Samstag, 29. August 2015
Die Macht der Sprache
Sonntag, 23. August 2015
Innovatives China
Insbesondere die aktuelle Wachstumsschwäche der chinesischen Wirtschaft wird dabei als Hauptmotivation gesehen,sie ist auch die wesentliche Sorge der meisten Kommentatoren,nabhängig von den Börsenschwankungen und Wechselkurskapriolen. Sogar der Begriff der sekularen Stagnation in China wird von manchen Kommentatoren bemüht. China wird nicht mehr nur als der starke Motor der Weltwirtschaft gesehen, sondern auch als möglicherweise kriselndes Land, dessen Reaktionen auf dauerhafte Wirtschaftsschwäche in unkontrollierbaren und irrationalen Handlungen münden könnte. Dabei ist ein Problem sicher auch, dass offizielle Zahlen immer wieder Anlass zum Zweifeln geben. Dies gilt für die 7% Wachstum, aber z. B. auch für die offiziellen Arbeitslosenzahlen, die weit höher als von staatlichen Stellen angegeben liegen könnten.
Eine wesentliche Herausforderung Chinas liegt, da sind sich die meisten Kommentatoren einig, im Übergang von der Werkbank der Welt zu einer innovationsgetriebenen Industrienation. Wie die Chancen stehen, da wiederum scheiden sich die Geister. In einer der letzten Ausgaben des Economist ging die Kolumne Schumpeter das Thema chinesische Innovationskraft ein wenig systematischer durch und kam zu eher hoffnungsfrohen Ergebnissen. China ziehe seine Markterfolge nicht mehr nur aus mehr oder weniger gelungenen Kopien westlicher Produkte, sondern immer mehr auch aus eigenständigen Innovationen. Der China-Blog von McKinsey hat gerade skizziert, wie fallende Preise chinesische Industrieunternehmen zu erheblichen Prozessinnovationen zwingen, die sie mittelfristig äußerst wettbewerbsfähig ,machen dürften (siehe auch den Blogbeitrag hier).
Gestritten wird über die Rolle des Staates. Ist ein starker, intervenierender Staat eher ein Vor- oder ein Nachteil? Der bereits genannte Economist-Artikel zitiert Quellen, die insbesondere die langfristige Orientierung eines starken Staates positiv hervorheben.
Der Blog des China Policy Instituts wiederum weist kritisch auf die Irrtümer eines staatlich gelenkten Techno-Nationalismus hin, der den Ideen eines offenen Austausches entgegensteht und Innovation als Nullsummenspiel missversteht. Weiter geht ein Interview mit Daren Acemoglu in der aktuellen Zeit-Printausgabe, indem Acemoglu ein echtes, erfolgreiches Innovationssystem in China ohne Demokratie als unrealistisch bewertet. Das Interview ist online noch nicht nachzulesen, im wesentlichen finden sich die Gedanken aber auch schon in einem vergleichbaren Interview aus dem Jahr 2012.
Als Hoffnungszeichen für die Innovationskraft Chinas könnte man die nachfolgende Beobachten werten: In einem meiner letzten Blogs hatte ich davon berichtet, dass Berlin und Tel Aviv eine Partnerschaft in der Gründungsförderung eingehen wollen. Nun berichtet das Portal Kooperation International von der Gründung eines französisch-chinesischen Investitionsfonds für innovative Startups. Frankreich, auf der Suche nach erfolgreichen Gründern, setzt also auf die "Start-up"-Nation China. Ob das gut geht? Zumindest hier haben sogar die optimistischen Kolegen von McKinsey ihre Zweifel. Auf die Frage, ob es ein chinesisches Silicon Valley geben wird, kommen sie ziemlich eindeutig zu einer negativen Antwort.
