Freitag, 22. Mai 2015
Internationale Startups
Praktisch zeitgleich nominiert der German Silicon Valley Accelerator 18 neue Preisträger für einen Trip in die USA. Frankreich importiert die Gründer, und Deutschland exportiert sie, fast wie auch sonst im Außenhandel? Wir haben die guten die Ideen, aber schlechte Rahmenbedingungen, während die Franzosen besser sind bei der Gründungsunterstützung, aber ohne ausreichend gute heimische Gründer?
Das stimmt zwar bis zu einem gewissen Grad: Berlin ist Top Zwei der besten Startup-Standorte in Europa, aber der französische VC-Markt ist insgesamt deutlich besser dotiert. Doch so unterschiedlich sind die Strategien im Detail dann auch nicht.
Gerade die Gründer-Boomtown Berlin setzt stark auf eine internationale Vernetzung und auf Attraktivität für ausländische Gründer. Jüngst wurde eine Initiative lanciert, eine Partnerschaft zwischen Tel Aviv und Berlin aufzubauen. Und heute habe ich die Pressemeldung von BerlinPartner gelesen, dass Smart City Startups nach Berlin geholt werden sollen. Sechs Startups aus Israel und den USA erhalten eine zumindest kostenlose Ausstellungsfläche auf der Messe "Metropolitan Solutions Exhibition & Conference" sowie ein organisiertes Match-Making. Das sind keine 12.000€, aber auch hierzulande wäre man über die international besten Ideen und kreativsten Köpfe froh.
Freitag, 8. Mai 2015
Gründerszene
Donnerstag war ich zum ersten Mal auf dem Kongress Junge IKT in Berlin, für den Kollegen von mir verantwortlich zeichnen. Meine Eindrücke: quirlige Atmosphäre, ein breites Spektrum an Unternehmen von sozial Entrepreneurs oder digitalen Marktplätzen bis hin zu echten Hardware-Techies. Und auch ein paar wirklich interessante Vorträge und Podiumsdiskussionen.
Die Keynote hielt Frank Riemensperger von Accentures, einer großen, auf Technologien spezialisierten Unternehmensberatung. Spannend fand ich seine Ausführungen, wie seine Firma als "Trüffelschwein" nach interessanten Startups sucht und dann großen Unternehmen als Kooperationspartner vermittelt, um deren inkrementelle Innovationskultur auf Trab zu bringen. Bei Accentures nennt sich das dann open Innovation (siehe die Eigendarstellung hier).
Es ist ja eine verbreitete These (und auch schon mal Thema meines Blogs hier gewesen), dass die dicken Tanker der Old Economy den Kontakt zu den jungen, kreativen Gründern brauchen, um sich selbst zu erneuern, und hierfür vermehrt corporate venture nutzen. Sogar die entstehenden Dicktanker der new economy haben Panik, in Routinen zu erstarren und nicht mehr agil genug für den ständigen Wandel zu sein und mühen sich um neue Startups (siehe diesen aktuellen Artikel über Zalando hier).
Interessant dabei die These von Herrn Riemensperger, dass große Familienunternehmen (sein Beispiel: die Firma Otto) mit langfristigen Orientierungen da schneller sind als die Unternehmen mit angestellter Geschäftsführung und sehr kurzen strategischen Horizonten. Vielleicht ist das ja auch ein Erklärungsansatz dafür, dass die deutsche Unternehmenslandschaft in den zurückliegenden jahren weniger Umbrüche erfahren hat als z.B. die durch einen schnellen Unternehmensumsatz gekennzeichnete amerikanische. Und vielleicht ist dann die geringe Quote an schnell wachsenden Startups eher ein Beispiel für erfolgreiches Anpassen der etablierten Unternehmen, die jetzt auch gezielt den Startup-Hype für ihre Überlebensstrategie nutzen...
Als großen Treiber für diese notwendige und durch entsprechende Mittler wie Accentures vielleicht auch beschleunigte Umorientierung machte Herr Riemensperger übrigens die vielbeschworene digitale Revolution aus. Dazu passt sicher, dass Accentures gerade eine Studie veröffentlicht hat, in der viele beschäftigte ihr eigenes Unternehmen als nicht schnell genug bei der digitalen Strategiebildung bewerten.
