dass die existierenedn sozialen Grenzen und Benachteiligungen auf das Netz übetrtagen und weiter verstärkt würden.
Auch Suchergebnisse hängen schon heute von der Suchhistorie ab. Je nachdem, was mich bislang interessierte, wird mir auch die neue Auswahl an Fundstellen vorkonfiguriert. Damit erhöht sich zwar die Chance, dass meine "Suchanfrage" vor dem Hintegrund meiner bnsherigen Suchhistorien besser gedeutet wird und die Ergebnisse häufig präziser sind, gleichzeitig werden so aber auch Pfadabhängigkeiten geschaffen und Tunnelblicke erzeugt.
Noch kann man die personalisierte Suche ausschalten. Ob das auch für die "personalisierte" Onlinepreisbildung gilt?
P.S. Anlässlich der aktuellen Diskussion um staatliches Ausspionieren (PRISM und ähnliches) gibt es natürlich manigfache Querbezüge. Die Technik des Datenzugangs mag unterschiedlich sein, die Herausforderung bei der Datenanalyse - die Erstellung des Nutzerprofils und die Voraussage seines weiteren handelns - sind vergleichbar.
P.P.S. Im Zusammenhang mit den Pfadabhängigkeiten von Suchanfragen sollte der Hinweis auf Eli Pariser und seine "filter bubbles" nicht fehlen, die er im TED TALK und auf einer eigenen Webseite zu seinem Buch anschaulich dargestellt hat. Lesenswert auch ein Interview mit ihm in der Süddeutschen.
Andere Artikel, z.B. bei heise oder bei businessweek, gehen diesem Phänomen unter der Bezeichung Weblining nach. Die Praxis, in den USA der 30er Jahre als Redlining für die Benachteiligung für Bewohner aus sozal schwächeren bezirken beschrieben, ist zwar nicht neu, mithilfe der umfangreichen sozioökonomischen und persönlichen Daten aus sozialen Netzwerken und Suchhistorien aber mit ganz neuen Konsequenzen zu nutzen. Digitale Spaltung würde dann heißen, dass die existierenedn sozialen Grenzen und Benachteiligungen auf das Netz übetrtagen und weiter verstärkt würden.
Auch Suchergebnisse hängen schon heute von der Suchhistorie ab. Je nachdem, was mich bislang interessierte, wird mir auch die neue Auswahl an Fundstellen vorkonfiguriert. Damit erhöht sich zwar die Chance, dass meine "Suchanfrage" vor dem Hintegrund meiner bnsherigen Suchhistorien besser gedeutet wird und die Ergebnisse häufig präziser sind, gleichzeitig werden so aber auch Pfadabhängigkeiten geschaffen und Tunnelblicke erzeugt.
Noch kann man die personalisierte Suche ausschalten. Ob das auch für die "personalisierte" Onlinepreisbildung gilt?
P.S. Anlässlich der aktuellen Diskussion um staatliches Ausspionieren (PRISM und ähnliches) gibt es natürlich manigfache Querbezüge. Die Technik des Datenzugangs mag unterschiedlich sein, die Herausforderung bei der Datenanalyse - die Erstellung des Nutzerprofils und die Voraussage seines weiteren handelns - sind vergleichbar.
P.P.S. Im Zusammenhang mit den Pfadabhängigkeiten von Suchanfragen sollte der Hinweis auf Eli Pariser und seine "filter bubbles" nicht fehlen, die er im TED TALK und auf einer eigenen Webseite zu seinem Buch anschaulich dargestellt hat. Lesenswert auch ein Interview mit ihm in der Süddeutschen.
Samstag, 15. Juni 2013
Quantify yourself und tierische Innovationen
Quantify Yourself - das messen aller verfügbaren Bewegungs- und Körperparameter - ist angeblich eine echte Szenebewegung, die notwendige Tools und Gadgets sind via Smartphone heute für jeden erschwinglich zu haben. Neueren Datums, zumindest in der Medienberichterstattung, ist die quantitative Erfassung unserer Liebsten, ob Katz oder Hund. Bei Übermorgen gibt es hierzu nun einen schönen Artikel, der die entsprechende App (und das zugehörige Halsband) kurz vorstellt. Die Leserbriefe verweisen dann unter andere auf einen Artikel der BBC zum Tracking von Katzen. Das ist eigentlich nichts anderes als die Wildtierforschung, die ausgewilderten Luchsen oder Wölfen entsprechende Halsbänder umhängt. Nur das die preiswerte Verfügbarkeit nun jedermann zum (Haus-) Tierforscher werden lässt.
Welch perverse Formen Citizen Science mit Tierenallerdings auch annehmen kann, zeigt ein anderer aktueller Artikel von Neuerdings. Hier werden Küchenschaben per eingepflanzter Hardware zu Cyborgs gemacht, zumindest verspricht das ein Kickstarter-Crowdfunding-Projekt. Das hier mit zweifelhaftem wissenschaftlichem Nutzen ethische Grenzen überschritten werden, macht der Artikel nur allzu deutlich. Und weist zurecht darauf hin, das auch hier tierschutzrechtliche Vorgaben greifen, die Tierversuche regeln (und manchmal auch verbieten!).
Wo Frankenstein bei der Haustieroptimierung grüßen lässt, halten wir uns doch lieben an die virtuelle Realität und schauen Frankenweenie.