Sonntag, 12. Juli 2015
Gründungsdiskussion
Ähnlich erregt geht es weiter: Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beklagt in einer neuen Studie den hohen bürokratischen Aufwand in Deutschland und fordert schnellen Bürokratieabbau. Das schadet zwar grundsätzlich nie, aber auch dieser Hebel wird von Gründungsexperten als wesentlicher Grund für schwache Gründungszahlen hierzulande eher bezweifelt. Ganz ähnlich steht es mit einer neuen Studie des Kölner Instituts der Wirtschaft. Wesentlicher Hebel der Gründungsförderung sollte demnach sein, die Jugend doch bitteschön zu kleinen Gründern zu erziehen. Selbstständigkeit über alles, sozusagen.
Das diese wohlfeilen Ratschläge in der Regel von Menschen kommen, die selbst eher einem gepflegten Angestelltendasein nachgehen, überrascht mich nicht. Vielleicht ist es halt doch sehr attraktiv, ein regelmäßiges Einkommen zu genießen, sich auf der Grundlage einer etablierten innerbetrieblichen Arbeitsteilung nicht um jeden Kleinkram kümmern zu müssen und sogar bezahlten Urlaub nehmen zu können. Das gilt natürlich auch für Gründer (und ihre Angestellten) wenn das Unternehmen erst mal läuft, aber bis dahin kann es schon eine kleine Durststrecke geben. Ob hier Schulunterricht wirklich zu einer anderen Einstellung führt, wage ich zu bezweifeln.
Es gibt aber auch spannendere neue Studienergebnisse, z.B. vom ZEW, welches in der jüngsten Ausgabe "Junge Unternehmen", die leicht hoffnungsfrohen Gründungszahlen im Hightech-Sektor analysiert und einen positiven Zusammenhang mit der Zahl der gemeldeten offenen Stellen erkennt. Je mehr also Fachpersonal in diesen Branchen gesucht wird, desto stärker steigen die Gründungszahlen. Da scheint dann doch mal die Attraktivität angestellter Beschäftigungsverhältnisse und Gründungsneigung entkoppelt zu sein...
Freitag, 19. Juni 2015
Rebound Effekte
Vielleicht wird aber mit den Effekten der Digitalisierung aber auch alles gar nicht so dramatisch. Schließlich scheinen die Früchte der Digitalisierung in der Produktivitätsstatistik noch gar nicht angekommen zu sein, Zumindest behauptet dies das Solow-Paradox, das gerade erst von der Süddeutschen Zeitung in einem netten Artikel ausgeführt wurde. Alles also nur ein großer Hype, ein typischer Katastrophendiskurs?
Die Alltagserfahrung vieler Büromenschen scheint die überraschend geringen Effekte der Digitalisierung zunächst zu bestätigen. Das papierlose Büro gibt es nicht, und die Segnungen des Computerzeitalters führen auch nicht zu weniger Schreibarbeit. Im Gegenteil, die Bürokratisierung und der Papierkram scheint eher zuzunehmen. Hier lässt sich möglicherweise ein Effekt beobachten, den ich in Analogie zum berühmten Rebound Effekt der Energiediskussion als Innovations-Rebound bezeichnen möchte. Die segensreichen Wirkungen von Innovationen werden durch gegenläufige Effekte aufgezehrt, die ihren Ursprung in den Schwächen der menschlichen Natur haben:
- Textverarbeitung und digitale Vernetzung machen Hartkopien unnötig? Billige Drucker und Lesefreundlichkeit sorgt für den Ausdruck ganzer Regenwälder...
- Der ubiquitäre digitale Zugriff auf Dokumente und Forschungsergebnisse macht wissenschaftliches Arbeiten effizienter? Der Konkurrenzdruck sorgt gleichzeitig für eine Vervielfachung des wissenschaftlichen Outputs, so dass im Ergebnis kein Zeit- oder Qualitätsgewinn bleibt, sondern eine Sintflut an Publikationen, die gar nicht mehr alle gelesen werden können ...