Und am Nachmittag gab es auf dem Kongress noch eine Diskussion um Inkubatoren und Akzeleratoren, auf der unter anderem die These geäußert wurde, dass diese Aktivitäten doch sowieso eher Feigenblätter seien als echte Faktoren der Veränderung in den großen Unternehmen. Der Vertreter der Akzeleratoren hielt dagegen, dass die kulturelle Wirkung nach innen wesentlich sei, quasi ein Bildungsauftrag der Akzeleratoren-Einheit.
Ein weiteres Thema betraf Frauen und Crowdfunding. Die These hier war, dass weibliche Gründerinnen mit dem Finanzierungsinstrument besser umgehen müssten, weil ihnen die soziale Ansprache als Erfolfsfaktor der Crowdfinanzierung eher liegen sollte. Zahlen dazu wären sicher interessant, ob der Frauenanteil zum Beispiel höher ist als bei anderen Finanzierungsformen, ich kenne dazu aber bislang keine Quelle.
Freitag, 1. Mai 2015
Tag der Arbeit
Ein zentrales Thema ist nicht nur heute der drohende Verlust der Arbeit, der aufgrund der Digitalisierung und Verroboterung droht. Zum Beispiel die Süddeutsche gestern einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, mit dem Verweis auf ein noch unveröffentlichtes Papier eines Harvard (!) -Professors. Die Argumente sind nicht neu, darum aber auch nicht unbedingt falsch. Sowohl die Spitzenjobs (Anwalt?) als auch die einfachen Routinejobs sind von intelligenten Maschinen bedroht. Der Artikel reiht sich in eine Fülle ähnlicher Artikeln zum Thema ein (z. B. zuletzt dieser), die sich auch ganz konkret fragen, wie sich unser aller Arbeit verändern wird.
Außerdem empfehle ich den ebenso wunderbaren Hörfunkbeitrag von Hartmut Rosa (wir haben vor 20 Jahren einmal zusammen in Braunschweig Tennis gespielt, aber daran wird er sich nicht erinnern) zur Beschleunigung unser aller Leben. Rosa sagt, Beschleunigung ist dem Kapitalismus inhärent, ohne Wachstum, beständige Innovation und Beschleunigung kommt er nicht aus.Und auch unsere Arbeitswelt beschleunigt sich ständig und überfordert uns alle. Die Aussage, im Moment sei alles ein wenig zu viel, aber das liege nur an x oder y, die höre er dauernd, das sei aber eine Selbsttäuschung und es würde nicht mehr besser. Ja, das (die Klagen und die Beobachtung, dass es nicht wirklich besser wird) kann ich für mein Arbeitsumfeld bestätigen. Die Sendung schließt übrigens mit einem Interview mit zwei Studiogästen, einem deutlich von den Fragen überfordertem Abgeordneten und einem Sozialwissenschaftler. Auf die für mich nahe liegende Frage, was kommt eigentlich, wenn wir alle am Limit angelangt sind bei aller Beschleunigung,und der Kapitalismus trotzdem mehr verlangt, wird nicht eingegangen.
Für mich schließt sich da der Kreis zur Vision der Maschinenwelt. Wenn der Mensch an seine Grenzen kommt, dann gibt es immer noch den digitalen Plan B. Kollege Roboter kann das sicher noch schneller und effizienter. Lieber Hartmut, bau das doch auch in Deine Theorie noch ein.
Schönen ersten Mai!
Mittwoch, 29. April 2015
smart city und grüne Zukunft der Stadt
Am 15. April bereits hatte das BMBF die 52 Sieger im Bundeswettbewerb Zukunftsstadt gekürt, die jetzt zunächst in Bürgerdialogen über die zukünftige Entwicklung ihrer Stadt beraten sollen. Auf seiner Website schreibt das BMBF hierzu, dass die Visionen über drei Phasen hinweg am Ende, ab dem Jahr 2018, in Reallaboren umgesetzt und dem Praxistext unterzogen werden sollen.
