Montag, 8. Juli 2013

Kreative künstliche Intelligenz

Maschinen können immer mehr, erst ersetzten sie unsere Muskelkraft, dann nahmen sie uns stupide Rechenaufgaben ab, und bald werden sie die anspruchsvollen Dienstleistungsjobs unserer postindustriellen Gesellschaft übernehmen. So zumindest behauptet es Erik Brynjolfsson, wie ich schon in früheren Blogbeiträgen berichtet hatte. Computer spielen mittlerweile auch besser Schach und Rateshows, sind aber bei manchen Aufgaben, die echtes Verstehen notwendig machen, immer noch etwas unbeholfen. Die Sprachtechnologie zum Beispiel machte in den letzten Jahren schöne Fortschritte, immer noch ist es aber lustig, sich in mehreren Schleifen Texte automatisch übersetzen und rückübersetzen zu lassen. Die letzten Bastionen des menschlichen Geistes geraten aber zunehmend unter Druck.
 
Kunst und Kreativität sind solche Rückzugsgebiete der menschlichen Einzigartigkeit. Das Beispiel der Affen, die bei unendlicher Zeit auch einen Shakespeares-Text schreiben könnten (das sogenannte Infinite-Monkey Theorem) soll gerade zeigen, dass zwar zufällig Kopien von Kunst entstehen können, aber keine "echte Kunst. Der Deutschlandfunk hat zuletzt in einer Sendung zu kreativen Computern schöne Beispiele angeführt, die einen zumindest zweifeln lassen. DRadio Wissen hatte sich schon vor zwei Jahren mit dem Thema beschäftigt. Schon jetzt machen Computer ja Zeitungen (zumindest die Sportberichterstattung), werden wir bald also nicht mehr wissen, welchen Ursprungs die künstlerischen Schöpfungen in den Museen, Bühnen und Unterhaltungsmedien sind? Solange wir es nicht wahrnehmen, sollten wir dann von künstlicher kreativer Intelligenz ausgehen? Alan Turing hatte einen Test beschrieben, um künstliche Intelligenz zu identifizieren (eine schöne Diskussion hierzu findet sich hier). Vielleicht brauchen wir auch einen Turing-Kreativ-Test...

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