- Durch soziale Netzwerke können wir endlich mit der halben Welt Kontakt schließen? Mehr als 100 Personen können wir als "echte" bekannte gar nicht verarbeiten oder gar pflegen, der Rest sind digitale Karteileichen, mit denen wir angeben, ohne sie tatsächlich wirklich zu kennen...
- Vielleicht gibt es diese Innovations-Rebounds auch bei den klassischen Themen der Innovationsforschung: Wir beobachten eine Zunahme der Innovationsintensität bei Teilnehmern an Förderprogrammen? Vielleicht werden hier nur private Innovationsaufwendungen substituiert und Verhaltensveränderungen über eine Firmen-"Leben" hinweg erfasst.
Auch das wird schon vom ein oder anderen Artikel aufgriffen (z.B. in Le Monde oder hier). Aber bevor ich mich dem Traum einer arbeitsfreien und von Robertern gemanagten Welt hingebe (à la Wall-e - siehe hier den entsprechenden Filmausschnitt), hoffe ich auch hier wieder auf einen Innovationsrebound, so dass mir meine Arbeit doch noch erhalten bleibt...
Mittwoch, 3. Juni 2015
Lebenslüge Gründung?
Freitag, 22. Mai 2015
Internationale Startups
Praktisch zeitgleich nominiert der German Silicon Valley Accelerator 18 neue Preisträger für einen Trip in die USA. Frankreich importiert die Gründer, und Deutschland exportiert sie, fast wie auch sonst im Außenhandel? Wir haben die guten die Ideen, aber schlechte Rahmenbedingungen, während die Franzosen besser sind bei der Gründungsunterstützung, aber ohne ausreichend gute heimische Gründer?
Das stimmt zwar bis zu einem gewissen Grad: Berlin ist Top Zwei der besten Startup-Standorte in Europa, aber der französische VC-Markt ist insgesamt deutlich besser dotiert. Doch so unterschiedlich sind die Strategien im Detail dann auch nicht.
Gerade die Gründer-Boomtown Berlin setzt stark auf eine internationale Vernetzung und auf Attraktivität für ausländische Gründer. Jüngst wurde eine Initiative lanciert, eine Partnerschaft zwischen Tel Aviv und Berlin aufzubauen. Und heute habe ich die Pressemeldung von BerlinPartner gelesen, dass Smart City Startups nach Berlin geholt werden sollen. Sechs Startups aus Israel und den USA erhalten eine zumindest kostenlose Ausstellungsfläche auf der Messe "Metropolitan Solutions Exhibition & Conference" sowie ein organisiertes Match-Making. Das sind keine 12.000€, aber auch hierzulande wäre man über die international besten Ideen und kreativsten Köpfe froh.
Freitag, 8. Mai 2015
Gründerszene
Donnerstag war ich zum ersten Mal auf dem Kongress Junge IKT in Berlin, für den Kollegen von mir verantwortlich zeichnen. Meine Eindrücke: quirlige Atmosphäre, ein breites Spektrum an Unternehmen von sozial Entrepreneurs oder digitalen Marktplätzen bis hin zu echten Hardware-Techies. Und auch ein paar wirklich interessante Vorträge und Podiumsdiskussionen.
Die Keynote hielt Frank Riemensperger von Accentures, einer großen, auf Technologien spezialisierten Unternehmensberatung. Spannend fand ich seine Ausführungen, wie seine Firma als "Trüffelschwein" nach interessanten Startups sucht und dann großen Unternehmen als Kooperationspartner vermittelt, um deren inkrementelle Innovationskultur auf Trab zu bringen. Bei Accentures nennt sich das dann open Innovation (siehe die Eigendarstellung hier).