Das bei aller Dynamik im Thema Zukunftsstadt nicht immer alles Gold ist, was glänzt, hatte ich bereits in früheren Blogbeiträgen (hier zu Berlin) angerissen. Kritisch mit dem Smart City -Hype hat sich auch der Blog Carta bereits im Februar in diesem Beitrag auseinander gesetzt und vor allem Technikgläubigkeit und kommerzielle Interessen gegeißelt. Wobei das deutsche Konzept der Zukunftsstadt deutlich mehr ist als eine technikzentrierte Smart City. Zur Entstehung der Plattform Zukunftsstadt, die in den letzten Monaten eine Forschungsagenda erarbeitete, hatte ich Anfang 2015 mit meiner Kollegin Katrin Schumann eine kleine Studie veröffentlicht. Darin wird unter anderem deutlich, wie stark die Idee der Zukunftsstatt mit der Vision einer nachhaltigen Stadt verknüpft und wie komplex die Diskussion dann doch ist.
Und wenn das Leitbild der Zukunftsstadt eine grüne, nachhaltige Stadt ist, dann bin ich thematisch wieder in meiner aktuellen Heimatstadt Berlin. Am Beispiel Mobilität kann man die Probleme ganz schön deutlich machen. Als Fahrradfreund freue ich mich, dass der Radverkehr gefühlt dramatisch zugenommen hat. Leider wächst die Infrastruktur nicht immer ähnlich dynamisch mit, schmalbrüstige Radwege mit einer Breite von gefühlt deutlich unter einem Meter sollen Alltagfahrer und Berufspendler genauso aufnehmen wie 20-köpfige Touristengruppen auf ihrer geführten Fahrradstadttour.
Da staunt der Berliner dann über neue Konzepte z.B. für London und erschrickt beim Vergleich mit Kopenhagen, der deutlich ernüchternd ausfällt. Wer mal über den Tellerrand schauen möchte, die Stadt der Zukunft für Fahrradfahrer wird z.B. hier vorgestellt. Immerhin hat Berlin jetzt automatische Zählstellen installiert, nachdem die letzten belastbaren Zahlen über die Zahl der Radfahrer aus dem Jahr 2008 stammte. Auch das ist wohl ein Teil der neuen Smart City...
Schön ist abschließend auch der etwas bissige Essay der Süddeutschen zum Thema Urban Gardening, einem weiteren trendy Thema der Zukunftsstadt, zumindest in Berlin. Max Scharnigg outet sich in diesem Artikel nicht gerade als Freund urbaner Gartenfreuden und beschreibt entsprechende Orte als "kompostierter Flohmarkt, durch den ein Wirbelsturm gezogen ist." Etwas später im Text bezeichnet er diese Aktionen als "betreutes Gärtnern für die herumstümpernde Ökoschicht." Aber recht har er, wenn er die unterschiedlichen Interessen der Stadtbewohner nebeneinander stellt und keinen Grund sieht, die neu aufkeimenden gärtnerischen Ambitionen einer aufgeklärten Mittelschicht höher zu bewerten als beispielsweise die der Hundebesitzer mit Bedarf an Hundeauslaufflächen und Platz zur Befriedigung natürlicher Bedürfnisse ihrer vierpfotigen Freunde.
Dienstag, 21. April 2015
Innovation und Alter
Einen ganz anderen Aspekt des Demographischen Wandels habe ich die letzten Tage mit Blick auf älter werdende Unternehmenschefs kennen gelernt. Dieser Blogbeitrag fasst einige Trends und Konsequenzen zusammen, die in einer KfW-Publikation Ende März veröffentlich wurden. Es geht im kern um eine sinkende Investitionsbereitschaft älterer Unternehmen, und das angesichts eines zunehmend "alternden" Mittelstands. Der KfW-Beitrag setzt diesem Trend dann auch konsequenter Weise die weiter rückläufigen Gründungszahlen in Deutschland entgegen, die hier kein spürbares Gegengewicht entgegensetzen können.
Ein weiterer Artikel des Blogs ne-na (Netznachrichten) nimmt die Berührungsängste des Mittelstands gegenüber der digitalen Revolution aufs Korn und schlägt schon den Bogen zu einer möglichen geringeren Innovationsorientierung. Auch hier sind es durchaus älter werdende Unternehmensführungen in den Chefetagen des deutschen Mittelstands, die einer offene Haltung gegenüber digitalen Innovationen zumindest nicht förderlich sind. Ich hatte zum Thema bereits im Dezember einen Blogbeitrag veröffentlicht.
