Samstag, 9. März 2013

Chimerica

Zurzeit wird in China die neue Führung ins Amt gehoben, gleichzeitig besetzt auch die amerikanische Regierung ihre Spitzenposten neu. Nach den praktisch gleichzeitigen Wahlen im November bewegen sich die beiden Ländern erneut fast im Gleichschritt. Auch auf wirtschaftlicher Ebene nimmt die Verflechtung der beiden Volkswirtschaften weiter zu. Die Print-Ausgabe der Zeit brachte diese Woche in einem kleinen Artikel wieder das Konzept von Chimerica ins Spiel, eines durch Investitionen und Exporte eng verbundenen  Staatengebildes, das die Weltwirtschaft beherrscht.

Dabei sind die Wirtschaftsbeziehung in der Realität keineswegs spannungsfrei. Insbesondere in den USA gibt es große Befürchtungen, dass China die USA dominieren könnte. Als Beispiel werden dabei immer wieder Spitzentechnologien wie die Photovoltaik angeführt, in denen China mit angeblich unlauteren Praktiken die amerikanischen Unternehmen an die Wand drückt. Dass dies zumindest heute noch anders ist, zeigt ein Blogartikel zur amerikanisch-chinesischen Handelsbilanz im Bereich erneuerbare Energien auf der Onlineseite des Economist, nachdem die Handelsbilanz wider erwarten deutlich positiv für die USA ausfällt. Grund ist die höhere Innovationsleistung amerikanischer Firmen (eine Zusammenfassung der Studie findet sich hier).

Aber China holt auch technologisch auf. Selbst steigende Löhne sind, wie ein aktuelle Beitrag von DB Research zeigt, eher Zeichen eines Strukturwandels in Richtung steigende Innovationsorientierung denn beruhigende Nachrichten für amerikanische oder europäische Wettbewerber. Bleibt also Chimerica eine Chimäre?