Es ist ja eine verbreitete These (und auch schon mal Thema meines Blogs hier gewesen), dass die dicken Tanker der Old Economy den Kontakt zu den jungen, kreativen Gründern brauchen, um sich selbst zu erneuern, und hierfür vermehrt corporate venture nutzen. Sogar die entstehenden Dicktanker der new economy haben Panik, in Routinen zu erstarren und nicht mehr agil genug für den ständigen Wandel zu sein und mühen sich um neue Startups (siehe diesen aktuellen Artikel über Zalando hier).
Interessant dabei die These von Herrn Riemensperger, dass große Familienunternehmen (sein Beispiel: die Firma Otto) mit langfristigen Orientierungen da schneller sind als die Unternehmen mit angestellter Geschäftsführung und sehr kurzen strategischen Horizonten. Vielleicht ist das ja auch ein Erklärungsansatz dafür, dass die deutsche Unternehmenslandschaft in den zurückliegenden jahren weniger Umbrüche erfahren hat als z.B. die durch einen schnellen Unternehmensumsatz gekennzeichnete amerikanische. Und vielleicht ist dann die geringe Quote an schnell wachsenden Startups eher ein Beispiel für erfolgreiches Anpassen der etablierten Unternehmen, die jetzt auch gezielt den Startup-Hype für ihre Überlebensstrategie nutzen...
Als großen Treiber für diese notwendige und durch entsprechende Mittler wie Accentures vielleicht auch beschleunigte Umorientierung machte Herr Riemensperger übrigens die vielbeschworene digitale Revolution aus. Dazu passt sicher, dass Accentures gerade eine Studie veröffentlicht hat, in der viele beschäftigte ihr eigenes Unternehmen als nicht schnell genug bei der digitalen Strategiebildung bewerten.
Und am Nachmittag gab es auf dem Kongress noch eine Diskussion um Inkubatoren und Akzeleratoren, auf der unter anderem die These geäußert wurde, dass diese Aktivitäten doch sowieso eher Feigenblätter seien als echte Faktoren der Veränderung in den großen Unternehmen. Der Vertreter der Akzeleratoren hielt dagegen, dass die kulturelle Wirkung nach innen wesentlich sei, quasi ein Bildungsauftrag der Akzeleratoren-Einheit.
Ein weiteres Thema betraf Frauen und Crowdfunding. Die These hier war, dass weibliche Gründerinnen mit dem Finanzierungsinstrument besser umgehen müssten, weil ihnen die soziale Ansprache als Erfolfsfaktor der Crowdfinanzierung eher liegen sollte. Zahlen dazu wären sicher interessant, ob der Frauenanteil zum Beispiel höher ist als bei anderen Finanzierungsformen, ich kenne dazu aber bislang keine Quelle.
Freitag, 1. Mai 2015
Tag der Arbeit
Ein zentrales Thema ist nicht nur heute der drohende Verlust der Arbeit, der aufgrund der Digitalisierung und Verroboterung droht. Zum Beispiel die Süddeutsche gestern einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, mit dem Verweis auf ein noch unveröffentlichtes Papier eines Harvard (!) -Professors. Die Argumente sind nicht neu, darum aber auch nicht unbedingt falsch. Sowohl die Spitzenjobs (Anwalt?) als auch die einfachen Routinejobs sind von intelligenten Maschinen bedroht. Der Artikel reiht sich in eine Fülle ähnlicher Artikeln zum Thema ein (z. B. zuletzt dieser), die sich auch ganz konkret fragen, wie sich unser aller Arbeit verändern wird.