Nimmt man nun noch die sinkende Innovationsorientierung des deutschen Mittelstands (siehe die jährliche ZEW-Publikation im Rahmen der Innovationserhebung oder auch das aktuelle Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation), die ja seit vielen Jahren konsequent nach unten zeigt, so liegt zumindest der Verdacht nahe, das hier ein Zusammenhang besteht.
Auch viele andere Gründe könnten ursächlich für diesen Rückgang mittelständischer Innovationsanstrengungen sein: veränderte Innovationsregime in spezifischen Branchen, in denen nun vor allem die Großindustrie komplexe Innovationsprozesse managed, oder auch eine internationale Arbeitsteilung, die zu anderen Geschäftsmodellen des Mittelstands führt.
Zumindest sind junge Unternehmen kein echter Rettungsanker für einen innovationsperspektivisch etwas schwächelnden Mittelstand. Zum einen geht die Gründungsintensität wie gesagt zurück, so dass wenig "neues Blut" in den Mittelstand kommt. Bis zu einem gewissen Grad ist auch dies ein Effekt demographischer Veränderungen (und für etwa 2/3 des Rückgangs verantwortlich, wie Georg Licht vom ZEW in seinem Editorial hier ausführt).
Zum anderen ist eben auch die Zusammenarbeit von Mittelstand und Gründern eher wenig ausgeprägt. Der Trend geht ja aktuell eher zu Corporate VC der großen Konzerne (siehe auch mein Blogbeitrag hier), die so ihre eigenen Innovationsschwächen durch die Stärken der jungen, kreativen und schnellen Startups ausgleichen wollen.
Beruhigend nur, dass die demographische Falle nicht nur hierzulande zuschlägt. Und ebenfalls beruhigend, dass auch demographisch wachsende Staaten wie die USA ihre Probleme mit Mittelstand und sinkenden Startup-Quoten haben. Da muss es also auch noch andere Gründe geben...
Montag, 2. März 2015
Cogs
Ein anderer Hype-Begriff, der mir in den letzten Tagen über den Bildschirm huschte, ist Cognitive Computing. In der Online-Zeit lass ich einen längeren Artikel zum Thema, der aus der neuen Ausgabe von Zeit Wissen stammt. Am bekanntesten wurde Cognitive Computing durch IBM und sein Programm Watson, dass menschliche Teilnehmer in einer bekannten amerikanischen Quiz-Show schlug. Hier geht es eher um die schnelle Verarbeitung ungeheurer Wissensbestände und Lösung konkreter Aufgaben. IBM hat Watson weiterentwickelt und für kommerzielle Zwecke zur Verfügung gestellt. Er hilft jetzt Ärzten bei der Krebsdiagnose oder beantwortet in Zukunft natürlichsprachliche Fragen zu Reisezielen. Mehr und mehr Apps werden erscheinen, die auf die Leistungsfähigkeit Cognitiver Computer wie Watson zurückgreifen (einige Beispiele für Apps finden sich hier). Und BITKOM, der deutsche Branchenverband der IT-Industrie, sieht einen riesigen Markt für Cognitive computing Anwendungen und hat sogar einen Leitfaden für deutsche Unternehmen veröffentlicht.
Der genannte Zeitartikel zur Cogitive Computing lässt aber ähnlich wie ein Guardian-Artikel zu DeepMind nicht die Gänsehaut unerwähnt, die angesichts lernfähiger, sich selbst weiter entwickelnder und in Inselbegabungen bereits "übermenschlicher" Computer entsteht. Der Guardian schreibt:
Last year, the American entrepreneur, Elon Musk, one of Deep Mind’s early investors, described AI as humanity’s greatest existential threat. “Unless you have direct exposure to groups like Deepmind, you have no idea how fast [AI] is growing,” he said. “The risk of something seriously dangerous happening is in the five year timeframe. Ten years at most.” However, the Google team played down the concerns. “We agree with him there are risks that need to be borne in mind, but we’re decades away from any sort of technology that we need to worry about,” Hassabis said.
