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Samstag, 23. April 2016

Utopie? Dystopie? Anarchie!

Die Zukunft ist ein gar schrecklich Ding. Grausame Kriege, eine verpestete Umwelt, intelligente und tödliche Roboter, allwissende Techno-Diktaturen und so weiter und so fort. Und der Weltraum, fremde Planeten? Lebensfeindlich und einsam. Wer Science Fiction Bücher liest oder Filme anschauen, hat wirklich keine Lust mehr auf Zukunft. Da ist es doch kein Wunder, dass neue Technologien und Innovationen vor allen Dingen Sorgen hervorrufen vor ihren Gefahren und unerwünschten Auswirkungen.

Dabei geht es doch anders. Man kann da doch wirklich etwas lockerer drangehen. Mein Erweckungserlebnis als Kind war das Hörspiel zu "Per Anhalter durchs All", das 1982 auch als deutsche Version produziert wurde. Da war doch schon alles drin: depressive Roboter, sprechende Fahrstühle wie im Internet der Dinge oder Übersetzungscomputer. Und diese Zukunft war definitiv sehr sehr lustig.

Aber der satirische Science-Fiction scheint zurück zu sein. Horst Evers zum Beispiel schreibt in seinem neuen Buch "alles außer irdisch", wie nette, aber leicht durchgedreht Außerirdische die Erde vor anderen Außerirdischen retten wollen. Ein Großteil der Handlung spielt auf dem nun doch eröffneten Großflughafen Berlin-Brandenburg. Das ist natürlich für sich genommen schon ein Hammer. Doch darüber hinaus erfährt man doch nur wenig in Horst Evers Buch.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Anfang der Woche war ich auf der Lesung eines ganz besonderen Autors. Marc Uwe Kling, der Vater des anarchistischen Kängurus. Er hat das einen neuen Buch vorgelesen, an dem er gerade arbeitet: Qualityland.

Hier ist wirklich alles drin. Ein Online-Versandhändler, der alles über Dich weiß, deine Wünsche kennt, selbst diejenigen, die du nicht kennst. Und Dir per Drohne alles sofort nach Hause liefert. Leider kann die Drohne sprechen, ist etwas selbstverliebt und möchte dauernd bewertet werden.

Oder die Partnervermittlung, die Dir einen perfekten Partner ermittelt und dich direkt mit ihm verkuppelt. Inklusive Rückgaberecht. Der Algorithmus, der alles steuert, die ganze Gesellschaft. Und intelligente Roboter, die selbst zum Verschrotten gehen, wenn sie nicht mehr richtig funktionieren. Dort aber gerettet werden von den letzten Aufrechten Menschen, die noch über die Erde wandeln. Und dann in einem Zoo der Roboter Freaks weiterleben. Dort erlebt sogar das Känguru eine Reinkarnation in einem rosafarbenen Touchpad.

Es lebe die Zukunft!

Marc-Uwe Kling hat diese grandiose Geschichte noch nicht veröffentlicht, im Netz finden sich keine Aufzeichnungen seiner Lesungen, da muss man schon selber hingehen. Aber Achtung, ist ziemlich schnell ausverkauft!

Samstag, 9. Januar 2016

Künstliche Schönheit

Digitale Technologien und Schönheit stehen ja in einem recht ambivalenten Verhältnis zueinander. Schaut man auf die Cover von Zeitschriften, so schauen einen lauter mit Digitaltechnik künstlich schöner gemachte Menschen an. Keine Fältchen, die Proportionen etwas zurecht gerückt, Photoshop oder ähnliche Programme machen praktisch alles möglich.
Gestern nun schaffte es eine neue Software in zahlreiche Online-Ausgaben (z.B. hier und hier), die nicht Schönheit produziert, sondern Schönheit erkennt. Ein Projekt der ETH Zürich, in Zusammenarbeit mit einer Partnerbörse. Der Algorithmus erkennt nicht nur, ob ein Gesicht schön ist, sondern kann auch Geschlecht und Alter einschätzen. So zumindest die Hoffnung seiner Schöpfer. Ich habe es ausprobiert, zwischen 32 und 42 hat mich der Algorithmus geschätzt. Ja, männlich bin ich, und auch zwischen 20 und 60. Aber die Einschätzung meiner Schönheit, da war ich doch anderer Meinung. Aber es ist ja noch ein Forschungsprojekt, und es gibt noch andere Computer basierte Schönheitswettbewerbe ...
Eine andere Software, über die ich gerade gestolpert bin, erkennt angeblich, ob etwas lustig ist. Das schien doch eigentlich die letzte Bastion des menschlichen Geistes zu sein. Der Witz und seine Beziehung zum Unterbewusstsein. Können das jetzt auch Computer? Der Artikel, der darauf Bezug nimmt, ist da letztendlich skeptisch. Aber auch hier ist es vermutlich erst der erste Schritt eines langen Weges.
Und dann gab es da noch vor Weihnachten den Artikel im Guardian über eine Software, die selber Kunst macht. Oder zumindest ganz normale Fotos in Kunstwerke verwandelt. In Kunstwerke, die sich an klassischen Vorbildern der Moderne orientieren. Eigentlich gestaltet der Algorithmus das Foto nur nach einem bestimmten Schema um, sodass die Technik dem der Kunstwerke ähnelt. Aber ist das nicht auch das Prinzip gewesen, nachdem die großen Werkstätten der Renaissancekünstler arbeiten? Unser Kater Leo zum Beispiel sieht jetzt wirklich sehr künstlerisch aus, oder?
Schließlich sind da die vielen Beispiele von dichtenden oder komponierenden Computern. Wirklich überzeugend sind all diese Beispiele noch nicht. Im Bereich der Kunst wird uns der Computer so schnell nicht ersetzen. Aber das einfache Kunsthandwerk? Die Fabrikarbeit unter den künstlerischen Berufen? Ja ja, so fängt alles an.