Außerdem empfehle ich den ebenso wunderbaren Hörfunkbeitrag von Hartmut Rosa (wir haben vor 20 Jahren einmal zusammen in Braunschweig Tennis gespielt, aber daran wird er sich nicht erinnern) zur Beschleunigung unser aller Leben. Rosa sagt, Beschleunigung ist dem Kapitalismus inhärent, ohne Wachstum, beständige Innovation und Beschleunigung kommt er nicht aus.Und auch unsere Arbeitswelt beschleunigt sich ständig und überfordert uns alle. Die Aussage, im Moment sei alles ein wenig zu viel, aber das liege nur an x oder y, die höre er dauernd, das sei aber eine Selbsttäuschung und es würde nicht mehr besser. Ja, das (die Klagen und die Beobachtung, dass es nicht wirklich besser wird) kann ich für mein Arbeitsumfeld bestätigen. Die Sendung schließt übrigens mit einem Interview mit zwei Studiogästen, einem deutlich von den Fragen überfordertem Abgeordneten und einem Sozialwissenschaftler. Auf die für mich nahe liegende Frage, was kommt eigentlich, wenn wir alle am Limit angelangt sind bei aller Beschleunigung,und der Kapitalismus trotzdem mehr verlangt, wird nicht eingegangen.
Für mich schließt sich da der Kreis zur Vision der Maschinenwelt. Wenn der Mensch an seine Grenzen kommt, dann gibt es immer noch den digitalen Plan B. Kollege Roboter kann das sicher noch schneller und effizienter. Lieber Hartmut, bau das doch auch in Deine Theorie noch ein.
Schönen ersten Mai!
Mittwoch, 29. April 2015
smart city und grüne Zukunft der Stadt
Am 15. April bereits hatte das BMBF die 52 Sieger im Bundeswettbewerb Zukunftsstadt gekürt, die jetzt zunächst in Bürgerdialogen über die zukünftige Entwicklung ihrer Stadt beraten sollen. Auf seiner Website schreibt das BMBF hierzu, dass die Visionen über drei Phasen hinweg am Ende, ab dem Jahr 2018, in Reallaboren umgesetzt und dem Praxistext unterzogen werden sollen.
Das bei aller Dynamik im Thema Zukunftsstadt nicht immer alles Gold ist, was glänzt, hatte ich bereits in früheren Blogbeiträgen (hier zu Berlin) angerissen. Kritisch mit dem Smart City -Hype hat sich auch der Blog Carta bereits im Februar in diesem Beitrag auseinander gesetzt und vor allem Technikgläubigkeit und kommerzielle Interessen gegeißelt. Wobei das deutsche Konzept der Zukunftsstadt deutlich mehr ist als eine technikzentrierte Smart City. Zur Entstehung der Plattform Zukunftsstadt, die in den letzten Monaten eine Forschungsagenda erarbeitete, hatte ich Anfang 2015 mit meiner Kollegin Katrin Schumann eine kleine Studie veröffentlicht. Darin wird unter anderem deutlich, wie stark die Idee der Zukunftsstatt mit der Vision einer nachhaltigen Stadt verknüpft und wie komplex die Diskussion dann doch ist.
Und wenn das Leitbild der Zukunftsstadt eine grüne, nachhaltige Stadt ist, dann bin ich thematisch wieder in meiner aktuellen Heimatstadt Berlin. Am Beispiel Mobilität kann man die Probleme ganz schön deutlich machen. Als Fahrradfreund freue ich mich, dass der Radverkehr gefühlt dramatisch zugenommen hat. Leider wächst die Infrastruktur nicht immer ähnlich dynamisch mit, schmalbrüstige Radwege mit einer Breite von gefühlt deutlich unter einem Meter sollen Alltagfahrer und Berufspendler genauso aufnehmen wie 20-köpfige Touristengruppen auf ihrer geführten Fahrradstadttour.
Da staunt der Berliner dann über neue Konzepte z.B. für London und erschrickt beim Vergleich mit Kopenhagen, der deutlich ernüchternd ausfällt. Wer mal über den Tellerrand schauen möchte, die Stadt der Zukunft für Fahrradfahrer wird z.B. hier vorgestellt. Immerhin hat Berlin jetzt automatische Zählstellen installiert, nachdem die letzten belastbaren Zahlen über die Zahl der Radfahrer aus dem Jahr 2008 stammte. Auch das ist wohl ein Teil der neuen Smart City...