Samstag, 21. Februar 2015
Lange Zeitreihen 4
Was hat das nun für die Innovationspolitik zu bedeuten? Ich denke, die Konsequenzen einer weiter sinkenden Gewaltbereitschaft werden sich sowohl auf der Ebene militärische Auseinandersetzungen und Militärtechnik wie auch im ganz zivilen Leben sehr deutlich zeigen. Militärisch ist es vermutlich die Durchsetzung von Technologie, die den Menschen, diesem Fall die Soldaten, immer weiter weg von den eigentlichen Kampfhandlungen rücken lässt. Was die Drohnen-Industrie heute zu bieten hat, ist beeindruckend bis erschreckend. Ein interessantes Hintergrund-Feature habe ich letztens im Deutschlandfunk dazu gehört. Die Versuche, den Einsatz von Drohnen zu verbieten, zum Beispiel durch eine internationale Konvention, scheinen mir mittelfristig mit wenig Hoffnung auf Erfolg. Verwundete und tote Soldaten aus dem eigenen Land werden angesichts sinkender Gewalt-Toleranz immer weniger akzeptiert. Und die technologischen Möglichkeiten wachsen. Kriege werden also, zumindest durch die westlichen industrialisierten Länder, zunehmend indirekt vermittelt durch Drohnen (oder sollte ich sagen Kampfroboter?) geführt. Und diese militärische Technologie wird sich auch in den zivilen Alltag durchschlagen. Nette bewegte Bilder aus dem nicht-militärischen Bereich findet man zum Beispiel hier von einer Rettungsdrohne oder einem Laufroboter.
Andere Sicherheitstechnologien betreffen eher das Privatleben: Wenn es darum geht, durch technologische Überwachung mich und andere zu schützen, dann ist das immer eine Abwägung zwischen einem selbstbestimmten, möglicherweise auch Risiko-affinen Leben und externer Kontrolle. Da aber Gewalt immer weniger akzeptabel ist - und das heißt auch, dass Verletzungen, Unfälle und ähnliches nicht mehr so gern gesehen werden - führt das dazu, dass uns entsprechende Technologien im Zweifelsfall sanft in die Arme fallen, wenn wir dumme Dinge tun wollen. Je klüger Computer und die schlauen Dinge des "Internets der Dinge" werden, desto eher können sie erkennen, wenn wir dümmer bzw. unvernünftiger sind. Dazu brauchen sie Informationen und Daten, und die sollen wir ihnen dann auch geben. Das wird die Gesellschaft verlangen, wenn es sich rechnet und Leib und Leben schützt. Schon jetzt experimentieren ja erste Krankenkassen damit (siehe auch mein Blogbeitrag hier). Wie solcher sanfter Paternalismus im intelligenten Auto aussehen kann, schildert dieser Radiobeitrag.
Dienstag, 3. Februar 2015
Lange Zeitreihen 3
Aber wie war die Entwicklung in der ersten Hälfte der 90er Jahre? Der erste Berich zur technologischen Leisungsfähigkeit berichtet in seinem Kapitel zu Unternehmensgründungen, dass der Wiedervereinigungsboom zunächst anhielt, dann aber im Verlauf der 90er langsam abflachte. Für Technologiegründungen gilt das allerdings nicht, wi die nachfolgende Graphik (hier nur für Westdeutschland) zeigt:
Ältere Statistiken zu Deutschland habe ich nicht gefunden. Ein Blick in die USA gibt aber möglicher Weise einen Hinweis, wie auch in Deutschland die Dynamik der letzten Jahrzehnte verlaufen sein könnte. Das Brookings-Institut veröffentlicht in einer Studie z.B. folgende Graphik.
Die Gründungszahlen gehen kontinuierlich nach unten. Die Unternehmen werden immer älter (das ist übrigens auch der Titel der zitierten Studie). Das gilt übrigens mehr oder weniger auch für Technologiefirmen, wie diese Studie der Kauffman-Stiftung mit entsprechenden Daten und Graphen zeigt:
Wenn diese Trends so konstant sind, muss es strukturelle Gründe geben, die tiefer liegen als die in der deutschen Diskussion immer wieder genannten (gründungsfeindliche Rahmenbedingungen, fehlendes Geld etc.).