Welch perverse Formen Citizen Science mit Tierenallerdings auch annehmen kann, zeigt ein anderer aktueller Artikel von Neuerdings. Hier werden Küchenschaben per eingepflanzter Hardware zu Cyborgs gemacht, zumindest verspricht das ein Kickstarter-Crowdfunding-Projekt. Das hier mit zweifelhaftem wissenschaftlichem Nutzen ethische Grenzen überschritten werden, macht der Artikel nur allzu deutlich. Und weist zurecht darauf hin, das auch hier tierschutzrechtliche Vorgaben greifen, die Tierversuche regeln (und manchmal auch verbieten!).
Wo Frankenstein bei der Haustieroptimierung grüßen lässt, halten wir uns doch lieben an die virtuelle Realität und schauen Frankenweenie.
Sonntag, 2. Juni 2013
Globalisierung und Innovation
Diese Woche besuchte der chinesische Ministerpräsidente Li Keqiang Deutschland . Zeitgleich intensivierte sich auf der Streit um Strafzölle auf Solarmodule aus China, da die EU-Kommission eine entsprechende Empfehlung formuliert hat. Die Fronten zu diesem Streit verlaufen quer durch die Branche. Während der deutsche Hersteller Solarworld das Antidumpingverfahren angestoßen hatte, sprechen sich andere Branchenvertreter auch aus Deutschland gegen Strafzölle aus, nicht zuletzt, weil sie mit Vorprodukten und Maschinen weiterhin gut in China verdienen. Europaweit haben sich diese Vertreter zum AFASE (Allianz für Bezahlbare Solarenergie) zusammengeschlossen und argumentieren, dass Strafzölle europaweit über 240.000 Arbeitsplätze gefährden könnten. Dabei rekurrieren sie explizit auf eine globale Arbeitsteilung, nach der Vorprodukte und Maschinen aus Europa kommen, andernorts zu Solarmodulen werden und dann in Europa wieder zu Anlagen auf den Dächern montiert werden.
Die Diskussion zeigt die Komplexität globaler Wertschöpfungsketten und Abhängigkeiten gut auf. Wo wird die Wertschöpfung eigentlich realisiert, welchen Anteil haben Vorprodukte, Maschinen und Installation? Einige Kommentatoren (hier zum Beispiel die FAZ) kommen zum Schluss, dass auch für den deutschen Arbeitsmarkt preiswerte - auch chinesische - Module wertvoller als die noch in Deutschland angesiedelten Produktionsstätten für Module selbst sind.
Diese Diskussion ist typisch für die globalen Wertschöpfungsketten, in die gerade exportorientierte Länder wie Deutschland besonders stark integriert sind. Und der Vernetzungsaspekt ist auch das Charakteristikum und der Treiber selbst der Globalisierung, nicht mehr vorrangig die preiswerten Transportkosten (siehe auch diesen Blogbeitrag hierzu). Zur Geschichte der Globalisierung hat übrigens die OECD gerade einen schönen Reader zusammengestellt, der die Phasen anhand vieler Beispiele sehr übersichtlich herausarbeitet. Und zum Thema Global Value Chains hat sie auch ein aktuelle Studie fertiggestellt.
Politik mit Schwerpunkt auf gesellschaftlichen Herausforderungen macht das ganze noch komplexer, weil sie ggf. auf konfligierende Prioritäten setzt. China muss schnell erneuerbare Energien marktfähig machen und ist dabei auf sinkende Preise angewiesen. Ein Handelsblattartikel führt dies beispielhaft aus. Auch Indien braucht z.B. billige Module für Umstieg auf erneuerbare Energien und nutzt die aktuellen Tiefstpreise (siehe zum Beispiel den Hinweis hier). Auch deshalb nennt sich der Verband AFASE trickreich nicht Verband der Vorproduktehersteller für Solarenergie, sondern Allianz für Bezahlbare Solarenergie...
Die Diskussion zeigt die Komplexität globaler Wertschöpfungsketten und Abhängigkeiten gut auf. Wo wird die Wertschöpfung eigentlich realisiert, welchen Anteil haben Vorprodukte, Maschinen und Installation? Einige Kommentatoren (hier zum Beispiel die FAZ) kommen zum Schluss, dass auch für den deutschen Arbeitsmarkt preiswerte - auch chinesische - Module wertvoller als die noch in Deutschland angesiedelten Produktionsstätten für Module selbst sind.
Diese Diskussion ist typisch für die globalen Wertschöpfungsketten, in die gerade exportorientierte Länder wie Deutschland besonders stark integriert sind. Und der Vernetzungsaspekt ist auch das Charakteristikum und der Treiber selbst der Globalisierung, nicht mehr vorrangig die preiswerten Transportkosten (siehe auch diesen Blogbeitrag hierzu). Zur Geschichte der Globalisierung hat übrigens die OECD gerade einen schönen Reader zusammengestellt, der die Phasen anhand vieler Beispiele sehr übersichtlich herausarbeitet. Und zum Thema Global Value Chains hat sie auch ein aktuelle Studie fertiggestellt.
Politik mit Schwerpunkt auf gesellschaftlichen Herausforderungen macht das ganze noch komplexer, weil sie ggf. auf konfligierende Prioritäten setzt. China muss schnell erneuerbare Energien marktfähig machen und ist dabei auf sinkende Preise angewiesen. Ein Handelsblattartikel führt dies beispielhaft aus. Auch Indien braucht z.B. billige Module für Umstieg auf erneuerbare Energien und nutzt die aktuellen Tiefstpreise (siehe zum Beispiel den Hinweis hier). Auch deshalb nennt sich der Verband AFASE trickreich nicht Verband der Vorproduktehersteller für Solarenergie, sondern Allianz für Bezahlbare Solarenergie...
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