Schön ist abschließend auch der etwas bissige Essay der Süddeutschen zum Thema Urban Gardening, einem weiteren trendy Thema der Zukunftsstadt, zumindest in Berlin. Max Scharnigg outet sich in diesem Artikel nicht gerade als Freund urbaner Gartenfreuden und beschreibt entsprechende Orte als "kompostierter Flohmarkt, durch den ein Wirbelsturm gezogen ist." Etwas später im Text bezeichnet er diese Aktionen als "betreutes Gärtnern für die herumstümpernde Ökoschicht." Aber recht har er, wenn er die unterschiedlichen Interessen der Stadtbewohner nebeneinander stellt und keinen Grund sieht, die neu aufkeimenden gärtnerischen Ambitionen einer aufgeklärten Mittelschicht höher zu bewerten als beispielsweise die der Hundebesitzer mit Bedarf an Hundeauslaufflächen und Platz zur Befriedigung natürlicher Bedürfnisse ihrer vierpfotigen Freunde.
Dienstag, 21. April 2015
Innovation und Alter
Einen ganz anderen Aspekt des Demographischen Wandels habe ich die letzten Tage mit Blick auf älter werdende Unternehmenschefs kennen gelernt. Dieser Blogbeitrag fasst einige Trends und Konsequenzen zusammen, die in einer KfW-Publikation Ende März veröffentlich wurden. Es geht im kern um eine sinkende Investitionsbereitschaft älterer Unternehmen, und das angesichts eines zunehmend "alternden" Mittelstands. Der KfW-Beitrag setzt diesem Trend dann auch konsequenter Weise die weiter rückläufigen Gründungszahlen in Deutschland entgegen, die hier kein spürbares Gegengewicht entgegensetzen können.
Ein weiterer Artikel des Blogs ne-na (Netznachrichten) nimmt die Berührungsängste des Mittelstands gegenüber der digitalen Revolution aufs Korn und schlägt schon den Bogen zu einer möglichen geringeren Innovationsorientierung. Auch hier sind es durchaus älter werdende Unternehmensführungen in den Chefetagen des deutschen Mittelstands, die einer offene Haltung gegenüber digitalen Innovationen zumindest nicht förderlich sind. Ich hatte zum Thema bereits im Dezember einen Blogbeitrag veröffentlicht.
Nimmt man nun noch die sinkende Innovationsorientierung des deutschen Mittelstands (siehe die jährliche ZEW-Publikation im Rahmen der Innovationserhebung oder auch das aktuelle Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation), die ja seit vielen Jahren konsequent nach unten zeigt, so liegt zumindest der Verdacht nahe, das hier ein Zusammenhang besteht.
Auch viele andere Gründe könnten ursächlich für diesen Rückgang mittelständischer Innovationsanstrengungen sein: veränderte Innovationsregime in spezifischen Branchen, in denen nun vor allem die Großindustrie komplexe Innovationsprozesse managed, oder auch eine internationale Arbeitsteilung, die zu anderen Geschäftsmodellen des Mittelstands führt.
Zumindest sind junge Unternehmen kein echter Rettungsanker für einen innovationsperspektivisch etwas schwächelnden Mittelstand. Zum einen geht die Gründungsintensität wie gesagt zurück, so dass wenig "neues Blut" in den Mittelstand kommt. Bis zu einem gewissen Grad ist auch dies ein Effekt demographischer Veränderungen (und für etwa 2/3 des Rückgangs verantwortlich, wie Georg Licht vom ZEW in seinem Editorial hier ausführt).
Zum anderen ist eben auch die Zusammenarbeit von Mittelstand und Gründern eher wenig ausgeprägt. Der Trend geht ja aktuell eher zu Corporate VC der großen Konzerne (siehe auch mein Blogbeitrag hier), die so ihre eigenen Innovationsschwächen durch die Stärken der jungen, kreativen und schnellen Startups ausgleichen wollen.