Freitag, 30. Januar 2015
on-demand economy
Sonntag, 25. Januar 2015
Weltverbesserer
Das Institute for Globally Transformative Technologies hat einen Bericht zu 50 breakthrough technologies veröffentlicht (für eilige Leser hier zusammengefasst). Gefallen hat mir an diesem Bericht mehreres: zum einen der sehr systematischer Ansatz, zunächst die Problemstellung aufgrund unterschiedlicher Studien und Daten zu analysieren. dann in einer ebenfalls sehr systematischen Weise die Anforderungen und Herausforderungen für mögliche Lösungen zu skizzieren, also zum Beispiel, wie der Marktzugang gelingen soll, welche gesellschaftlichen Veränderungen Voraussetzungen für die Lösungen sind und wie anspruchsvoll auf der technologischen Ebene eine mögliche Lösung aussehen müsste. Abgeschätzt wird auch die Hebelwirkung, also welche Innovationen die größten Hebelwirkungen entfalten, und die zeitlich Perspektive, wann also eine entsprechende Innovation zur Verfügung stehen könnte.
Samstag, 24. Januar 2015
Evidenzbasierte Politik
Montag, 19. Januar 2015
the myth of ai
Die Süddeutsche hat Anfang Januar einen bereits im November auf der Seite edge erschienen Artikel von Jarron Lanier (hier der Originalartikel und die Diskussion auf edge.org) kommentiert. Lanier hatte erst im Okober 2014 den Friedenspreis des deuschen Buchhandes erhalten hatte.
Die Grundthese der Debatte, um die sich alle Beiträge ranken, ist die folgende: Künstliche Intelligenzen nimmt in einem Maße zu, dass sie tatsächlich größer wird als die menschliche Intelligenz und in der Lage, die Menschheit zu beherrschen. Das ist ins Negative gewendet die These von der Singularität, die Ray Kurzweil geäußert hatte und eine typische Science Fiction Dystopie. Lanier selbst setzt sich mit dieser These nur recht kurz auseinander. Er hält das eher für unwahrscheinlich und beklagt die Aufmerksamkeiswellen, die immer wieder zu unrealistischen Erwartungen an die künstliche Intelligenz führen und das Leben von Wissenschaftlern schwer machen.
Sein Hauptinteresse gilt der Frage ob nicht eine sehr schwachbrüstige künstliche Intelligenz, die von Unternehmen wie Google oder Amazon benutzt wird zu ihren eigenen Zwecken, und der das Mäntelchen der künstlichen Intelligenz nur als Mythos übergelegt wird, viel gefährlicher ist und schädlicher als eine echt, starke künstliche Intelligenz.
Die dann folgenden Antworten und Kommentare andere Autoren nehmen sich alle möglichen Details und Aspekte von Lanier, aber auch der ganzen Diskussion an. Es geht darum, ob eine künstliche Intelligenz ohne Körper überhaupt möglich ist, da dann der Zugang zu Emotionen nicht denkbar ist; es geht darum, inwieweit hier über Jahrzehnte hinweg immer wieder übertriebene Erwartungen an künstliche Intelligenz geweckt wurden; es geht auch darum, ob das exponentielles Wachstum, das laut Moorschem Gesetz auf Halbleiterebene anzunehmen ist, auch für den Output der Computer, also die eigentliche künstliche Intelligenz gilt. Einige Autoren kommen zu dem Schluss: Ja, künstliche intelligenz wird uns auf absehbare Zeit nicht bedrohen und es gibt eine ganze Reihe von Gefahren, die viel dringender sind und die wir zuerst diskutieren sollten.
Andere Kommentatoren sind der Meinung: Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass künstliche Intelligenz die Menschheit bedroht. Aber wenn das der Fall ist, dann ist es wirklich bedrohlich und von daher sollten wir lieber jetzt schon unsere Gedanken machen. Das ist die Abwägung zwischen Risiko und Wahrscheinlichkeit, die hier mit einer sehr starken Bevorzugung des Risikos entschieden wird. Wen dieses Thema interessiert, der sollte auf der Seite des Future of Humanities Institut der Universität Oxford schauen. Der Leiter ist übrigens der oben genannte Bostrom.