Beruhigend nur, dass die demographische Falle nicht nur hierzulande zuschlägt. Und ebenfalls beruhigend, dass auch demographisch wachsende Staaten wie die USA ihre Probleme mit Mittelstand und sinkenden Startup-Quoten haben. Da muss es also auch noch andere Gründe geben...
Montag, 2. März 2015
Cogs
Ein anderer Hype-Begriff, der mir in den letzten Tagen über den Bildschirm huschte, ist Cognitive Computing. In der Online-Zeit lass ich einen längeren Artikel zum Thema, der aus der neuen Ausgabe von Zeit Wissen stammt. Am bekanntesten wurde Cognitive Computing durch IBM und sein Programm Watson, dass menschliche Teilnehmer in einer bekannten amerikanischen Quiz-Show schlug. Hier geht es eher um die schnelle Verarbeitung ungeheurer Wissensbestände und Lösung konkreter Aufgaben. IBM hat Watson weiterentwickelt und für kommerzielle Zwecke zur Verfügung gestellt. Er hilft jetzt Ärzten bei der Krebsdiagnose oder beantwortet in Zukunft natürlichsprachliche Fragen zu Reisezielen. Mehr und mehr Apps werden erscheinen, die auf die Leistungsfähigkeit Cognitiver Computer wie Watson zurückgreifen (einige Beispiele für Apps finden sich hier). Und BITKOM, der deutsche Branchenverband der IT-Industrie, sieht einen riesigen Markt für Cognitive computing Anwendungen und hat sogar einen Leitfaden für deutsche Unternehmen veröffentlicht.
Der genannte Zeitartikel zur Cogitive Computing lässt aber ähnlich wie ein Guardian-Artikel zu DeepMind nicht die Gänsehaut unerwähnt, die angesichts lernfähiger, sich selbst weiter entwickelnder und in Inselbegabungen bereits "übermenschlicher" Computer entsteht. Der Guardian schreibt:
Last year, the American entrepreneur, Elon Musk, one of Deep Mind’s early investors, described AI as humanity’s greatest existential threat. “Unless you have direct exposure to groups like Deepmind, you have no idea how fast [AI] is growing,” he said. “The risk of something seriously dangerous happening is in the five year timeframe. Ten years at most.” However, the Google team played down the concerns. “We agree with him there are risks that need to be borne in mind, but we’re decades away from any sort of technology that we need to worry about,” Hassabis said.
Samstag, 21. Februar 2015
Lange Zeitreihen 4
Was hat das nun für die Innovationspolitik zu bedeuten? Ich denke, die Konsequenzen einer weiter sinkenden Gewaltbereitschaft werden sich sowohl auf der Ebene militärische Auseinandersetzungen und Militärtechnik wie auch im ganz zivilen Leben sehr deutlich zeigen. Militärisch ist es vermutlich die Durchsetzung von Technologie, die den Menschen, diesem Fall die Soldaten, immer weiter weg von den eigentlichen Kampfhandlungen rücken lässt. Was die Drohnen-Industrie heute zu bieten hat, ist beeindruckend bis erschreckend. Ein interessantes Hintergrund-Feature habe ich letztens im Deutschlandfunk dazu gehört. Die Versuche, den Einsatz von Drohnen zu verbieten, zum Beispiel durch eine internationale Konvention, scheinen mir mittelfristig mit wenig Hoffnung auf Erfolg. Verwundete und tote Soldaten aus dem eigenen Land werden angesichts sinkender Gewalt-Toleranz immer weniger akzeptiert. Und die technologischen Möglichkeiten wachsen. Kriege werden also, zumindest durch die westlichen industrialisierten Länder, zunehmend indirekt vermittelt durch Drohnen (oder sollte ich sagen Kampfroboter?) geführt. Und diese militärische Technologie wird sich auch in den zivilen Alltag durchschlagen. Nette bewegte Bilder aus dem nicht-militärischen Bereich findet man zum Beispiel hier von einer Rettungsdrohne oder einem Laufroboter.
Andere Sicherheitstechnologien betreffen eher das Privatleben: Wenn es darum geht, durch technologische Überwachung mich und andere zu schützen, dann ist das immer eine Abwägung zwischen einem selbstbestimmten, möglicherweise auch Risiko-affinen Leben und externer Kontrolle. Da aber Gewalt immer weniger akzeptabel ist - und das heißt auch, dass Verletzungen, Unfälle und ähnliches nicht mehr so gern gesehen werden - führt das dazu, dass uns entsprechende Technologien im Zweifelsfall sanft in die Arme fallen, wenn wir dumme Dinge tun wollen. Je klüger Computer und die schlauen Dinge des "Internets der Dinge" werden, desto eher können sie erkennen, wenn wir dümmer bzw. unvernünftiger sind. Dazu brauchen sie Informationen und Daten, und die sollen wir ihnen dann auch geben. Das wird die Gesellschaft verlangen, wenn es sich rechnet und Leib und Leben schützt. Schon jetzt experimentieren ja erste Krankenkassen damit (siehe auch mein Blogbeitrag hier). Wie solcher sanfter Paternalismus im intelligenten Auto aussehen kann, schildert dieser Radiobeitrag.
Dienstag, 3. Februar 2015
Lange Zeitreihen 3
Aber wie war die Entwicklung in der ersten Hälfte der 90er Jahre? Der erste Berich zur technologischen Leisungsfähigkeit berichtet in seinem Kapitel zu Unternehmensgründungen, dass der Wiedervereinigungsboom zunächst anhielt, dann aber im Verlauf der 90er langsam abflachte. Für Technologiegründungen gilt das allerdings nicht, wi die nachfolgende Graphik (hier nur für Westdeutschland) zeigt:
Ältere Statistiken zu Deutschland habe ich nicht gefunden. Ein Blick in die USA gibt aber möglicher Weise einen Hinweis, wie auch in Deutschland die Dynamik der letzten Jahrzehnte verlaufen sein könnte. Das Brookings-Institut veröffentlicht in einer Studie z.B. folgende Graphik.
Die Gründungszahlen gehen kontinuierlich nach unten. Die Unternehmen werden immer älter (das ist übrigens auch der Titel der zitierten Studie). Das gilt übrigens mehr oder weniger auch für Technologiefirmen, wie diese Studie der Kauffman-Stiftung mit entsprechenden Daten und Graphen zeigt:
Wenn diese Trends so konstant sind, muss es strukturelle Gründe geben, die tiefer liegen als die in der deutschen Diskussion immer wieder genannten (gründungsfeindliche Rahmenbedingungen, fehlendes Geld etc.).
Freitag, 30. Januar 2015
on-demand economy
Sonntag, 25. Januar 2015
Weltverbesserer
Das Institute for Globally Transformative Technologies hat einen Bericht zu 50 breakthrough technologies veröffentlicht (für eilige Leser hier zusammengefasst). Gefallen hat mir an diesem Bericht mehreres: zum einen der sehr systematischer Ansatz, zunächst die Problemstellung aufgrund unterschiedlicher Studien und Daten zu analysieren. dann in einer ebenfalls sehr systematischen Weise die Anforderungen und Herausforderungen für mögliche Lösungen zu skizzieren, also zum Beispiel, wie der Marktzugang gelingen soll, welche gesellschaftlichen Veränderungen Voraussetzungen für die Lösungen sind und wie anspruchsvoll auf der technologischen Ebene eine mögliche Lösung aussehen müsste. Abgeschätzt wird auch die Hebelwirkung, also welche Innovationen die größten Hebelwirkungen entfalten, und die zeitlich Perspektive, wann also eine entsprechende Innovation zur Verfügung stehen könnte.