Nachtrag Februar2015: Die Deatte scheint in Fahrt zu kommen. Die Edge-Frage wird jetzt auch in Deutschland rezipiert (z.B. hier und hier), Wired schildet die Entwicklung vn Künstlicher Intelligenz in den letzten Jahrzehnten und auch der Blog des World Economic Forum greift das Thema auf.
Samstag, 17. Januar 2015
Lange Zeitreihen 2
Ob nun 2014, 2019 oder 2022 ist aber eigentlich nebensächlich, wenn wir in etwas längeren Zeiträumen denken. Mit sehr langen Zeitreien hat sich z.B. Ian Morris in seinem Buch "Wer regiert die Welt?" auseinandergesetzt. Er hat einen zusammengesetzten Indikator entwickelt, den er gesellschaftliche Entwicklungen nennt und der aus den Teilindikatoren Kriegsführungskapazität, Urbanisierung, Energieausbeute und Informationstechnik besteht. Die zugehörige Grafik, die von grauer Vorzeit bis heute reicht und nicht Länder sondern Wirtschaftsräume miteinander vergleicht in Morris Worten den Osten und den Westen , sieht dann so aus:
Jetzt haben Dekolonisierung, Freihandel, Änderungen innerhalb des Westens und auch Technologiediffusion dazu geführt, daß der Süden wieder Baumwollproduktion und -Verarbeitet bestimmten.
Wenn ich mir die aktuelle Diskussion um die Rückverlagerung der Produktion in die westlichen Industriestaaten anschaue oder auch darüber, in inwieweit neue Technologien die Globalisierung ausbremsen und höhere Löhne in China hier die weltweite Arbeitsteilung in Frage stellen, dann bin ich mir nicht sicher, in welche Richtung der Trend tatsächlich laufen wird. Lassen wir uns überraschen.
Freitag, 2. Januar 2015
lange Zeitreihen 1
Ältere Daten sind gar nicht so einfach zu finden. Der BuFI hatte zwar einen Vorgänger, aber den ersten Bricht zur technlogischen Leistunhsfähigkeit gibt es auch erst ab 1995 (die Aktualisierung von 1996 findet sich noch im Netz, mit Daten ab 1981). Die Daten des 1996er Berichts auf S. 30 lesen sich schon anders als diedes letzten BuFI. Demnach stieg die FuE-Quote von 1981 bis 1987 an (auf ein Hoch von über 2,6%) um dann 8 Jahre lang kontinuierlich zu sinken.
Ganz anders sieht das Bild dann nach dieser Quelle von Kaplan (Using Federal R&D to promote commercial innovation, April 1988) aus, nachdem die FuE-Quote seit den 60er Jahren beständig stieg.
Wenn man dann alle Datenreihen zusammenfügt, bekommt man ungefähr die nchfolgende Graphik. Da erscheint dann der Abfall von Anfang der 90er eher als kurzer Einbruch.
Ähnlich argumentiiert übrigens diese Langfristbetrachtung der OECD aus dem Jahr 1997 in ihrer Conclusion:
"In the case of Japan and Germany, large macroeconomic shocks (caused by the burst of the financial bubble and unification respectively) had a very detrimental effect on all forms
of investment including R&D"
Mit Abstand scheint mir das auch so. Lange Zeitreihen schaffen also einen guten Überblick...
Aber gleichwohl, der Trend geht nach oben! Und das muss doch einen Grund haben ( - und vielleichtauch irgendwann doch ein Ende). Genannt werden, in lockerer Schüttung und hier ohne Quelle und Verweis: Höheres Preisniveau für akademische Arbeit, wissensintensivere Güter (möglicher Indikator: mehr Investitionn in immaterielle Güter), Folgen des Wettbewerbs, sektorale Verschiebungen der Volkswirtschaften (hin zu diensleistungsintenisveren Gütern) ... Aber entscheidend sind wohl die Effekte in einzelnen Branchen. Und da sind wir fst wieder beim Ausgangskonzept der 30er Jahre...



